Vor einem Jahr lernte ich Alexi Pum kennen. Sie saß neben mir im FM4 Studio und erzählte der Welt vor den Radiogeräten, dass sie als Zwitter auf die Welt gekommen ist und dass Intersexualität weit häufiger vorkommt als man gemeinhin denkt.
Ich war beeindruckt von dieser großen Frau, die mir mit ihrer Geschichte viele Fragen über eine Welt stellte, die in Männlein und Weiblein getrennt ist - und die sich vor Menschen, die aus der Norm fallen, sehr fürchtet.
Ich möchte Alexis Geschichte hier nicht im Detail erzählen; das kann sie kommenden Freitag im FM4 Jugendzimmer selbst tun. Ich möchte erzählen, was sich nach der Radiosendung letztes Jahr getan hat - zwischen ihr und mir:
Wir saßen uns zwei Mal im Abstand von zwei Wochen im Cafe Westend beim Wiener Westbahnhof gegenüber. Bei dritten Mal war klar, dass wir gemeinsam einen Film machen wollten. Es sollte kein Porträt werden und es sollte keine journalistische Abhandlung über das Thema "Intersexualität" sein.
Alexi wollte für sich und ihre Geschichte eine Öffentlichkeit und ich wollte, dass sie die bestmögliche Plattform dafür bekommt. Ich begann, unsere Gespräche mit meiner Kamera mitzufilmen. Sie besuchte mich regelmäßig in Wien (Alexi lebt in Oberösterreich), wohnte bei mir und wir redeten: über ihre Kindheit, ihre Eltern, ihre erste Liebe, über meine erste Liebe, über meine Kindheit - über unser Leben. Die Grenzen begannen sich aufzulösen: Manchmal war sie allein vor der Kamera, dann wir beide.
Das Konzept, das wir schließlich im März dieses Jahres für die Kinofilmförderung einreichten, bestand aus dieser ungewöhnlichen Freundschaft, die nach und nach entstanden ist und aus den eineinhalb Jahren, die wir miteinander verbringen wollten. Wie sich herausstellte, sollte das das bisher ereignisreichste Jahr in unser beider Leben werden.
Wenn ich heute zurückschaue, sind wir beide als andere Menschen in dieses Projekt gegangen als wir es heute sind. Alexi ist heute Alex. Ihre weibliche Rolle, in die man sie gesteckt hat, ist dem Wunsch, als Mann gesehen zu werden gewichen. Sie - ich kann mir das "sie" noch immer nicht abgewöhnen!! - er hat hart um diesen Entschluss gerungen.
Im April waren wir gemeinsam auf der niederländischen Insel Ameland. Ich hatte den schlimmsten Liebeskummer meines Lebens und Alex sollte vier Tage später das erste Mal in seinem Leben Menschen treffen, die eine ähnliche Geschichte haben wie er. Da es damals in Österreich keine Selbsthilfegruppe für intersexuelle Menschen gab, sind wir zu einem Treffen nach Deutschland gefahren. Die Tage auf der Insel haben unsere Freundschaft intensiviert und ich weiß, dass dieser Film, der uns beiden viel abverlangt, nur auf Grund der Extremsituationen entstehen kann, die wir beide in den letzten Monaten erlebt haben - jede/r für sich und gemeinsam.
Alex im Jugendzimmer
Am Freitag (5.12.2003, 19 bis 20.15 Uhr) sitzen wir wieder gemeinsam im FM4 Studio und machen ein Jahr danach das zweite FM4 Jugendzimmer gemeinsam. Wenn ich zurückschaue, kann ich mir unser beider Leben von damals gar nicht mehr vorstellen - und das ist gut so!
P.S. Wir haben die Filmförderung übrigens bekommen: Der Film heißt "Tintenfischalarm" und wird 2005 zu sehen sein.