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Köln | 28.10.2008 | 21:00 
Alles für die junge Dame von heute: Pop, TV-Kultur, Style, Klatsch und Diskurs. Auch für den aufgeschlossenen jungen Herrn geeignet.

Pfister

 
 
Im Jahre 5 nach Madonna-Britney
  "I kissed a girl and I liked it" - der Überraschungshit der amerikanischen Pastorentochter "gone bad" Katy Perry ist mittlerweile alles andere als neu. Was ihn nicht daran hindert, weiterhin munter auf allen Kanälen rauf und runter zu laufen. Sicherlich liegt das an seiner überkandidelten Poppigkeit, die so geschwind ins Ohr geht, wie das bei einem internationalen Chart-Hit sein muss, aber auch an dem Flirt mit der Transgression. Moment mal, welche Transgression? Ist ein Kuss zwischen Frauen (ich schreibe bewusst nicht: ein lesbischer Kuss) im Jahr 5 nach dem publikumswirksam inszenierten Fake-Geknutsche zwischen Madonna und Britney etwa noch ein Tabubruch?
 Herzzerreißend gay: Carlkr und seine Version von "I Kissed a Girl"
 
 
  Viel wurde schon darüber diskutiert, ob die überaus kokett und sexy ins Bild gesetzte "Beichte" eines Nicht-Hetero-Kusses eine emanzipatorische Wirkung für die Wahrnehmung von Queers hat - oder ob genau das Gegenteil erreicht wird. Sicherlich lässt die hyperfeminin aufgetakelte Katy Perry, die Mainstream-kompatibel natürlich meilenweit von jedwedem Butch-Styling entfernt ist, Intimität zwischen Frauen sehr verlockend wirken. Besonders für junge, nicht an Heterosexualität interessierte Mädchen, die in ihrem Umfeld keinerlei lesbische Vorbilder finden können, mag das ermutigend und befreiend wirken. Allerdings ist die Kokettiererei mit dem "Verbotenen, Unartigen" einerseits lächerlich, andererseits anachronistisch, denn auf diesem Tabu-Level handelt heute ja nicht einmal mehr die katholische Kirche (mit Ausnahme von Gloria von Thurn und Taxis vermutlich) Homosexualität ab.

 I kissed a cat - angeblich mag's auch Katy Perry selbst
 
 
  Auf der anderen Seite ist der hier besungene Kuss so eng und eindeutig ins Gehege der Heterosexualität eingezwängt, dass er nicht einmal annähernd genug Sprengkraft besitzt, um diese Normen in die Luft zu jagen. Sofort kommt der Boyfriend ins Spiel, der hoffentlich nichts gegen diesen kessen Kuss habe - denn, wie wir wissen, sind Frauen eh so verschmust und deren Zärtlichkeiten untereinander ja nicht so ernst zu nehmen. Wenn der Freund noch zuschauen darf, gefällt es ihm vielleicht auch gut, liest man da zwischen den Zeilen heraus. Damit unterscheidet sich Perrys Ansatz nur wenig von der Inszenierung lesbischer Liebe im Heteroporno. Und wer die Botschaft noch nicht kapiert hat, wird spätestens am Ende des Videos aufgeklärt, wenn die freche Katy wieder im Bett neben ihrem haarigen Heterofreund aufwacht - es bleibt also alles im Rahmen der herrschenden Ordnung.

 I kissed a girl im Grandma-Style
 
 
  Eine interessante Auswirkung hat "I Kissed a Girl" jedoch, und zwar eine, die zeigt, wie Subversion wirklich gehen kann. Auf Youtube gibt es seit Monaten verschiedenste Aneignungen des Songs, die von eher hanebüchenen Chipmunk-Versionen (mit Schlumpf-mäßig hochgepitchter Stimme) über "I Kissed a Cat" oder heiße Küsse mit der "Grandma" des Boyfriends bis zu Gaga-Abwandlungen wie "I Kissed a Girl and She Farted" reichen. Sogar Travis sind - mal wieder - mit dabei. Allerdings finden sich daneben auch zahllose handgemachte Videos von (schwulen) Jungs, die munter zeigen, was ein queerer Tabubruch sein könnte: Als schwuler Boy ein Mädchen zu küssen und dann zu hoffen, dass der Boyfriend nicht ausflippt - so werden herrschende Normen auf den Kopf gestellt. Während der niedliche High School Senior Carlkr, der an anderer Stelle ganz ernst über sein Coming Out spricht, mit einem Freund lippenbewegend zum Song in der Wohnung herumalbert, geht Brandon Hilton, autofahrend, noch ein großes Stück weiter. Der singt ganz unverblümt: "I Fucked a Boy - and I Liked It."

 Brandon Hilton ist sehr explizit
 
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