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Wien | 30.11.2006 | 21:49 
Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

BorisJordan, Fuchs, Hofer

 
 
Sad Songs
  Ich werde versuchen diesen Text in demselben Schreibfluss zu verfassen und meinem Sprechtempo anzupassen: einem euphorisch grenzhysterischen Tempo, mit dem ich mich selber überrolle, wenn in einem Satz diese Band erwähnt wird: The Frames.
 
 
I built a wall I cut you off.
  Eigentlich wollte ich schon beim heurigen Nuke Festival damit aufhören den Frames mit offenem Herzen hinterherzurennen und mich abnabeln. Hat nicht funktioniert, naja dann halt beim nächsten Mal dachte ich letzte Woche und hab mir einmal vielleicht zweimal das neue Frames-Album angehört und dann zur Seite gelegt. In die Szene wollte ich dann letzten Sonntag eh fast gar nicht mehr gehen, schließlich haben die Batts in der Arena gespielt und aber dann doch ein kurzes Zusammensitzen mit Glen Hansard und Colm Mac ConIomaire, der Idee hinter dem Album "The Cost" lauschen und dann kann ich mich schliesslich nicht auch von der Live-Umsetzung drücken.
 
 
 
The side you never get to see
  Vor allem, nachdem ich ja tatsächlich im Interview dem letzten Album "Burn The Maps" eine Live-Qualität zugesprochen habe, obwohl mir Mr. Hansard natürlich offensiv widersprechen musste, denn "Burn The Maps" war wie die Decke einer Sixtinische Kapelle während "The Cost" in der Bandinternen Herangehnsweise eher dem Dachziegelverlegen näher kommt.

Und die Frames waren schon immer eher ein Live-Act als eine Studio-Band und es is kein Zufall, dass ich aus Gründen der livetechnischen Nichtreproduzierbarkeit das Album "For The Birds" noch immer für ihr bestes halte, während sich "Burn The Maps" im Laufe der Zeit einfach zu "glattgespielt" hat. Und da wären wir schon beim wichtigsten Faktor bei den Frames: die Zeit.
 
 
 
"People all get ready
'Cos we're breaking down the band
Rewrite what's gone already
And see it through with wiser hands
And what has gone between us
Is a lot. And who'll be there to ignore us? When you're not?"
 
 
  "The Cost" ist also das Album auf dem die Frames schnelles Spiel betreiben wollten: "We'd do all our homework upfront and we'll allow the songs to be what they are - in the studio. Plain songs. Recorded simply. Having a life of its own."
Alles was dannach kommt, Zahlen und Fakten und Statistiken, ob das Album denn genauso wie "Burn The Maps" wieder Nummer 1 der irischen Albumcharts werden würde - muss und sollte unbedacht bleiben.
Da hält Glen Hansard nämlich seinen eigenen Respektabstand zum Werk und Musiker-Dasein. "A magazine gets printed and it has a week of life, whereas an album gets printed and it has a lifetime. Great records never get lost. Nothing can be judged in the moment. No one can say that the Frames made their best record. Everything only makes sense with a distance!"
 
 
 
 
 
  Ich komme ja schon gleich zum Punkt und zum Inhalt, aber davor noch ein langsichtiger Blick auf das Albumcover von "The Cost" damit wir den neuen Aspekt der Frames auch wirklich verstehen können: "What it says is basically that no idea is permanent. No idea of your persona or your existence is permanent." Die handschriftliche Notiz vom spanischen Maler Antoni Tàpies prangt also auf dem Cover und um diesen Gedanken der flüchtigen Momente mit - entweder/oder - langandauernden Folgen kreist auch "The Cost".

Und jeder Song, sei es das erwähnte "People Get Ready", "Rise", "Falling Slowly" oder "The Cost" vertont zwischenmenschliche Spannungen. Erkennen kann das der geneigte Fühlfan an dem langsam sich aufbauschenden Start in dem die Stimme im Vordergrund steht und sich später in der stürmischen Orkan-Mitte den Geigen und Gitarren als ein verzweifeltes Heulen unterordnet. Mit all dem lang gezogenen Krächzen, das bei einem Live-Konzert stets mit dabei ist (Wie der Kaugummi in des Sängers Mund). Höre "True" zum Beispiel.

Wie viel geschätzte Zeit Hansard&Co dem Album "The Cost" geben will, bis es sich die Hörer einverleiben und zu ihrem Favoriten erklären, hab ich beim Interview vergessen zu fragen. Was letztendlich auch von Grund auf egal ist, wer will schon eine zeitliche Anleitung bis ein Germteig der Emotionen überquillt oder eine/n erreicht. "When your mind's made up. There's no point trying to change it."

Mit welcher Rastlosigkeit und Unvernunft ich mich schon in den Alltag gestürzt habe. Für mich ist "The Cost" momentan ein Album voller Narben - für die ich allerdings keine Schminke brauche. Finally.

 
 
Just that you know
  Vor Erscheinen des Frames-Albums "The Cost" hat sich Glen Hansard mit der tschechischen Sängerin Marketa Irglova seinem ersten Solo-Album gewidmet. Ursprünglich als Auftragsarbeit für den Soundtrack von "Beauty in Trouble" (Regie: Jan Hrebejk) gedacht, ist aus "The Swell Season" nun ein 10-Song-Album geworden. Eines auf dem ein Gegenwind zwischen den beiden ungleichen Sängern - Glen und Marketa - weht. Oder Gegenliebe. Anhören.

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  www.theframes.ie
   
 
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