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Wien | 17.3.2008 | 20:10 
Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

Gerlinde, Rob

 
 
Undead, undead, undead
  the virginal brides file past his tomb
strewn with time's dead flowers
bereft in deathly bloom
 
 
 
The Sky's Gone Out
  Es kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Ich höre nun seit ein paar Tagen kaum was anderes als die Comebackplatte der fast schon mythisch-verklärten Undergroundsuperstars Bauhaus und kann meinen Ohren nicht trauen.

1983 veröffentlichte die englische Band ihr letztes Studioalbum Burning From The Inside. Und jetzt halte ich das Go Away White aus dem Jahr 2008 in den Händen und die Platte klingt von Anfang bis zum Ende als wäre sie nicht jetzt, sondern eben vor 25 Jahren veröffentlicht worden. Ich höre den logischen Nachfolger zu dem Werk, mit dem sie 1983 ihre Bandkarriere beendet haben.

Da muss wohl eine Zeitreise oder was Unheiliges im Spiel sein. Bauhaus klingen so jung und frisch, als wären sie eben von zu Hause ausgezogen und in ihre zerzausten New Wave-Klamotten gehüpft. 'Go Away White' ist eine stürmische Großstadtmesse. Ein bitterkalter Eissturm, der junge Möchtegern-Wave-Popper blass um die Nase werden lässt.

Zeit für den Geschichtsunterricht.

 
 
Burning From The Inside
  1979 veröffentlichen Bauhaus ihre Debütsingle Bela Lugosi's Dead. 9 1/2 Minuten über Bela Lugosi, den großen Stummfilmschauspieler, der mit seiner Film- und Lebensrolle als Dracula Filmgeschichte schrieb. Bela Lugosi und diese eiskalte schwarz weiße Vampirästhetik sollte auch gleich das Musikkonzept Bauhaus auf den Punkt bringen.

Bauhaus erschienen auf der Bildfläche, als Punk schon wieder langsam abebbte, musikalisch aber auch kulturell noch immens große Wellen schlug. Punkrock hatte gerade eben das grelle und barocke Glamrockgenre umgebracht. Und dann kommen Bauhaus daher und fusionieren Glam und Punk. Androgyne Romantik wird mit rauer Brachialität gepaart. Die Federn und die Boas werden beibehalten, aber Farben sind verboten.

 
 
Mask
  Ähnlich wie Joy Divison setzt man auf Reduktion. Beide Bands flüchten sich in die Vergangenheit. Joy Division in die Zwanziger und Dreißiger Jahre. Bauhaus noch ein paar Jahrzehnte weiter zurück. 1890 dürfte es damals in den Köpfen von Bauhaus gewesen sein. Als Europa gerade im Vampirfieber lag und die Menschen zwischen Industrialisierung und Mystik hin- und hergeworfen wurden. Das blieb dann auch immer Trademark der Band. Im Unterschied zu vielen anderen, vor allem später auftauchenden Protagonisten, waren Bauhaus musikalisch aber immer viel zu hart und nüchtern, um sich in kitischiger Romantik zu verlieren.

 
 
  Der Begriff Bauhaus steht auch für eine kurze Zeitspanne in der deutschen Architektur. 1919 bis 1933 entstand in Deutschland eine architektionische Strömung, die Funktionalität und Sachlichkeit in den Mittelpunkt rückte und damals wilde Avantgarde war. Bis die Nazis kamen.

Die vier Kunst- und Architekturstudenten entliehen sich den Namen für ihre Band, die sich nach fünf Jahren Bestehen dann auch schon wieder auflöste. Aber diese fünf Jahre genügten, um das Genre Gothic Rock zu gründen und bis jetzt unantastbare Herrscher über die Nacht zu bleiben.
 
 
 
In The Flat Field
  Vier Studioalben, ein paar Compilations und Livedinger veröffentlichen Bauhaus in ihrer kurzen Schaffenszeit. Dominiert wird die Band von Sänger Peter Murphy, der wie ein jüngerer Bruder von David Bowie klingt, nur um einiges aufgekratzter. Einer von diesen Typen, die eine Aura haben, der man sich kaum widersetzen kann.

Dazu malträtiert Gitarrist Daniel Ash sein Instrument, als würde er permanent von Koliken geschüttelt. Wunderbar abgehackte Gitarrenriffs, die dir tief in den Schädel schneiden. Und die Rhythmusgruppe ist auch nicht von schlechten Eltern. Ein stoischer, aber trotzdem behände gespielter Bass, der mit dem knochentrockenen Schlagzeug einen Dub aus der Krypta spielt. So was gab es damals noch nicht und in dieser intensiven Qualität auch nie mehr wieder.

Bauhaus landen sogar ein paar Hits in den Hitparaden, schütteln ein paar Monate auf jedem coolen Magazin ihre Haarspraymähnen und spielen mit ihrem Idol David Bowie in einem Vampirfilm mit. Die Band geht schließlich aufgrund von Spannungen zwischen Sänger Peter Murphy und Gitarrist Daniel Ash kaputt. Gerade zur rechten Zeit, um eine Legende zu werden. Daniel Ash gründet mit den restlichen Bauhausmitgliedern die Band Love & Rockets. Peter Murphy macht solo weiter. Alle mit formidablen Erfolgen.

 
 
Press The Eject And Give Me The Tape
  1998 kommt es zu einer ersten Reunion der Band, die sie auch nach Österreich führt. Dieses Comeback wird ein großer Erfolg. Bauhaus klingen so frisch und perfekt, dass sogar die großen Gothic-Hasser unter den Kritikern schwer die Miene verziehen können.

Dann nimmt sie auch noch Trent Reznor als Support auf seine US-Tour mit. Das ist zwar eine musikhistorische Tragödie, aber für Bauhaus das Beste, was ihnen passieren konnte. Trent, der schwarze Guru, zeigt seinen jungen Fans den Ursprung, die Ursuppe.

Und jetzt veröffentlichen Bauhaus ohne viel Werbung, ohne viel Propaganda, ohne ein Video ein neues Studioalbum. Bauhaus orientieren sich auf den neuen Songs an ihrer experimentellen Phase. Expressiver Gesang, manisch marschierender Rhythmus, eine Gitarre die kreischt wie eine sterbende Katze. Aber trotzdem glühen Bauhaus, bei all der Kälte und all des Sarkasmus in Peter Murphys Texten, in ihrem Herzen vor Leidenschaft.

Mit 'Go Away White' ist nun alles gesagt. Ein weiteres Album wird es nicht mehr geben. Unglaublich, aber mit der neuen Platte schließen Bauhaus ihre Geschichte mit einem stolzen Triumph ab.

 
 
  Am Mittwoch 25. März stellt das House Of Pain um 22.00 Bauhaus und ihr Comeback in den Mittelpunkt.
 
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