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Wien | 16.1.2007 | 15:38 
Cinema paradiso: Mein Leben in der Großstadt zwischen bewegten Bildern, sprechendem Papier, lauten Menschen, virtuellem Dorf und Cocktailstunde.

Sonja, Fuchs

 
 
Entdecke die Möglichkeiten
  Nix für Bequemlichkeitsfanatiker und All-inclusive-Touristen: der "Do-it-yourself"-Städteführer einer italienischen Notizbuchmanufaktur.
 
 
 
  28 Stunden vor meinem Abflug fragt A. höflich: "Und? Hast du schon Pläne gemacht, was du dir alles anschauen willst in Paris?" Ich: "Nein." A., sichtlich erschüttert: "Echt nicht?" Ich: "Nein, echt nicht, wieso?"
Paris ist eine europäische Großstadt. Die französische Sprache ist mir nicht komplett fremd. Ich kenne die Infrastruktur europäischer Großstädte. Ich habe ein ausgezeichnetes Orientierungsgefühl, das sich sklavisch den Himmelsrichtungen fügt. Den Eiffelturm werd ich wohl finden. Und der Rest ergibt sich, wenn ich dort bin.
Zuerst mal das unbekannte Terrain sehen, schnuppern, anspüren, wirken lassen. Aus dem ersten Eindruck, dem ersten Stadtgefühl wächst der Auftrag an mich ganz von selbst. Ein persönlicher Auftrag, den ich in fünf Tagen und vier Nächten mit Leben zu füllen gedenke.

 
 
 
 
Reiseführer suck.
  Seien wir doch mal ehrlich: Reiseführer stinken. Zugegeben, es kommt darauf an, welche Erwartungen man an den Aufenthalt stellt. Wer Sehenswürdigkeiten, Museen und Friedhöfe nach Anleitung abklappern will, wer gern einen verkürzten Abriss der Geschichte der Destination auswendig lernt, wer Selbstbewusstsein generiert, wenn er total unverkrampft Jahrestemperaturmittelwerte bereits im Landeanflug dem Sitznachbarn ins Ohr brüllt, kurz gesagt: wer seinen Aufenthalt mit einer Aneinanderreihung von einzigartigen, wahnsinnig untypischen, hochgradig originellen Erlebnissen spicken möchte, der wird mit dem System Reiseführer, egal welcher Marke, sein Auslangen finden.
 
 
 
 
 
Ein Leben im Tag von.
  Mein System aber heißt: Alltag. Mich treibt der Ehrgeiz an unterzutauchen. Mit jener Masse aus Menschen, Gebäuden, Straßen und Schluchten eins zu werden, die dorthin gehören (minus Erwerbstätigkeit). Der Plan heißt: Nicht aufzufallen als mitten im Weg stehenbleibendes, Stadplan faltendes Fräulein. Gesucht sind: das (in diesem Fall: Pariser) Äquivalent zu meinem Supermarkt, meinem Kaffehaus, meiner Buchhandlung, meinem Friseur, meinem Schuhgeschäft, meinem Postamt, meiner Bäckerei, meinem Gehtempo, usw.
Ich will wissen, wie die Stadt tickt und lebt und atmet. Und das kann man halt nicht erfahren, wenn man eine dreiviertel Stunde ansteht, um ein weltberühmtes Gemälde in echt anschauen zu können.
Dazu müssen jene Dinge getan werden, die ich tun würde, würde ich in der Stadt leben (minus Erwerbstätigkeit). Und das steht halt nicht im Reiseführer. Denn diese Informationen müssen erarbeitet werden. Ergangen werden. Erfragt werden. Erspürt werden.

 
 
  Da das menschliche Hirn durchaus zum Vergessen neigt, würde man gern das gesammelte Wissen formlos, aber rechtzeitig zu einer Art Papier bringen, die die Halbwertszeit einer Supermarktquittung geringfügig übersteigt. Manchmal würde man auch gern bemerkenswerte Wegstrecken auf der Karte markieren, ohne Straßennamen unkenntlich zu machen. Manchmal überfallen einen in der Fremde auch verrückt viele Gedanken und Einfälle, die ob der Reizüberflutung Purzelbäume schlagen und sich am Abend im temporären Quartier nicht mehr stringent rekonstruieren lassen.

Für all diese Problemfälle gibt es nun eine Lösung, die die italienische Notizbuchmanufaktur Modo&Modo patentieren hat lassen. Nämlich das Moleskine City Notebook.

 
 
Das eigene kleine Reise-Notizbuch
  Das City Notebook kommt im gut verstaubaren DIN A6-Format daher, wie üblich in schwarzem chinesischen Kunstleder mit Fadenheftung, drei Lesebändchen und Gummiband zum Arretieren. Jedes Notebook enthält eine Übersichtskarte und Detailkarten der Stadt (derzeit erhältlich Amsterdam, Barcelona, Berlin, Dublin, Lissabon, London, Madrid, Mailand, Paris, Prag, Rom und Wien), ein selbst zu erstellendes Archiv mit 96 Seiten, bis zu 76 blanko Seiten, 32 Abreißzettel und 12 transparente Klebezettel, um den eigenen Weg durch die Stadt zu markieren.


 
 
  Der schöne - und sicher auch beabsichtigte - Nebeneffekt: das zeitlose Notizbuch kann man selber bei weiteren Besuchen weiterschreiben. Oder Personen, die höchsten Vertrauensstatus besitzen, auf deren Reise mitgeben. Oder bereits im Vorfeld Tipps von Freunden und Bekannten lässig an der Theke lehnend reinkritzeln.
Und um wieder auf das Thema "Unauffälligkeit" zurückzukommen: Wer Notizen schreibend, Plan zeichnend und Zettel einklebend mit so einem Moleskine City Notebook im Kaffeehaus in Paris, London oder Amsterdam sitzt, der wird nur von Connaisseuren als Tourist erkannt...

 
 
 
 
  P.S. Je l'ai trouvé, sagt man glaub ich, n'est-ce pas?
 
 
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