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Wien | 1.2.2008 | 15:30 
Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

BorisJordan, Fuchs, Hofer

 
 
Ein Marmeladenglas
  Jemand hat den Vergleich aufgestellt, dass Konzertbesuche von wiedervereinigten Bands gealterter Jugendhelden im besten Falle so sind wie eine Fahrt an den Urlaubsort der Kindheit. Der Strand ist dort wo er war, das Hotel schaut noch gleich aus, aber die gleiche Stimmung von damals will natürlich nicht hochkommen.
Nun könnte ich meine Smashing Pumpkins Erlebnisse diesem Vergleich theoretisch entziehen, denn den einzigen Italienurlaub mit Familie hatte ich sowieso noch nie in guter Erinnerung.
In bester Erinnerung hab ich dafür die öffentliche Bibliothek ums Eck, wo mit zunehmender Vernunft auch stets die wenigen aber zu Diensten liegenden CDs entliehen wurden. Irgendwann landete "Siamese Dream" in diesem Stapel und damit fing das emotionale Zerwürfnis mit dieser Musik eigentlich auch an.

Die erste (Festival)Tournee nach der "Auflösung" im Jahr 2000 hat die Smashing Pumpkins auch zum Nova Rock geführt. Die Show war freudig erwartet und beseelt von einer (Neu)Gier nach Vergangenheitsbewältigung. Mit Grandezza und Bombast wollte Billy Corgan mit seiner aufgestellten Mannschaft (von der Originalband blieb Jimmy Chamberlain auf der Sonnenseite übrig) noch mal zeigen wie er den Indierock-Haussegen in den 90ern gezimmert hat.
 
 
 
Ein Zeitgeist
  Smashing Pumpkins ist mit dem Comeback-Album "Zeitgeist" künstlerisch leider alles andere als ein nahtloses Anknüpfen an Akzente setzende Songs und Musiken geglückt. Die ihm sehr wohl zugetraute und hoffnungsvoll erwartete Kreativausschüttung und in Folge die Instandsetzung von Rockmusik im Jahr 007 ist mit "Zeitgeist" nicht eingelöst worden. Das Album geht mit seiner perfektionistischen Breitbandproduktion unter. Dieses künstlerische Scheitern ist in meinen Augen auch für die musikwirtschaftliche Seite interessant, denn Billy Corgan war stets auch an neuen digitalen Vertriebswegen interessiert. Und hätte dieses Album in Europa etwas mehr bedeutet als "another rock record from another band" sprich hätte Billy Corgan an den alten Kritiken-Erfolg (NICHT: Zahlen-Erfolg!) anknüpfen können, vielleicht wäre schon bald eine ähnlich wichtige Strategienachricht aus dem Pumpkins-Lager gekommen wie sie uns alle Ende des Jahres aus dem Radiohead Kopfpflaster überrascht hatte.
 
 
 
 
 
Eine Funktion
  Smashing Pumpkins sind eine funktionierende Band. Aber der Begriff funktionierend hat gestern Abend in der Stadthalle vorzüglich gezeigt, dass das nicht immer ein Plus sein muss. Einwandfreie Darbietung, ein Song nach dem anderen, in der ersten Stunde kaum unterbrochen von einigen dankbaren "Thank You's" aber außer Glanz und gestrenger Konzentration passierte nicht viel. Soviel zur ersten Stunde.
Das, was ich im Vorfeld als eine streberhafte zweiseitige Songvorschlagsliste vermutet habe, entpuppte sich nämlich tatsächlich als die wahre Setlist und so überraschte das Konzert vor allem in seiner Länge. Hier gewinnt also neben den Begriffen "funktionierende Band" auch das Wort "Aufwärmen" eine neue Bedeutung. Einige Cover-Einlagen durften in der zweiten Konzerthälfte nicht fehlen. Allen voran eine (Überraschung!) Version von Van Morrisons "The Way Young Lovers Do" und Buffalo Springfields "For What It's Worth".
 
 
 
Eine Reaktion
  "What's that sound?" fragte auch ich mich, als die Band mit "Ave Adore" in einer mit Tempo und Riffs angereicherten Hall Of Fame-Version das Publikum beglückte. Mit Konzert-Überlänge die fehlende Seele in der Darbietung - die zuerst durch unantastbare Gestik einfach nur als kühl zu beschreiben geht - wettzumachen, ist natürlich löblich. Aber nur weil ich mir ein 10 kg Marmeladenglas kaufe, schmeckt die Marmelade trotzdem nicht besser.
Vielleicht ist das aber auch der Fluch des Billy Corgan der es schafft, eine auf Perfektion getrimmte Band zu dirigieren aber trotzdem Lücken zu hinterlassen.

So what do you want?
I want cha - a - a - a - nge.
 
 
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