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Wien | 19.4.2008 | 01:35 
Filmflimmern.

Gerlinde, Matthews, Pamela

 
 
Remake/Remodel
  "Wenn ihr das nächste Mal - und ich weiß, es wird ein nächstes Mal geben - wieder den Max als Unfallopfer oder Mini-Zombie braucht, so tut mir den Gefallen und schmiert ihn vor der großflächigen Lippenstiftbemalung ein", sagte meine Mama "Damit das ganze Zeug auch wieder runter geht." Am Arm hielt sie meinen kleinen, rotgesichtigen Bruder, der sich Minuten vorher noch recht tapfer in einer Intensivstationszene geschlagen hatte. Es gab eine Zeit, da war nichts, was im Fernsehen lief, so interessant wie das, was wir selber filmten.

S. L. und ich investierten Zeit und Herzblut in unsere kleinen Szenen. Geprägt und beeindruckt von Hitchcock und Film Noir, ging es meistens recht mörderisch zu. Und wir waren Teil von Michel Gondrys Vision: "I always wanted to create this community that would come and tell their own story, shoot it -- and watch them. The idea is to not have one entity who creates the work, the project, and another entity who consumes it; the idea is people create their own work.", so Gondry im Interview hier.

Sein aktueller Film "Be Kind Rewind" ist eine Verbeugung des DIY-Königskinds der Regiewelt vor dieser Vision.
 
 
 
The Eraser
  Seit "Zurück in die Zukunft" hab ich nicht mehr so schöne Elektrolichtblitze über die Leinwand schnalzen gesehen, wie in "Be Kind Rewind", als Jerry (Jack Black) einen kleinen Unfall im Stromkraftwerk hat. Er wird zu einem temporären Magneto und nach einem Besuch bei seinem Freund Mike (Mos Def) in der Videothek sind alle Bänder gelöscht. Wegmagnetisiert. Und somit nicht nur jede Menge Filme sondern auch die Existenzgrundlage von Mike und dem Ladeninhaber Mr. Fletcher (Danny Glover) ausradiert.

Weil Not nicht nur erfinderisch, sondern auch leicht größenwahnsinnig macht, überredet Jerry Mike einfach, die Filme nachzudrehen, als erstes "Ghostbusters". "I'm Bill Murray-you're everybody else." Und weil Michel Gondry nicht nur neue Bilder zur Welt bringt, sondern auch neue Wörter kreiert, nennen sich die Ruck-Zuck-Remakes sweded movies und haben auf youtube eine Welle der Re-enactments losgetreten. Ein Teil von Gondrys Vision ist also aufgegangen.


 Jack Black
 
 
Copyright, anyone?
  Als No-Budget Filmguerilleros mit Mut zur Lücke enstehen Remakes, die die Fahnen der Improvisation hochhalten und die Videotheken-Kundschaft begeistern. Doch keine Erfolgsmärchen ohne böse Stiefmutter: Die kommt in Form von Sigourney Weaver und will den beiden Filmbastlern die juristischen Konsequenzleviten lesen.
 
 
 
 
 
Frank Capra
  Für Michel Gondry muss die Vorstellung in einem Film unzählige, handgemachte Filmremakes unterzubringen das sprichwörtliche milch- und honigdurchflutete Paradies gewesen sein. Umso größer die Überraschung, dass er sich bei "Be Kind Rewind" nicht in eigenreferenzieller, gewollter Seltsamkeit verzettelt und lose charmedurchtränkte visuelle Augenfreuden aneinanderreiht. Ganz im Gegenteil: "Be Kind Rewind" bestrickt zusätzlich zu den liebgewonnenen Gondry'schen Eigenheiten durch eine im positivsten aller Sinne altmodische, stringente Geschichte, die den Geist von Frank Capra ("Mr. Smith goes to Washington", "Meet John Doe") durchspuken lässt, auch wenn Gondry selbst das gar nicht so gerne hört und lieber mit Vittorio de Sica in Verbindung gebracht werden möchte.

 Mos Def
 
 
Peter Pan als Robocop
  Doch das Assoziationsonmeter schlägt deutlich in Richtung Capra aus, der Regisseur, der in seinen Filmen den Glauben an die Eigenverantwortung und Macht des kleinen Mannes propagierte. Mos Defs Mike ist so eine klassische Frank Capra Figur, man kann sich ohne Probleme James Stewart als engagierten Verkäufer vorstellen, bemüht alles richtig zu machen und sich plötzlich in der großen Misere befindend; einer Situation von dem im Beipackzettel zum amerikanischen way of life nichts zu lesen war. Jack Black, der bereits in "High Fidelity" die Kunst des aggressiven Spielens am Dienstleistungsschachbrett zeigen durfte, trumpft auf. Konfus, sarkastisch und unaufmerksam ist er der Peter Pan Charakter des Films. Ein ewiges Kind, das im Spielen schließlich aufgeht und für die Nachbarschaft im Robocop-Kostüm Autogramme gibt.

 
 
DIY
  "Be Kind Rewind" ist ein kleiner Wink in Richtung Liebeserklärung ans Kino - selten wurde eine Leinwand so schön ins Bild gerückt und ein Moment der Leinwandbetrachtung so berührend eingefangen - aber viel mehr noch ist der Film eine vehemente Aufforderung, etwas zu tun, etwas zu schaffen. DIY, aber tu irgendwas.

 
 
50x2 Tickets zu gewinnen!
  Wer an der Kartenverlosung teilnehmen will, muss nur folgende Frage richtig beantworten: 2005 war Jack Black im Remakes eines Monsterfilms zu sehen, wer war der Regisseur der Neuinterpretation?

Die richtige Antwort: Peter Jackson. Die GewinnerInnen wurden bereits via E-Mail verständigt.
 
 
 
FM4 Kinopremiere
  "Be Kind Rewind" am Mittwoch, den 23. April
20 Uhr, im Filmcasino, Margaretenstr. 78, 1050 Wien.
 
fm4 links
  www.bekindmovie.com
   
 
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