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Wien | 23.4.2002 | 15:50 
Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

Gerlinde, Rob

 
 
Du hast die Welt in deiner Hand!
  (Alternative) Popmusik mit deutschen Texten ist inzwischen gänzlich akzeptiert. Verantwortlich für diese Entwicklung sind natürlich auch zu einem großen Teil "Die Sterne" aus Hamburg.

1999 erschien das letzte, sehr erfolgreiche Album der Sterne "Wo Ist Hier". Drei Jahre später beweisen sie mit dem neuen Tonträger "Irres Licht", dass sie momentan mit Recht als eine der wichtigsten deutschen Bands betrachtet werden müssen. Musikalisch und textlich agieren die Sterne momentan wahrscheinlich auf ihrem höchsten Niveau.
 
 
  Drei Jahre haben die Sterne aus Hamburg gebraucht um mit einem neuen Album verwöhnen zu können. Grund für die doch lange Wartezeit war der Ausstieg von Keyboarder Frank Will. Der hatte vom orgeln genug und wollte seinen eigentlichen Beruf - Landschaftsarchitekt ausüben. Ersatz fanden die Sterne in den jungen Richard von der Schulenburg. Richard von der Schulenburg war mit den Sternen schon längere Zeit bekannt, arbeitet gerade an einem Soloalbum und spielte mit seiner anderen Band dem "Top Banana Trio" auch mal als Sternesupport.

 
 
  Die Integration des "Neuen" hat der Band sehr gut getan. "Irres Licht" ist musikalisch frischer und rockiger als "Wo Ist Hier". Die Orgel wird hörbar anders bedient und übernimmt nun im Sternesound mehr Verantwortung.
Produziert wurde "Irres Licht" vom deutschen Phil Spector Olaf Opal, der auch schon für Leute wie Miles oder Notwist zauberte.

 Der Neue Orgler. Richard von der Schulenburg.
 
 
  Ein typisches Merkmal der Sterne ist das Zitieren von, meistens, alten Popmusikklassikern, wie bei einem ihrer größten Hits "Was hat dich bloß so ruiniert". Da vergriffen sich die Sterne an den Akkorden des alten Bluesstandars "House of the Rising Sun" und schnitzten daraus eine eigentlich "tragische Alltagshymne".

Auf der neuen Sterneplatte hat das Ausmaß des Zitierens eine neue Dimension erreicht. Die erste Single "Nur Flug" orientiert sich an dem Discoschlager "Black is black", die Sterne covern den Gospelsong "He's got the whole world in his hand" und das Lied "Schier Herzattacke" ist natürlich ein Verweis auf den Queenhit "Sheer Heart Attack". Freundliche Verneigungen vor alten Bekannten.

 
 
  Mit Parolen wie "Kannst du dich nicht endlich entscheiden" und Satzkonstrukten wie "Wir müssen nichts so machen wie wirs kennen nur weil wirs kennen wie wirs kennen" konnte Sänger Frank Spilker seine Hörerschaft immer anspruchsvoll unterhalten und manchmal vielleicht sogar zu sowas wie "Nachsinnen" anregen.

Die Texte der neuen Platte zeichnen sich durch eine gewisse Ratlosigkeit, Abgeklärtheit aus. Aber interessanterweise wirkt das beruhigend. Manchmal hat man den Eindruck, als hätte Spilker sein Seelenheil in der Resignation oder ganz einfach im Akzeptieren verschiedenster Probleme und Missstände gefunden.

Ist aber gar nicht so, erzählte er im Interview. "Die Gelassenheit hat ganz einfach mit den Lebensumständen als Familienvater und Mittdreißiger zu tun".


 
 
  Frank Spilker gelingt es wie nie zuvor mit reduzierten, simplen Sätzen Gefühle zu lokalisieren und auf den Punkt zu bringen. "Ich bringe euch beide um" kommt zum Beispiel als lustigmakaberes Lied daher, ist aber eigentlich todernst und ehrlich gemeint.

Die Sterne haben mit "Irres Licht" ihren Zenit erreicht.

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