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Wien | 17.5.2008 | 12:16 
Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

Gerlinde, Rob

 
 
Mulatschag und Weltrevolution
  Drahdiwaberl, dieser wahnsinnige Freakout vom Wiener Stefan Weber, ist ein Kuriosum. Mit aller Macht, Kraft und Stärke arbeitet Weber wie ein Besessener daran, immer und immer wieder enthemmte Orgien der Geschmacklosigkeit aufzuführen.

Seit 1968 ist die österreichische Band nun schon unterwegs. Ein Bandkollektiv mit unzähligen Wechseln in der bunten Geschichte. So war in den frühen Drahdiwaberl-Tagen zum Beispiel Falco der Mann am Bass. Drahdiwaberl lebt von schillernden Darstellern und Selbstdarstellern, angeführt von Bandgründer Stefan Weber, dem ehemaligen Lehrer an einem Wiener Gymnasium. Und der hat sein Lebensprojekt liebevoll, aber fest und eisern im Griff.
 
 
Wiener Blutrausch
  Soundtechnisch pendeln Drahdiwaberl stets zwischen Hardrock, Punk und Kabarett. Was Drahdiwaberl aber so richtig legendär machte, waren die exaltierten Konzerte.
Da wurde und wird auf der Bühne eine Orgie gefeiert, die nicht jugendfrei ist, mit Sex, Fetisch, Verkleidungen, Tortenschlachten, Erbrechen und Urinieren. Ein extremer Faschingsumzug mit ganz klar aktionistischem Hintergrund. Was Drahdiwaberl aber nicht ganz zum extremen Spaßprojekt verkommen lässt, war stets die ernste politische Position und Aktivität von Stefan Weber und seiner Gruppe.

 
 
Mc Ronalds Massaker
  Inzwischen hat Stefan Weber das Verdienstzeichen der Stadt Wien bekommen und einen Amadeus. Aber selbst mit bürgerlichen Auszeichnungen und trotz schwerer Krankheit, treibt Stefan Weber seine Bandidee Drahdiwaberl, seine private Weltrevolution, konsequent voran. Der österreichische Regisseur Klaus Hundsbichler, der sich seine Sporen früh im Dienste von Frank Zappa erarbeitet hat, hat aus unzähligen Archivaufnahmen und neuem Material ein imposantes Filmwerk über Drahdiwaberl erschaffen.

Ich habe Stefan Weber und Klaus Hundsbichler anlässlich des Films Weltrevolution zum ausgedehnten Interview getroffen. Das Gespräch mit viel Musik von Drahdiwaberl hören Sie im dieswöchigen FM4 Soundpark mit Mari Lang.

 
 
Psychoterror
  Und um noch einmal auf den anfänglichen Absatz zurückzukommen: Was Drahdiwaberl zum Kuriosum macht, ist nicht der latente Hang zum Spatzi herzeigen und öffentlich Torte schmeißen - sondern, dass die Exzesse von Drahdiwaberl stets toleriert wurden bzw. wenn Drahdiwaberl in der breiten Öffentlichkeit auftauchten, wurde ihre Unbravheit immer einfach ignoriert.

Die Herumtreiberei von Drahdiwaberl war in Österreich nämlich nie wirklich ein Skandal. Also eigentlich Kuriosum Österreich. Aber wem erzähl ich das.

Drahdiwaberl Special in der FM4 Soundpark Sendung - Nacht von Sonntag, 17. auf Montag, 18. Mai 2008.

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  Drahdiwaberl

Drahdiwaberl Fanpage
   
 
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