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Wien | 8.1.2008 | 00:45 
Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

BorisJordan, Fuchs, Hofer

 
 
Lost in the Studio 2 Session
  Die neunte Ausgabe der FM4 Soundpark Studio 2 Session mit Francis International Airport und Clara Luzia.
 
 
 
We are jealous, we are glass
  Nicht gesungen, gezittert habe er, Mexx, der Sänger von Francis International Airport, als die Signation losging, die Band die "Bühne" des Studio 2 im ORF Funkhaus betreten und den ersten Song angestimmt hat. Das sich langsam aufbauende "Lost in Design". Ein Song, dessen trauriger Melodiebogen sich selbst in seiner komprimierten Myspace-Form schon vor Wochen in mir eingenistet hat. Vielleicht merkt man eine gute Band an der - in diesem Fall -kaschierten Nervosität.
 
 
 
 
 
  Der FM4 Soundpark hat wieder mal zu einer öffentlichen Aufnahmesession eingeladen und diese ist sowohl für das sitzende Publikum, dessen Räuspern, Reden, Klatschen oder Kreischen auf Band gebannt wird, als auch für die auftretenden Bands etwas Ungewohntes. Wann hat man schon an die 80 Gäste im Proberaum-Studio, und wann wird man dabei gefilmt?
 
 
 
 
 
  Francis International Airport könnten sich hinter ihren Referenzen verstecken. Locker! Andere machen es schließlich auch so. Auch sie könnten souverän und gut dastehen. "Wir nehmen von da ein bisschen und von dort auch!", könnten sie sagen und das Ergebnis einfach als eine Aneignung der Einflüsse, als einen ganz natürlichen Prozess von Musikauskennern, beschreiben. Das wäre aber zu leicht und es würde ihrem langem Bandfindungsprozess nicht gerecht werden.

Dass die Band an ihrem Sound gefeilt hat, merkt man ihnen im positiven Sinne an. Man weiß, wie man klingen möchte, wunderbar zweistimmig zum Beispiel. Instrumental von hinten kommend. Nicht mit Brüchen überraschen, sondern ein Instrument nach dem anderen in den Vordergrund spielen. Damit der Zuschauer, die Zuschauerin plötzlich die fünfte und sechste Saite am Bass erkennt. Den beiden Cello-Spielern ein Ohr schenkt, weil es sich sanft aufdrängt. Da hört man sich gerne einen Song zweimal an, wenn die Steigerungsform von "besser" zu einem "besser" wird.
 
 
 
 
 
 
 
I don't mind being lost, cos I'm not very hard to find
  Stimmt, an Clara Luzia kommt man schwer vorbei. Wer die Band noch nicht auf einer Bühne gesehen hat, interessiert sich womöglich weder für Gitarrenmusik, noch für das musikalische Land mit dem großen A. Zahlreiche Support-Gigs, zwei Alben, eigenes Label und zuletzt ein Gastspiel mit Sarah Dougher.
Clara Luzia erklärt im Interview, sie mag keinen "verkopften" Sound, ein Song ist eine Momentaufnahme und keine akustische Briefmarke, die man mit einstudierter Vorsicht in die museale Ewigkeit verabschiedet.
 
 
 
 
 
 
 
  So eine Aussage muss man sich bis zu einem bestimmten Grad aber auch leisten bzw. erspielen können. Der sechsköpfigen Band merkt man die Stilsicherheit nicht nur durch das zahlreiche Livespielen, sondern auch durch die freundschaftliche Augen-und-Mundwinkel-Kommunikation - auch auf einer kleinen Bühne wie im Studio 2 - an. Das Konzert beginnt entspannt. Auch hier ist der zweistimmige Gesang ins Zentrum gerückt.
 
 
 
 
 
  Man könnte jetzt mit Adjektiven um sich werfen. Vielleicht ist man schon vom Rahmen einer Studiosession her gezwungen, auf die Instrumentierung zu achten, auf die exakte Songdarbietung, auf die Geburt eines in all seiner Melancholie doch aufbauendem Songs wie "Tidal" zum Beispiel.
Dass man sich ergriffen zeigt, einen die Gänsehaut überrascht, ist vielleicht - eine vage Vermutung - das emotionale Zahlmittel bei so einem Konzert, das eigentlich - diesmal keine Vermutung - unbezahlbar ist.

Ein interessantes Gefühl, wenn man am Rande Zeugin einer entstandenen Intimität wird. Ein Gefühl, das man gerne wiedersucht. Und da wär sie also wieder: die Sucht.

Mein erstes Konzert 2008. Ich kann mir kein besseres vorstellen.
 
 
 
Fotos (c) Pamela Russman
 
 
  Die FM4 Soundpark Studio 2 Session wird am 14. Jänner in der Homebase (19:00-22:00) ausgestrahlt. Die Höhepunkte als Download und dazugehörige Videos findest du [hier].

Das neue Album von Francis International Aiport "We are jealous, we are glass" soll in der ersten Jahreshälfte des Jahres 2008 auf Siluh Records erscheinen.

Clara Luzia's neue EP erscheint Ende April auf Asinella Records.
 
 
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