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Wien | 20.12.2007 | 01:24 
Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

Gerlinde, Rob

 
 
Decemberlist, Zwanzig
  Porcupine Tree: 'Fear Of A Blank Planet'
 
 
 
  Kaum zu glauben. Irgendwie kommen Porcupine Tree mit jedem Album das sie veröffentlichen als junge Retter des - für viele ambivalent gefühlte - Genres Progrock daher. Ein jedes Mal kann man hören, dass die Briten das progressive Gehabe auf den alternativen Campus kicken würden. Dabei ist das Mutterschiff Porcupine Tree schon seit zwanzig Jahren am Fliegen. Aber das ist ja immer so wenn die Sperrspitzen einer Subszene von einem Publikum außerhalb des abgesteckten Reviers wahrgenommen werden.

 
 
  Porcupine Tree wurden aus einem Unfall geboren.
Bevor Porcupine Tree-Anführer Steven Wilson mit seinem Metal-Kaleidoskop abhebt, versuchte er mit der Rockband No-Man beim englischen Vorzeige-Independent-Label 'One Little Indian', bei dem Leute wie die Sugarcubes, Crass oder die Shamen zu Hause waren, sein Glück. Das funktionierte bedingt.

Nebenbei erfindet Wilson eine fiktive Band namens 'Porcupine Tree'. Schreibt der Gruppe einen spektakulären Lebenslauf den es nicht gibt und bringt einigen Fake über die angeblich legendäre Progrockband aus den Siebzigern im Umlauf. Im Alleingang nimmt er ein paar Tracks auf wie er sich seine Porcupine Tree vorstellt. Irgendwie landet dann 1991 einer dieser Tracks auf einer Psychedelic Rock-Compilation. Und dann geht's auch schon relativ schnell bergauf. Die Leute fressen die Erfindung größtenteils und wollen mehr. Und Wilson gibt ihnen mehr und schreibt den Backkatalog seiner Erfindung Porcupine Tree. Irgendwann verschwimmt der Spaß derart, dass sich Porcupine Tree definitiv in der Wirklichkeit manifestieren und Wilson nichs anderes mehr übrig bleibt, als seine Erfindung Wirklichkeit werden zu lassen und rekrutiert Musiker für Liveautritte und weitere Plattenaktivitäten.
 
 
 
 
 
  Und dann beginnen Porcupine Tree so richtig davon zu fliegen und bringen mit ihrem psychedelischen Progmetal auch Ohren zum hören, die sich nur heimlich Pink Floyd in das Gehirn knallen. Warum ist schnell erklärt. Porcupine Tree bzw. Steven Wilson springen derart virtuos von einem Genre zum anderen, dass es eine Freude ist. Der Brite schöpft von jeder Möglichkeit den Rahm und lässt zum Beispiel Kinder aus Ambient und Rock auf Acid Beats tanzen wie es sich so sonst kaum jemand traut. Bzw. einfach nicht so gut hinkriegt. Die Tool für die Verspielten. So auch auf der neuen Platte 'Fear Of A Blank Planet'.
 
 
 
 
 
  Auf dem Cover von Fear Of A Blank Planet darf ein blaugesichtiger Junge mit seltsamen Augen runterhypnotisieren. Wie ein guter Einband eines guten Stephen King Romans. Ein aggressiver kleiner Balg der weiß, dass er nicht bestraft wird. Und so klingt dann auch die Platte. Ein einziger aufwühlender Kulturpessimismus.
'Fear Of A Blank Planet' ist eine eiskalte Reise durch ein Gomorrha, über dem schon die strafenden Wolken warten, damit sie endgültig und für immer Sonne und Mond schlucken dürfen. Schnell aufs Gas treten, damit die kleinen Zombiekinder nicht aufs Auto springen.

Eine hervorragende Arbeit. Diesmal mit mehr Fokus auf Industrial und Elektronik. Aber gerade so dezent und homogen, dass Wilson einer genauen Zuweisung geschickt entgehen kann.

Und dann fängt es auch noch an zu regnen ein Blitz zerreist eine Straßenlaterne und der Wagen überschlägt sich und die Zombiekinder kommen schon.
 
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  Porcupine Tree

Die FM4 Decemberlist
   
 
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