P. ist nicht da. S. würd ich gern verprügeln. C. ist mir egal. Und R. sagt, ich sei ja betrunkener als er. Okay, ich hab ihn aber vielleicht auch eine Spur beleidigt. Der zweite Tag vom Donaufestival hat ein paar emotionale Spannungsherde angeworfen. Naja. Kein Wunder, der gestrige Festivaltag hat mit einer mikroskopisch nicht unwichtigen Meldung angefangen: Dieser hier. Dazu vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt mehr. Gestern war ein Premierentag für grob zusammengefasst: Erfahrungen. Oder Reaktionen. Ich hab gut lachen, denn ich sitze nicht seit gestern 22 Uhr in einem Kunststoffiglu und muss Klarinette spielen. Das machen Amber&Gold, die einen interessanten Musikaspekt "erleben" wollen: 24 Stunden musizieren und diese 24 Stunden dann auf Popsong-format komprimieren. Ansehen kann man sich das hier. Vorbeischauen und durchs Iglu winken kann man noch bis heute 22 Uhr.
Aber die eigentliche Premiere war gestern der Auftritt von Gustav featuring der Trachtenkapelle Dürrenstein.
Das Leben ist kein Wunschkonzert?
Mit diesen Songzeilen hat Eva Jantschitsch gestern ihr Set eröffnet. Ein ausführliches Videofeature mit Songauszügen wird es nächste Woche auf diesen Seiten geben. Soviel sei aber schon mal verraten: Die Minoritenkirche, wo der Auftritt stattgefunden hat ist eine großartige Location, wenn man auf ein Podest der vielen Saalsäulen hochklettert, imponiert der Blick auf Bühne und Geschehen. Gustav hat gestern ihr Material vom neuen Album "Verlass die Stadt" präsentiert: Die Wut von "Rettet die Wale" liegt nun unter einer stimmigen Schicht von Harmonie begraben. Wörtlich genommen haben die Texte nichts an ihrer Bissigkeit verloren. Großen Respekt für diesen gelungenen Auftritt.
Oder doch..?
Scott Matthew sitzt schon auf der Bühne und umklammert die Ukulele. Der australische Sänger zeigt sich von der versammelten Publikumstraube ("sweethearts!") und ihrer Aufmerksamkeit beeindruckt. Erzählt, dass er Europa liebt, weil Amerika, na wir wissen es eh. Ihn und nur ihn mache ich für die fleischgewordene Wut in mir verantwortlich. Kann sich jemand noch an "Punch Drunk Love" erinnern? Ja, also wenn man das Schöne plötzlich zerstören will?
Auch wenn Scott Matthew für den Soundtrack von Shortbus verantwortlich war. Seine Musik ist Punch Drunk Love. Das Konzert war ein absolutes Highlight. Gänsehaut ist gar keine Kategorie. Das Klavier und die Ukulele waren hier nur das Kissen, in dem sich seine besungenen Tränen einsammeln konnten. Wenn sich Antony & The Johnsons unter der Last seiner Stirnfranzen hinterm Klavier verbiegt, Soap&Skin auf Zehenspitzen ihre Narben sucht, macht Scott Matthew nichts anderes als: die inneren Existenz-Dämone zu feiern. Mit ihnen zu flirten. Mit lauter Stimme singt er: "I don't care if the world's upside down."
Kein Halten vor lauter Entzückung gab es, als sich Herr Matthew an Joy Divisions "Love will tear us apart" wagt und vor der Intensität selber erschreckt. Die Überraschung des Abends. "All my feelings exposed?" Bitte nochmal wiederkommen.
Und die
Hidden Cameras also? Die sind gewachsen. Der Münchener Fußballchor begleitet die Band nun auf ihrer aktuellen Europa-Tour. 26 Musiker zählt die Band also. Eine Tatsache bei der Kollege Pfister beim Interview die brennende Frage in den Raum werfen liess, ob das denn nicht ein teures Vorhaben sei. Joel "Ich spreche jetzt deutsch!" Gibb meint natürlich, mache man Kunst nicht für Geld und alle haben genug gegessen. Er selber hat zwei Teller vom Menü verspeist. Und ein Lügner ist er auch nicht, also wer sich noch an das Feldkirch-Konzert beim Poolbar-Festival erinnern kann, der solle nicht glauben, dass sich die Band nochmal auszieht. Denn jede Show ist einzigartig. Ein neues Lieblingswort des Joel Gibb.
Die Show war gewohnt verspielt ohne aus den professionellen Fugen zu geraten. Augenbinden kamen genauso zum Einsatz wie zwei Bühnentänzer. Ein Bad in der Menge durfte auch nicht fehlen. Wer nicht mitgetanzt hat, war selber schuld. Bei mir schaut das dann aus wie Schattenboxen, wo wir wieder bei S. wären. Aber davon muss Joel Gibb nichts erfahren. Einzigartig.