So ist das tägliche Brot: Fragen stellen und Antworten bekommen. Oder auch nicht.
Kann ja nicht wissen, dass die "Batts", jene steirische Band, die mir über Mundpropaganda schon in den schillerndsten Farben als DIE Gitarren-Hoffnung nahe gebracht wurde und deren räudige Demo-Aufnahmen mir alle Pop-Schuppen von der Geschmackshaut weggeblasen haben, also dass diese Band so was eigentlich nicht gewohnt ist. Also das mit dem Fragen beantworten.
Hat die Band in ihrer kurzen Bandgeschichte doch leider schon die böseste Ausartung von Journalismus am dürren Leib erfahren müssen: die Phantasie des Autors zur Missinterpretation zu beflügeln. Als Slacker bezeichnet zu werden, die sich mehr um Disco-Rock-Bands sorgen als um Themen des sozialen Abbaus.
Sabotage!
Dass sich zwei Drittel der Band mitten im Interview verabschieden und Wolfgang Möstl das Sprach-Ruder überlassen, erleichtert das Frage-Antwort-Spiel nicht wirklich, aber Chaos ist ja der unbesiegbare Titelverteidiger in der Kategorie "wortreicher Kampf gegen den Alltag der Gewohnheiten", also konnte mir demnach wohl nichts Besseres passieren, als eine Band vor das Redaktionsmikro zu bekommen, die über ihre Musik wenig sagen will, ja sagen kann, außer halt was auf den 13 Songs ihrer quasi ersten Profi-Label-Langspielplatte schon gesagt wird. Helft mir, macht es nagelfest!
"Eine schönes Rock-Album geworden mit Pop-Einflüssen und Noise-Ausbrüchen und Emo, Post-Emo Geschrammel!"
Ene, mene, muh?
Come down to boredom!
Und kaum ist der Satz gefallen, weiß ich, welch dumme Aufgabe es ist, Bands anhand von Referenzpunkten, Meilensteinen der Bandgeschichte, Tour-Erfahrungswerten und Texten verstehen zu wollen. Ich erinnere mich an das Poster, das ich jahrelang angestarrt habe, auf dem sowas festgeschrieben stand, wie "turn yourself inside out and see the world with fresh eyes".
Das Album der Batts ist so ein Fleischumdrehungs-Soundtrack. Nur dass die Augen sich automatisch aus ihrer Sichtposition verabschieden angesichts dieser grenz-grungy rülpsenden Feedbacks und krachenden Schlagfeuerwerken. Gitarren-Akkorde featuring Schraubenzieher? Natürlich, das ist die Magnetfeld-Therapie, die ein wirkliches "Aufwachen" bedeutet, weil's dich aus den Bahnen haut und an einen befremdlichen Ort katapultiert, an dem du dich eben nicht anhalten oder Gott weiß in welcher melodiösen Fahrbahn verlieren kannst. Auch wenn die Laufrille des Melodiösen nicht zu verleugnen ist, nur ist sie unter Bergen und Meeren von anderen Dringlichkeiten wie z.B. Lautstärke begraben.
Extra Extended Expressions
"Es sind alle Songs gut!", kommt als Antwort auf die dumme Frage nach dem Lieblingskind. "Ja dann 'Up When You Crash' vielleicht!", meinte Wolfgang Möstl, Sänger, Texter und Gitarrist bei den Batts. Nachdem wir über Nirvana zu Sonic Youth kommen und halblustig das Format der Singer/Songwriter anreißen.
"Up When You Crash" ist ein zehnminütiger Song, in dem die hierarchisch unnötig hervorgehaltene Stimme im Hintergrund verschwindet und in der letzten Halbzeit gar gegen Schlagzeug und Bass das Rennen macht mit einer zum Mittelpunkt der Erde hineinbohrenden Über-Gitarre.
"Das ist vielleicht eine Frage, die man uns nicht stellen sollte!" Texte und Bandname also, zwei Fettnäpfchen und ich knietief drin, ein Streichholz suchend, dass mir ein analoges Lamperl endlich aufgeht. Soviel also zur Eigeninterpretation und schon bald finde ich mich übermütig am Nacherzählen eines Märchens, wie ich mir das Trio bildlich im Hühnerstall, dem umgebauten Proberaum vorstelle, wie sie an Batterien hantieren und beim Anblick von "9V" allen drei zeitgleich der Einfall kommt: "Wir haben mehr Energie!" Auferstanden durch Katharsis. Der Rest ist tatsächlich Geschichte, an dem niemand irgendwen messen muss, wenn man sich der Band abgekoppelt von ihrer menschlichen Hülle nur über die 13 Songs zu nähern versucht. Diese Songs für sich sprechen lässt. Die ganze Palette dieser paranoiden Herz&Blut-Taten, die einem da entgegengepresst werden. Das haste nicht gehört.