Meds ist das fünfte Studio Album von Placebo, und es hat die leise Befürchtung im Vorfeld, Placebo könnten ins Mittelmaß abgleiten, mehr als nur verstummen lassen.
Meds ist ein klassisches Rockalbum geworden - Placebo's Themen sind die gleichen geblieben, die Musik hat aber eine heilsame Kur zurück zum Wesentlichen hinter sich.
In Südfrankreich als elektronisch ausgefrickeltes Werk geplant, hat Produzent Dimtri Tikovoi den drei Placebo Buben in London den Bastelspaß gehörig ausgetrieben.
Der Mann der bereits mit Leuten wie John Cale und Gary Numan arbeitete, hat die Band zu alter Bestform getrieben.
Das freut uns Fans und vor allem auch Brian Molko, Steve Hewitt und Bassist Stefan Olsdal.
Den habe ich heute Nachmittag ans Telefon bekommen:
Hewitt, Molko, Olsdal
ICH: Stefan, zuerst mal, gratuliere zum neuen Baby, wir haben es hier zum Album der Woche gekürt, und finden es eigentlich sehr geil. Bist du jetzt im Nachhinein auch vollauf zufrieden mit dem Ergebnis ?
OLSDAL: Jede Band die du fragst wird sagen, "unser letztes Album ist das Beste", ich bin da gar keine Ausnahme. Bevor wir nicht vollkommen zufrieden sind gehen wir nicht aus dem Studio und wir unterschätzen niemals unsere Fans. Wir wissen, dass die sehr clever sind und wir sie nicht verarschen können, sie erwarten einfach was besseres als beim letzten Mal. Und etwas das emotional authentisch rüberkommt. Ja, wir sind sehr stolz auf diese Platte, ich glaube es ist fast sowas wie zurück zu unseren Wurzeln.
I: Diese Rückbesinnung war aber anfangs gar nicht beabsichtigt, oder?
O: Nein, überhaupt nicht. Es war eher die Schuld unseres Freundes und Produzenten, Dimitri Tikovoi. Er wollte uns die Bequemlichkeit austreiben, verhindern das wir nach Schema F arbeiten. Aber es ist auch eine Art Reaktion auf unser letztes Album, Sleeping With Ghosts, das sehr elektronisch und technologisiert war. "Meds" haben wir in einem analogen Studio aufgenommen und Dimitri sagte: "Haltet den Mund, geht da rein und spielt. Geht dorthin zurück was Placebo wirklich ausmacht". Und das ist im wesentlich der Sound von uns drei, wenn wir in einem Raum drauf losspielen. Eine Rockband sind.
I: Hat er auch mal eine Gitarre spielen dürfen?
O: Nein, im Studio spielen nur wir drei. Es ist eine Art heiliges Dreieck.
I: Geht es Dir manchmal auf die Nerven, zum zehntausendsten Mal "Every you, every me" zu spielen?
O: Wir haben die Nummer ehrlich schon recht lange nicht mehr gespielt ! Brian merkt sich auch meistens den Text nicht mehr. Wir wissen aber schon, dass unsere Fans ihre Lieblingslieder haben, da müssen wir einfach zwischen unseren Favoriten und denen der Fans ausbalancieren.
I: Euer Drummer Steve meinte unlängst, Placebo sein nicht mehr diese kleine Transvestitenband, sondern ernstzunehmende Musiker. Ist das das Ende der androgynen Pose?
O: Androgynität ist mehr als nur ein Typ in einem Kleid, es ist eine Geisteshaltung. Brian gibt ja auch offen zu, in der Vergangenheit manchmal outfit-technisch ziemlich daneben gegriffen zu haben. Unser Erscheinungsbild war aber nie überlegt und kalkuliert, wir haben uns nie gefragt "Wie können wir am besten für Aufsehen und Provokation sorgen?", wir sind einfach so.
Zurzeit reicht uns einfach die Musik, deshalb kümmern wir uns weniger um den letzten Schrei aus Mailand oder Paris.
I: Ihr spielt ja im Juni am Novarock Festival mit Guns'n'Roses und Metallica. Hast du Angst?
O: Ja, ich werde in einer kugelsicheren Weste auf die Bühne gehen (lacht). Das letzte Mal, als wir mit Metallica am Frequency spielten, war ja das Publikum sehr feindselig uns gegenüber.
Ich gehe da raus und versuche einfach zu überleben ...