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London/Canterbury | 10.2.2008 | 14:18 
Stadtbrief aus London, Popmetropolitanisches Themsenstrandgut - Booms, Beats und gesalzene Butter.

Fuchs, Blumenau, Smoab

 
 
Stables on Fire
  Acht Jahre lang wohnte ich ganz in der Nähe und stand Wochenende um Wochenende, wenn zwischen 300.000 und einer halben Million Einkaufsgierige in den Camden Market einfielen, vor der Entscheidung, entweder einen großen Bogen drum herum zu machen oder mich mitten ins Getümmel zu werfen, in der Sicherheit, dass ich in unter zwei Stunden kaum mehr rauskommen würde.
 
 
 
 
  Aber meine gemischten Gefühle gegenüber diesem prägenden Ort meiner Jugend hab ich eh schon einmal letzten September hier beschrieben.

Dass die Mischung aus dicht gedrängten Menschenkörpern, glühenden Joints und Räucherstäbchen, frei hängendem Fummel und hölzernen "Antiquitäten" das Potenzial einer verheerenden Feuerkatastrophe in sich barg, war jedenfalls immer klar.

 
 
 
 
  Diese Katastrophe ist nun gestern Abend nicht(!) passiert. Aus noch ungeklärter Ursache ging ein großer Teil des Stables Market in Flammen auf, sogar das Hawley Arms-Pub in der Hawley Road auf der gegenüberliegenden Straßenseite (zu meiner Zeit ein Biker-Pub, nach seinem Makeover das Stammlokal von Amy Winehouse und Konsorten) wurde schwer beschädigt.
 
 
 
 
 
  Das Ausmaß der Zerstörung scheint verheerend, aber nachdem der Markt zu dieser Zeit schon geschlossen war, gab es entgegen anfänglicher Gerüchte offenbar keine menschlichen Opfer. Das ist auch schon das Wichtigste.
 
 
 
 
 
  Wenn der Brand einmal gelöscht sein wird, werden aber zwangsläufig die Schuldzuweisungen beginnen. Und die Leute vom Health & Safety Executive werden zweifellos dafür sorgen, dass ein Wiederaufbau jenen Vorschriften entspricht, die das ungezähmte Kuddelmuddel des Camden Market so offensichtlich ignorierte.

Ganz bestimmt werden sich nicht nur Zyniker fragen, wem dieses Feuer genützt haben könnte, aber auch wenn - und das wäre wie gesagt alles andere als verwunderlich - der Brand bloß ein bedauerlicher Unfall war, wird er den von den Händlern und ihrem Publikum heftig bekämpften Plänen, die Gegend in ein verglastes Shopping-Zentrum zu verwandeln, nun wohl endgültig zum Durchbruch verhelfen.
 
 
 
 
 
  Die Katastrophe von Samstagnacht ist also aller Voraussicht nach das Ende des Camden Market, wie wir ihn kannten.
 
 
 
Das Feuer von Camden auf Youtube:
 
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