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Wien | 27.12.2001 | 14:23 
Flaschendrehen und Tischerlrücken, Schmerzenhören und Seelebrennen, garniert mit einem Hauch von Zimt.

Fuchs, Pfister

 
 
Your Festival Radio
  Als Kollege Boris Jordan vor wenigen Tagen die Auswahlmöglichkeiten für das FM4-Wunschkonzert am 27.12. ins Netz gestellt hat, kam mir sofort ein Gedanke: "Hey, die möchte ich alle nochmal hören". Vermutlich denkt der Großteil unter Euch nicht anders. Weiters verblüffend daran: Die meisten dieser Konzerte haben tatsächlich 2001 stattgefunden, und dabei ist diese Liste bloß ein Auszug. Selten zuvor habe ich mir soviele Reminder geschrieben. Nicht vergessen! Manu Chao! Groovequake-Wiesen! Zum Beispiel...
 
 
 
Nächste Station Hoffnung.
 
 
  Mit guten Konzerten ist es ja wie mit bestimmten Songs. Du verbindest Gefühle, Temperaturen, Menschen, Gerüche. Librohalle im Dezember spürt sich natürlich anders an, als Groovequake im August. Manchmal wenn ich einen Mitschnitt höre, weiss ich sogar noch, was ich an diesem Tag getragen habe, und ob ich Bier oder Wein trank.
Bei Manu Chao musste ich dann übrigens doch im Studio bleiben, und die Übertragung abwickeln. Eine Katastrophe. Und trotzdem war die Stimmung derart massiv, dass ich direkt im Festivalzelt zu Wiesen war. Sonnenschein über ISDN.

Noch direkter allerdings diese Erinnerung: Southside in Tuttlingen am Bodensee. Ein Höhepunkt in jeder Hinsicht.
 
 
 
Hi, wir sind Placebo, und wir machen Spass.
 
 
  Gegen Mitternacht in ein schwäbisches Hotelzimmer einzubrechen, einschleichen wäre vielleicht treffender, immerhin war das Zimmer bezahlt doch niemand mehr da, gemeinsam mit 2 supernetten FM4-Gewinnern und einer Horde betrunker Berliner Stagehands, das hat schon was.
Seitdem wohnen Placebo in meiner Phantasie im Schwabenland. Diebels, der scharze Leihgolf und ein kurzes Pläuschchen mit Brian Molko, die ersten Assoziationen meines Festival Sommers.

Stimmungstechnisch völlig anders, mein persönliches Rock-Highlight des Jahres. Tool am Messegelände. So grau diese Gegend ist, in der ich übrigens auch wohne, so grau, spröde und fragil wirkt auf mich die Musik von Tool. Doch an diesem Abend hat grau in seinen schönsten Farben geschillert. Und natürlich hat es geregnet.
 
 
 
It's not enough. I need more. Nothing seems to satisfy. I don't want it. Nothing seems to satisfy. I don't want it. I just need it. To feel, to breathe, to know I'm alive.
 
 
  Was wären aber die schönen Erinnerungen ohne den schlechten. Nur Wochen von Tool entfernt waren die Deftones, Teil meiner All Time Favourites, in genau derselben Halle. Und auch da war das Wetter schlecht. Die Stimmung aggressiv. Irgendwann habe ich wohl zuviel von irgendeinem Getränk erwischt, und zu allem Überfluss auch noch mein neues Handy verloren. Seitdem sind für mich die Deftones irgendwie nicht mehr dieselben.
 
 
 
Gutes Foto, gute Show. Trotzdem war mein Sättigungsgrad an Deftones heuer erreicht.
 
 
  Viele Geschichten, Anekdoten und Erlebnisse könnte ich an ein Konzertjahr knüpfen, das alle Höhen und Tiefen aufwarten konnte. Und dennoch waren die Amplituden der Höhen stärker. Beispiele im Brainstorm: Blumfeld im WUK mit Distel-Jochen in Höchstform, Travis einen Song lang ohne Mikro und Verstärker im Gasometer und natürlich der Abschied von einer der ältesten Locations Wiens. Nur das dies an diesem Abend noch niemand wissen konnte. Trotzdem waren wir alle zum letzten Mal dort.
 
 
 
Abschied mit Tricky. Sofiensäle, r.i.p.
 
 
  Natürlich würde dieser Rückblick anders aussehen, hätte ihn jemand anders gemacht, denn dieses Jahr war eben reich an Höhepunkten. Von Air bis zu Gottvater Nick Cave im Funkhaus, viel müsste noch in diese Geschichte.
Da der Rahmen wie sooft im Leben aber auch hier beschränkt ist, möchte ich mit dem Konzert schliessen, dass für mich auch noch in 30 Jahren 2001 war:
Ich war im Zustand höchster emotionaler Verwirrungen. Der Gasometer war voll und Gavin Rossdale hat gesungen: "I don't wanna come back down from this cloud. It's taken me all this time to find out what I need..."
Bush am 5. Dezember 2001.

Vielen von Euch ist dieses Konzert sicher am Allerwertesten vorbei gegangen.
Ich weiss von diesem Abend sogar noch meine Garderoben-Nummer.
 
 
 
Out of this world. Out of this year.
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