Im Jahr 2009 wird Linz gemeinsam mit der litauischen Hauptstadt Vilnius Europäische Kulturhauptstadt sein. Diesen Titel hat sich Linz zu Recht verdient. Schon seit Jahren arbeitet die oberösterreichische Landeshauptstadt intensiv am Ruf der kreativen Kunsthochburg Österreichs. Kunstuni, Ars Electronica und vieles mehr argumentieren diesen Titel. Und die vermeintlich innovative Umgebung scheint sich auch auf das popmusikalische Schaffen in der Stadt erfolgreich auszuwirken.
Mit Texta hat Linz sowieso die selbstgekrönten HipHop-Kaiser von Österreich. Kreisky sind auf dem Weg international beachtet zu werden und noch viele andere Formationen zwischen Avantgarde-Electronic, Pop und Indierock mit Linz als Wohnort machen lautstark auf sich aufmerksam.
Kings In High Heels
Es gibt da eine spezielle Pose an der sich alternative Popmusik schon seit Urzeiten nährt und gleichzeitig in den hochmütigen Schwanz beisst. Der unsäglich jämmerliche Zwang alles und jeden ironisch zu sehen und zynisch zu verseuchen. Das beginnt bei den aufmerksam ausgewählten Socken, die auch schon einen viermal gebrochenen Standpunkt ausdrücken wollen und endet bei der Zigarettenmarke. Im besten Fall.
Nun ist das schon alles okay. Und ohne Ironie bleibt meistens eh nur der Galgen, aber Ironie als inszenierter Lebensinhalt erscheint mir dann doch zu einfach und auch zu langweilig. Ich persönlich möchte spüren. Ich verzichte gerne auf wörtliche Sicherheit wenn man dafür den Preis der Verneinung und Lauwarmheit zahlen muss. Entweder schwarz oder weiß. Ja oder nein. Auf jeden Fall aber Emotion. Sturm. Gewalt.
Nun vielleicht leg ich der soeben aufgebäumten Linzer Band Mord zu viel in den Mund. Aber genau wie die Bruderband Kreisky - drei Mitglieder von Kreisky sind auch bei Mord dabei - geht es bei Mord primär um Stellungen, um Befindlichkeiten. Kein unentschiedenes Gezirpse. Bei Mord geht es ums Leben. Die Gruppe hat soeben das Debüt Chapter Done veröffentlicht. Experiment-Pop auf hohem Niveau.
Black Metal
Mord haben sich eine Heimat im Wald zwischen den Surrogat, Sonic Youth und Walkie Talkie gesucht und man kann sie augenblicklich zur Spitze der heimischen Popschaffenden zählen. Ihr erstes Album Chapter Done ist ein druckvoller Sturm. Und erinnert mich stark an das deutsche Rock-Experiment Surrogat von Sänger Patrick Wagner.
Auch da wurde ernsthaft, aber nicht humorlos ums Leben geschwommen und der Hörer einfach weggeblasen.
Mord muss man kilometerweit von herkömmlichen Indieoutfits ansiedeln. Mord sind eigentlich schwärzester Metal. Wechseln manchmal das musikalische Mäntelchen. Das je nach Track mal krautrockig oder mal ein wenig technoid gestreift. Organischer Techno irgenwie. Techno deswegen weil der Rhythmus, das Mantra bei Mord große musikalische Zutat ist. Dazu wird um Luft und um Worte gerungen und starke Befindlichkeiten mit dezenter Sprache auf den Punkt gebracht. Mein Gott die Band hat zwei Schlagzeuger.