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Wien | 21.10.2002 | 20:10 
Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

Gerlinde, Rob

 
 
Smells like teen spirit
  Leider habe ich nie ein Nirvanakonzert genossen. Am Freitag war ich aber beim Vineskonzert im Backstage in München. Und so ähnlich wie die Vines am Freitag werden sich Nirvana wohl vor zehn Jahren aufgeführt haben.

FM4 hatte übrigens eine Konzertreise zu den Vines verlost. Der Gewinner Tobias spielt Gitarre, mag Verve und stellte sich als hervorragend gut erzogener junger Mann mit vorbildlichen Manieren heraus. Anstelle von einer wilden Freundin mit bunten Haaren und Piercings nahm er nämlich seine Mutter mit nach München.

Der Mutter hat es auch gefallen und sie liest gerne die Wiener Stadtzeitschrift Falter.
 
 
Bassist und Schlagzeuger der Vines.
 
 
Nirvana, Nirvana, Nirvana
  Es geht einfach nicht anders. Will man sich zu den australischen Vines äußern, muss man Nirvana zitieren.
Aufmerksamen Musikkonsumenten wurde dieser Umstand in den letzten Wochen und Monaten zur Genüge vorgebetet. Das Vines-Debütalbum "Highly Envolved" atmet keinen schleppenden Kiffergrungegeist, keinen Hochglanzschmutzstrokesgeist, sondern diesen messerscharfen, frechen wildverzweifeltabertrotzdemhungrigen Geist, der "Nevermind" ausgezeichnet hat. Vines-Leader Craig Nicholls weiß das, will das so und ist der Erste, der auf Nirvana als große Referenz verweist.

 
 
  Den gerade eben erwähnten Nirvanageist konnten die Vines auf der Bühne problemlos heraufbeschwören, bzw. so 120prozentig kopieren, das es sogar ein wenig unheimlich war. Craig Nicholls schrie, rückkoppelte und verrenkte sich spastisch, dass es eine Freude war. Zum Ende wurden dann mit dämonischverdrehten Augen alle Instrumente kurz und kleingeschlagen. Craig hüpfte in das Schlagzeug (siehe Bleachbooklet) und wankte wie ein Irrer auf der Bühne herum.

 
 
  Es war einfach unverschämt, wie da die KurtCobainPosen geklaut wurden. Eigentlich ein Grund, die Vines mit ein paar Sätzen zu maßregeln. Aber sie waren einfach so gut bzw. gingen mit den Zutaten Nirvana und ein wenig Psychedelic so geschickt um, dass ich begeistert war. Und als sie dann noch "Ms. Jackson" von Outkast coverten und in einen räudigen Countryrocker verwandelten, hätte ich jeden Vine vor Freude streicheln wollen.

Ganz einfach ein sehr gutes Rockkonzert.

Als Craig sich übrigens die perfekt inszenierte Kurzundkleinschlagung der Instrumente erlaubte, war das ein Riesengaudium und das sehr junge Publikum jauchzte vor Glück. Ich hatte den Eindruck, als ärgerte das den neuen Rockgott. Als wäre ihm die Euphorie für das Materialkasperltheater dann irgendwie zuwider.

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  thevines.com
   
 
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