Die Bilder der französischen Studentenrevolte im Mai 1968, als Steine gegen das bürgerliche Establishment flogen, haben Wolf Prix nachhaltig beeindruckt. Genau in dieser Zeit gründete er gemeinsam mit Helmut Swiczinsky Coop Himmelblau. Genau zu diesem Zeitpunkt schien die Welt reif für einen neuen Ansatz in der Architektur. Mit dem Ruf: Alle Macht der Fanatsie! entwarf das junge Architektenteam 1968 die Villa Rosa; ein Gebäude, das die ursprüngliche Funktion eines solchen sprengen sollte, sich als große, durchsichtige Kugel der Welt öffnen und seine Bewohner zu einem Diskurs mit ihrer Behausung herausfordern sollte.
Das Modell der Villa Rosa war bis vor kurzem als eines von vielen - umgesetzte wie auch unrealisierte - in der Ausstellung "Beyond the Blue" im Wiener MAK zu bestaunen. Und einige von euch werden es bestimmt bedauern, sich nach dem Doppelzimer spezial mit Wolf Prix nicht die Werkschau von Coop Himmelb(l)au anschauen zu können. Aber nachdem wir ein halbes Jahr auf ein Interview mit diesem vielbeschäftigten Mann gewartet haben, sind die Ausstellungszelte im MAK inzwischen abgebaut.
Wir sind Erfinder und keine Shootingstars
Das Flaggschiff der europäischen Zentralbank in Frankfurt, die BMW-Welt in München, ein gigantisches Museum in Lyon sind die jüngsten architektonischen Spuren, die Prix mit Coop Himmelb(l)au hinterlassen hat. Aber der Beginn der Karriere war die Umsetzung eines vielbesprochenen, vielbeschriebenen Dachausbaus in der Falkestrasse in Wien. Als "die Begründung des Dekonstruktivismus" bezeichnet Prix diese Arbeit aus dem Jahr 1988, die auch heute noch nicht alt aussieht. Die Architektur müsse man von ihren Sachzwängen befreien und die Architekten von ihrer Autoritaetshörigkeit, wettert Prix und schimpft über die Mutlosigkeit seiner österreichischen Kollegenschaft und die Hasenfüßigkeit der Auftraggeber.
Und flugs landen wir über die Psyche der ewig gestrigen Altbestanderhalter bei Sigmund Freud. Der sei mit seinen Schriften sehr wichtig gewesen für Prix' Art der Herangehensweise an Architektur. "Unsere Entwurftheorie ist stark von Freuds Werken beeinflusst. "Entwurf" bedeutet für uns das Gebären einer Idee aus dem Unterbewussten." Meint konkret? Prix nimmt mich auf einen Gedankenspaziergang durch die alten Wiener Ringstrassenpalais mit; erschnüffelt über die Raumanordnung, die Raumplanung in Enge und Großzügigkeit einzelner Wohnbereiche die Psyche der Beohner und letztlich einer Gesellschaft.
Mit dem Auto durch ein stadtplanerisches Desaster
Durch welche Stadt er gerne spaziere, frage ich. Er fahre am liebsten mit dem Auto. Und das am allerliebsten durch Los Angeles. Ein stadtplanerisches Desaster als Lieblingsspot eines Stararchitekten? Vielleicht weil man es dort mit dem Denkmalschutz nicht so genau nimmt?
Und wenn schon zu Fuß, dann gerne durch Barcelona, lenkt Prix ein. Warum er Wien, das Ödland für ambitionierte Architekten, denn nicht verlassen habe, frage ich. Bequemlichkeit. Lebensqualität. Eine Professur an der Universität für angewandte Kunst. Die Welt könne man auch von hier aus bebauen. Und der Himmel ist überall blau.
Playlist, Doppelzimmer Spezial mit Wolf Prix
artist
title
Chuck Berry
Bio
Nas / Will. I.Am
Hip Hop Is Dead
Jimi Hendrix
Purple Haze
TNT Jackson
All Black
Cypress Hill
Checkmate
Gustav
Neulich am Kanal
The Loop Orchestra
Apathique
Florian Horwath
Dad You Have Faith In Me
The Jam
Town Called Malice
Rolling Stones
Gimme Shelter
Nada Surf
Hyperspace
Red Hot Chili Peppers
Under the Bridge
Bob Dylan
Desolation Row
White Stripes
Seven Nation Army
Naked Lunch
Military of the Heart
Ein Doppelzimmer spezial mit Wolf Prix am 12.5. von 13 bis 15 Uhr
Ein Gespräch über den Verlust des öffentlichen Raumes, ambitionierten Sozialbau und die Unabhängigkeit von Architekten.
title: Doppelzimmer Spezial mit Wolf Prix length: 59:19 MP3 (56.83MB) | WMA