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Wien | 27.1.2005 | 16:28 
Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

BorisJordan, Fuchs, Hofer

 
 
Indie Rock Connect the Dots
  Ab und zu, wenn ein interessantes Produkt der Begierde nur einen Maus-Klick entfernt ist, wird bestellt, bezahlt und gewartet. Nachbarn werden ersucht, das "Paket" dem Postmann aus den Händen zu reißen und entgegenzunehmen. 2 Wochen Wartezeit und ein A4-Kuvert wird zwischen Katalog-Post und Werbeblatt der Wien Energie entdeckt.
Inhalt: "Indie Rock Connect The Dots" by Aye Jay!
Ein unscheinbares aber interessantes A4-Büchlein mit einem Manifest-ähnlichem Vorwort von: Steve Albini.
 
 
From the beginning:
  Aye Jay Morano aus Chico, Kalifornien hat mit einer kleinen Idee - die in frischebackenem Vaterneid entstanden ist - eine Welle der Begeisterung ausgelöst: der malende MC, Künstler und eben Daddy eines Crayon-verliebten Sohnes veröffentlicht 2003 im Eigenverlag ein "Gangsta Rap Coloring Book". Seite für Seite sind Umrisse von Dr. Dre, KRS One, Ice Cube und anderen Rappern und Hip Hop Stars zu sehen.
Die Hochglanz-gewöhnten Stars entfalten ein bezauberndes Eigenleben in ihrer schwarz-weiss-umrissenen Umgebung und verlangen vom "Leser" nur eines: Mal mich an! Füll mich mit Farbe aus! Sei wieder ein Kind!

 
 
  Ein Jahr später und um einen kuscheligen Verlagsplatz wärmer, greift der Zeichner Aye Jay wieder zum Stift und möchte diesmal sein Talent um ein paar Striche und Schattierungen mehr herausfordern: Im Buch "Indie Rock Connect The Dots" präsentiert er 18 Porträts von "Rock Stars".
Und zeigt aus seiner Perspektive die Posen der Indie-Welt. Diesmal sind es nicht die Flächen, die der Leser mit Farbe ausfüllen soll, sondern die Umrisse, die nach einer Zahlenreihenfolge verbunden werden sollen.
Zur Entschlüsselung bei welchem Indie-Star da eigentlich die Kurven nachgezeichnet werden, findet sich bei jeder Illustration ein kleines hinweisendes Rätsel:
 
 
 
LOST THEIR "SYMPATHY" AND GAINED NOTORIETY

(sepirtS etihW ehT: rewsnA)
 
 
  Nun ist es natürlich ein leichtes für erlesene Musik-KonsumentInnen, die Identität jener gezeichneten Individuen schon auf den ersten Blick zu erkennen. Und so ist der Aha-Effekt minimal und entsteht eigentlich schon unabhängig von der eigenen Mitmal-Aktion.
Oder wie Steve Albini im Vorwort erklärt: "Connecting the dots is now only a formality."

Steve Albini packt seine lyrische Metapher-Keule in die Hand und holt noch weiter aus: Im Vorwort stellt er z.B. den wagemutigen Vergleich, dass sich Indie Rock Musik doch gleich zum Affen verhält: "Its ass is showing plain as day."
Die Soundtapeten entfalten sich und verkleben sich im Vieraugen-Prinzip. Gesten sowie Codes würden wir gern interpretieren (nachahmen?). Es gibt doch mögliche Parallelen zwischen gesungener "Seven Nation Army" und unserer Alltagswelt, oder?
 
 
 
AFTER THE MOVIE ENDED, THEY FORMED THE RED PLANET.

(atloV sraM ehT & otcaF eD, nI evirD ehT tA fo ramO & irdeC: rewsnA)
 
 
Steve Albini sagt...
  "We also like indie rock (=a generic description that doesn't need defining, but has been defined so often that defining it can be considered part of its appreciation.) for its innocence, feigned or genuine. Innocence is of our childhood, where we could still be surprised by the picture finally revealed when one numbered dot was connected to another. Connecting the dots is the moment of enlightenment, when one realizes ... that any fool can play a guitar solo but it takes a genius to play that particular one.

Wie wahr, Mr. Albini, wie wahr!
 
 
 
Face to Paper-Face
  Das bezaubernde Büchlein erinnert mich an meine 15-Schilling Malhefte aus der Trafik ums Eck.
Annodazumal.
Nur dass ich mit Helden wie Elliott Smith oder Stephen Malkmus in ihrer kindlich unschuldigen Darstellung konfrontiert bin.
Und gleichzeitig aufgefordert, von Punkt 1 bis Punkt 73 den Weg meiner Zuneigung nachzuzeichnen.

Während Aye Jay Morano an seinen zwei nächsten Projekten arbeitet: Dem "Heavy Metal Fun Time Activity Book" und einem "Good Time Country Music Drinkin' Game" - ebenfalls im sympathischen Buchformat.

 From the concrete in Stockton to the Jicks in Portland
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  "Indie Rock Connect the Dots" ist über "Last Gasp" erhältlich.

www.lastgasp.com
   
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  Die virtuelle Heimat des Künstlers.

www.ayejay.com
   
 
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