fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 8.1.2007 | 21:16 
Cinema paradiso: Mein Leben in der Großstadt zwischen bewegten Bildern, sprechendem Papier, lauten Menschen, virtuellem Dorf und Cocktailstunde.

Sonja, Fuchs

 
 
Unsolved Mysteries: Die Spalten-Frage
 
 
 
 
An apple a day keeps the doctor away.
  Es gibt viele Gründe, eine Apfel zu essen. Man kann zum Beispiel testen, ob das Zahnfleisch intakt ist und eh keine Blutspuren im Schneewittchen-Fleisch hinterlässt. Wer seinen Apfel mit der wächsernen, blank gerubbelten Schale mampft, führt dem Körper verrückt wichtige, praktisch auf die Sekunde lebensverlängernde Enzyme zu. Sagt die Kaste der Dr.med.s und die Ernährungsberaterin im Fernsehen.
Es gibt selbstredend ebenso viele Gründe, einen Apfel nicht zu essen. Meine Mutter schlägt heute noch die Hände überm Kopf zusammen, wenn ich nach 18 Uhr kraftvoll zubeiße. Die Gärung! Im Magen! Da kann man ja nicht schlafen! Oder was auch immer man angeblich nicht können soll, wenn man einen Apfel als Abendessen verbrennt. Hingegen ist es völlig okay, dem Zahnbürste verweigernden Kleinkind ein Apfelspältelchen in den Kiefer zu drücken, nachdem es glückselig einen Schoggoschirm geschlürft hat. Denn so ein Apfelbiss, der wirke ja praktisch wie drei Minuten Auf- und Ab-Schrubben.
Von der Weltanschaulich differierenden Diskussion, ob man nun den Apfel samt Stängel und Gehäuse und Kernen verputzen kann oder soll, ganz zu schweigen.

 
 
Das unattraktive Obst
  Ich muss hier - sozusagen als Abfallprodukt der Kolumne - eine Lanze für den Apfel brechen. Denn der Apfel in seiner natürlichen Erscheinungsform ist in unseren global vernetzten Zeiten der prall gefüllten Supermarktregale etwas aus der Mode geraten. Lieber Weintrauben im Dezember aus Südafrika einsackeln, eher die südlich von Niederösterreich wachsenden Litschis (pfui gack!) zum Dessert anbieten, unbedingt Starfruit mit Chardonnay vermählen - aber bloß nicht langweilige Kronprinz Rudolf-Schnitze aus saftig-steirischen Lagerhäusern kredenzen. Uncooler kann man sich als Gastgeber im dritten Jahrtausend gar nicht aufführen.
 
 
 
Die Frage aber.
  Die Frage aber, liebe Kinder, die ich hier gerne in den Raum stellen möchte, ist die (und ich bitte um den Selbsttest zu Hause): Warum mundet der Biss in die akkurat geteilte Apfelspalte geschmeidiger als das durchaus aufwändige Knabbern am Rund des ungeschnittenen Apfels? Sind es nostalgische Erinnerungen an die Zeit, als Mama noch liebevoll die Frucht für uns Mini-Me-Menschen in mundgerechte Happen schnitt, die wir alltagsgeschwächten Hackler mitschmecken? Steht der unzerhackte Brocken für die Härte des Alltags, durch die wir uns hindurchbeißen müssen, sobald wir im Morgengrauen das wohlig warme Nest der Daunendecke verlassen?
Lasst es mich wissen.
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick