In der Woche, da Pandit G von Asian Dub Foundation den von der Königin verliehenen MBE-Orden zurückgewiesen hat (ja, die Sorte Orden, den die Beatles damals umgehängt kriegten), vergeben wir unsere eigene wöchentliche Ehrennadel an die Erschaffer des offiziellen FM4-Albums der Woche.
Also, Arise, Alpinestars, ihr wurdet erwählt. Und bevor irgendjemand beginnt, eure Verdienste zu bezweifeln, stellen wir doch eines klar: "Carbon Kid", die Nummer mit Placebos Brian Molko drauf, hat zwar was, ist aber keineswegs repräsentativ für den Rest der Platte. Das zweite Album der Alpinestars ist alles andere als ein bloßes Vehikel für eine tanzbare Single mit prominentem Gastsänger (soll ja in letzter Zeit vorgekommen sein, ich nenne keine Namen). Es ist auch keineswegs "White Noise", wie der Titel suggeriert, sondern vielmehr eine zart-elektronische Pop-Pflanze, die da vorsichtig ihren flaumigen Kopf aus der Schneedecke steckt.
Schön. Bloß kommen die Alpinestars gar nicht aus den Alpen, sondern aus dem stellenweise recht grimmigen Manchester, was Glyn Thomas' krauser Logik zufolge auch die Wahl ihres Bandnamens erklärt: "Cause it rains all the time in Manchester. I don't know, maybe we're just dreamers, and we think of other things apart from the environment that surrounds us. But in reality it's more down to the fact that when we named the band we had an Alpinestars mountain bike and we sort of looked at the word, and it looked cool. So we decided to steal it."
Bevor sie sich als Alpinestars zusammentaten, hatten Richard Woolgar und Glyn Thomas schon in einigen anderen, durchwegs erfolglosen Bands gespielt ("Fingers crossed you never heard anything we did," Woolgar). Als ein Freund sie spontan zur Beschallung seines Clubs in Manchester engagierte, programmierten sie sich ein kleines Set zurecht und streiften gleich am ersten Abend einen Plattendeal ein. Ihr erstes Album "B.A.S.I.C." reflektierte diese Frühphase:
"When we made 'B.A.S.I.C.' we were as much learning how to use the equipment at the time as we were writing the tunes. We had such a paucity of equipment, we had two keyboards and an acoustic guitar to make the album with, so we just used what we had. Doing 'White Noise' wasn't so much a change, more of a large development. We've leapt two albums to make the next one, if you see what I mean. In a lot of electronic music these days there's very few people who are trying to write songs, and even when they do you find out that they've stolen or sampled it from someone else. We wanted to write everything ourselves, and sing the tracks ourselves largely, apart from the Brian Molko tune, rather than collaborating with already established artists. And that was the challenge for us and that's what made it so enjoyable." (Thomas)
Um ehrlich zu sein: Letzteres Argument hätte ein wenig mehr Durchschlagskraft, wenn die Plattenfirma sich nicht just den einen erwähnten Promi-Track auf "White Noise" als Single ausgesucht hätte...
Vielleicht war es ja gerade der Entschluss, sich als Pop-Songwriter zu profilieren, der die Alpinestars bei so manchem britischen Dance-Schreiber auf die schwarze Liste setzte. Nach den guten Kritiken für "B.A.S.I.C." hat "White Noise" jedenfalls, sagen wir, gemischte Reaktionen geerntet. "It's very easy to write things that people can critically acclaim that mean very little to a lot of people, where you can do anything at all and call it art," sagt Glyn Thomas und geht in die Offensive: "It's much harder to sit down and write a good pop song. Most people who write electronic music find it much easier to find some intersting noises and make it into a three to five minute track, because they're not actually thinking about writing things that people can pick up on vocally. And if you're not sampling other people's vocals but writing your own lyrics, those three things combined put you in a pop realm anyway."
Also, Schluss der Debatte, die Alpinestars sind ab sofort eine Pop-Band. Ob mit elektronischen Mitteln oder nicht, ist sowieso piepegal, da stimm ich mit ihnen überein, schließlich geht praktisch alles, was heutzutage an Musik produziert wird, irgendwann durch einen Computer, und die Zeit, wo die technologischen Grenzen eine als "elektronisch" erkennbare Ästhetik bestimmten, sind längst vorbei. Niemand spricht von elektronischen Filmen oder elektronischer Schreibe (obwohl die sich durch copy & paste mindestens genauso gewandelt hat wie die Musik), weil das einfach selbstverständlich zum Leben gehört, genauso wie niemand mehr mit Wählscheiben telefoniert. Die Verwendung sogenannter elektronischer Sounds an sich ist heute ein Stilmittel oder ein Manierismus aber kein Merkmal der methodischen Differenz. Das würde auch ein Matthew Herbert so sehen.
Und was die Alpinestars anlangt:
"We don't come from a background of having been DJs. We come from a background of being shit-kicking musicians."
PS: Es wird langsam auffällig: Immer öfter hört man Sätze wie diesen. Auch Leute wie Soulwax (gerade als Two Many DJs) distanzieren sich immer mehr von der DJ Culture mit ihren utopischen Gagen und aufgeblasenen Egos. Haltet eure Pferde, sage ich. Noch haben wir den Tag nicht erreicht, da die Queen einem Superstar-DJ seinen MBE überreicht.