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Österreich | 17.5.2004 | 14:21 
Soundpark. Your Place for Homegrown Music.

 
 
Vernetztes Hauskonzert
  von Robert Glashüttner

"'private-exile' nimmt Bezug auf unterschiedliche musikalische Traditionen Wiens (von der Hausmusik Schubert'scher Tage bis hin zur Elektronik-Szene) und transformiert sie in eine vielschichtige Partitur aus akustischen Signalen, die Genregrenzen hinterfragt und überwindet."

Das von Rupert Huber ("Tosca") für die Wiener Festwochen ersonnene Konzept "private-exile" erinnert ein bisschen an den Max Brand Preis: Gute Idee ist halb gewonnen. Wenn man dann auch noch Musiker unterschiedlicher Sparten zueinander bringt, sie so aufeinander aufmerksam machen will und Bezug auf die nationale Musikgeschichte nimmt, ist das ganze - zumindestens mal in der Theorie - perfekt.
 
 
 
23 Spielorte
  Nach monatelanger Planung war es dann gestern soweit: In 23 Wiener Wohnungen haben MusikerInnen aus den Bereichen Jazz, Pop und Elektronik hauskonzertmäßig gemeinsam gespielt und gesungen - verbunden per Internet-Stream. Drei Artists kamen dabei aus dem Soundpark. "private-exile" Mastermind Rupert Huber selbst fungierte als Kontrollstation: Er hatte sämtliche Signale aus den 23 Wohnungen auf seinem Mischpult liegen und hat diese Signale dann gezielt in bestimme Wohnungen zurückgeschickt. Somit war ein gemeinsames Improvisieren und Reagieren möglich.

 
 
Station A: Molkereistraße, Wien 2
  Sämtliche "private-exile" Hauskonzerte haben im Zeitraum von 14 bis 19 Uhr stattgefunden, wobei aber nie alle Artists zur gleichen Zeit gespielt haben - das hätte Herrn Huber koordinatorisch vermutlich etwas überfordert.

Drei bis fünf Musiker gleichzeitig war aber durchaus die Regel. Als ich circa gegen drei Uhr die "Soundpark-Wohnung" in der Molkereistraße (gleich neben dem Prater) betrete, ist dort die Session schon voll im Gange.
 
 
 
Die Soundpark-Crew: In der Mitte Irradiation (mit Bass-Unterstützung links), rechts davon Herr Z0. Nur von hinten sichtbar: Zwei Mitarbeiter von Red Chamber.
 
 
Die streng aussehenden Buben von Red Chamber waren immer konzentriert bei der Sache.
 
 
Improvisation mit einer Prise Chaos
  Viel Zeit hatten die Soundparker nicht, sich gemeinsam ein Set zu überlegen - sie waren fast bis zum Schluss der unbekannte Faktor bei "private-exile". Alle anderen 22 KünstlerInnen, wie beispielsweise DJ DSL oder Richard Dorfmeister, standen schon lange vorher fest.

Somit hat das Soundpark-Team beschlossen, einfach mal ihre Geräte und Gadgets anzuschließen und zu versuchen, gemeinsam zu improvisieren: Das Resultat war eine an Laptop und Mischpult schraubende Irradiation, ein ins Mikro grunzender und Gitarre und Melodika bedienender Z0 und die Red Chambers mit vielen Effektgeräten und etwas schwer nachvollziehbaren MIDI-Installationen. Während der Session ertönen immer wieder schrille Töne aus den Boxen und keiner weiß so richtig, woher sie kommen - waren das jetzt die Kollegen hier im Raum oder aus dem anderen Bezirk?
 
 
 
Station B: "Wiener Sportclub"-Platz, Wien 17
  Die "Wohnung", in der Sofa Surfer Markus Kienzl seinen Beitrag zum "private-exile" abliefert, ist etwas ungewöhnlich: Er beschallt eine Art Kantine des traditionsreichen Wiener Fußballvereins "Sportclub" mit Beats und dubbigen Synths.
 
 
 
Die einzigen Hinweise auf das Hauskonzert waren der verhältnismäßig kleine A4-Zettel links und die offene Tür.
 
 
Weil sehr beatlastig veranlagt, hatte Markus Kienzl das Glück, den "Taktgeber" spielen zu dürfen - er spielte, seine Mitspieler reagierten.
 
 
Station C: "Ronacher", Wien 1
  Nachdem die vernetzten Konzerte vorbei waren, folgte am Abend der zweite Teil von "private-exile", und somit der gleichzeitige Höhepunkt der Veranstaltung im Wiener Ronacher: das sogenannte "Kaleidoskop". Dabei standen dann alle Hausmusiker gemeinsam auf der Bühne, spielten und reagierten sowohl live aufeinander als auch auf das aufgezeichnete Material vom vergangenen Nachmittag, das von Rupert Huber zugespielt wurde.
 
 
 
Ein ungewöhnliches Set, bestehend aus Schlagzeug, einigen Bläsern, Geigen, Turntables, Gitarren und Mischpulten. Zwischendurch gab's opernhafte Gesangsfetzen aus den Logen direkt über der Bühne.
 
 
Vor allem gegen Ende des Konzertes, als DJ DSL und Dorfmeister mitmischten, kam eine angenehm groovig-chillige Stimmung auf.
 
 
Kurzes Finale
  Leider gab es bei der Verkabelung und dem Soundcheck im Ronacher einige technische Probleme (bzw. zu wenig Personal), sodass das Konzert fast eine Stunde zu spät begonnen hat (10 statt 9 Uhr). Eine weitere Stunde später ist es dann auch schon wieder vorbei. Das Publikum ist zweigeteilt: Nur wer von der Verzögerung und der kurzen Spielzeit nicht verärgert ist, kann dem ungewöhnlichen (und vor allem gegen Schluss wirklich recht gut funktionierenden) Jazz-/Pop-/Experimental-Cocktail etwas abgewinnen. Für 33 Euro Eintrittsgeld fühlen sich aber viele etwas abgespeist.

Trotz des Preises war das Ronacher im Gegensatz zu den Wohnungen aber gut besucht. Dass die Wohnungen öffentlich zugänglich waren, ist offenbar nicht ausreichend stark kommuniziert worden.

Beim nächsten "private-exile" sollte das gute Konzept mit einer ebenso guten Umsetzung vermischt werden. Sind die organisatorischen Schwächen dann mal behoben, ist der Erfolg für weitere genreübergreifende Hauskonzert-Festivals garantiert.
 
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  private-exile.net

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