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Berlin | 22.12.2008 | 12:05 
Aus dem Leben der Lo-Fi Boheme

LisaRank, Sonja, Marc

 
 
Die Zeit der Listen
  Christiane Rösinger ist Musikerin (Lassie Singers, Britta), Songschreiberin und Autorin und lebt in Berlin. Sie schreibt eine wöchentliche Kolumne über ihren Alltag.
 
 
 
  Für die freiberuflich tätige Autorin häufen sich in diesen Tagen die Anfragen, man soll doch für das ein oder andere Blatt bitte mal die persönlichen Jahrescharts, die Lieblingsplatten, die zehn wichtigsten Bücher, Filme, Konzerte erstellen. Eine eher unangenehme Aufgabe, weil Listen machen irgendwie so sinnlos ist und natürlich auch nicht bezahlt wird.

Dafür gibt es immer mehr Kategorien. Platte des Jahres reicht nicht mehr, jede Zeitung will noch kreativer als die andere sein fragt nach der Platte für Frühaufsteher, für Melancholiker, für die nervige Tante, den verlotterten Neffen, das peinlichste Lieblingslied.
Repräsentative Umfragen in der näheren Umgebung haben ergeben, dass das Listenmachen bei den männlichen Kollegen überaus beliebt ist, bei den Kolleginnen aber auf weniger Begeisterung stößt - Listenmachen ist eine stark gender-abhängige Tätigkeit, umgangsssprachlich gesagt also ein Jungsding.
 
 
 
 
 
  Was bringt es auch immer wieder die 100 besten und schlechtesten Platten und heimlichen Lieblingsstücke aufzulisten? Vor allem die Musikmagazine Intro, Spex und NME liegen im Listenunwesen ganz weit vorn und drucken neben den Redaktionscharts gleich noch seitenlang pesönliche Listen aller freien und unfreien Mitarbeiter in sämtlichen Kategorein ab. Wozu? Und in endlosen Blogs wird dann von einer uermüdlichen Community diskutiert, warum es unmöglich ist, dass die Band xy bei den Top 50 dabei ist, wo doch die Band yz fehlt.

Natürlich schreiben Frauen genauso gern wie Männer ihre Lieblingslieder, Bücher etc auf - aber Männer wollen die emotionale Ebene der Lieblings-Irgendwas wohl zusätzlich hieb- und stichfest absichern und mit nachprüfbaren Ergebnissen besiegeln. Diese Verhaltensweise hat sicherlich was mit Sport und der frühmännlichen Konditionierung auf Fußball, Bundesliga, Ranglisten zu tun - der Beste ist halt der Beste, ohne Gefühlsentscheidungen á la "das Lied ist so schön" .
Deswegen wird nicht erst seit Nick Hornby gezählt und ausgewertet, was das Zeug hält. Charts und Airplaylisten, Umfragen und Votings - nirgends sonst wird so öffentlich gemessen und hierarchisiert wie in der populären Musik. Und - wenn man gefragt wird, macht man halt mit.
 
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Barbara Matthews' Streifzug durch die Jahrescharts verschiedenster Redaktionen
   
 
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