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Österreich | 10.12.2004 | 12:02 
Soundpark. Your Place for Homegrown Music.

 
 
Software Test: Mackie Tracktion
  von Mathias Lichtenegger von 550 Rondy

Mehrspuraufnahmeprogramme mit Midi- und VST(i) Unterstützung gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, aber dennoch sind sie für Schüler oder Studenten nicht oder nur schwer leistbar. Sogenannte 'lite' oder 'adapted' Versionen, die um wenige Euro zu bekommen sind oder als 'Draufgabe' beim Soundkartenkauf dabei sind, wirken wie erweiterte Demoversionen, die nur einem Ziel dienen: Den Anwender so schnell wie möglich zum Kauf der Vollversion zu bewegen.
Eine weitere Problematik ist die Komplexität dieser Programme: Ein Benutzer, der das erste Mal vor Logic, Live!, Samplitude oder Cubase sitzt, wird ohne (fremde) Hilfe überfordert sein und Stunden, wenn nicht Tage mit der Einarbeitung verbringen.
 
 
Goodbye, learning curve. Hello Tracktion.
  Mackies 'Tracktion' versucht hier einen anderen Weg einzuschlagen:
Das Programm kostet gerade mal 80 Dollar und als Zielgruppe werden Neulinge anvisiert. Zudem läuft gerade eine Aktion bei der jeder Benutzer 2 Lizenzen der aktuellen Version kostenlos(!) erhält. Das ist jetzt auch kein versteckter Demoschmäh: Es handelt sich wirklich um eine uneingeschränkte Vollversion, die keinerlei Limitationen aufweist (sprich: keine Einschränkung der Funktionalität, bzw. Zeitlimit). Hierbei gleich ein Danke an zerobae für den Hinweis!,
Klarerweise stellt man sich jetzt die Frage, welche Strategie Mackie verfolgt, die ich mir folgendermaßen erklärt habe: In ein paar Monaten wird die Programmversion 2.0 erscheinen und der Verbreitungsgrad ist noch gering. Umso mehr Menschen mit der "alten" Vollversion arbeiten, umso mehr potenzielle Kunden bekommt man mit dem Nachfolgeprodukt. Ob diese Strategie aufgehen wird, weiß ich nicht - lobenswert finde ich sie allemal.
 
 
 
Am Anfang...
  Am Anfang muss ein sogenanntes 'Project' angelegt werden, das aus mehreren 'Edits' (Bearbeitungen, die eigentliche Arrangierarbeit) und 'Mediafiles' (Audio- oder Mididateien) bestehen kann. Dieses hierarchische System mag anfangs verwirrend sein, der Vorteil liegt aber auf der Hand: Auch nach mehreren angelegten Projekten behält man den Überblick und es kann ein komplettes 'Project' mit einem einzigen Mausklick zusammengepackt werden (d.h. alle 'edits', Audio- und Midiaufnahmen werden zu einem File zusammengefasst).
 
 
 
Ein-Fenster-Philosophie
  Wenn man jetzt ein sogenanntes 'Edit' zum Arrangieren öffnet und einigermaßen mit Sequenzerprogrammen vertraut ist, findet man sich schnell zurecht:
Untereinander sind die Tracks angeordnet, rechts unten das Transportfeld, unten mittig die jeweiligen Einstellmöglichkeiten der anselektierten Bearbeitung, usw.
Nach alter Logic oder Cubase Manier versucht man nun vergeblich durch verschiedene Fenster (Arrangement, Enivroment, Mixer, Keyeditorfenster, usw..) zu zappen, doch vergeblich: Es gibt sie nicht! Alle Bearbeitungsschritte, egal ob jetzt Midi-, Audiomaterial oder Effekt, finden im selben Fenster statt.
 
 
 
 
 
Übersicht statt Parameterwahnsinn
  Ein weiteres Detail, das mir sofort ins Auge gestochen ist: Große Symbole und Schriftzeichen, die übersichtlich angeordnet sind, Icons deren Bedeutung klar ersichtlich sind - im Gegensatz zu anderen Programmen, wo sogar eingefleischte Semiotiker ins Schwitzen kommen. Die Kaugummifarbe des Layouts ist klarerweise nicht jedermanns/frau Sache, aber der Farbkontrast stimmt.
Schon jetzt merkt man, dass sich jemand etwas dabei gedacht hat und nicht die Quersumme aller bisherigen Audioprogramme zu einer Kopie der Kopie zusammengefasst hat.
 
 
 
Meine erste Aufnahme...
  Klarerweise sollte nach der Installation die Audio- und Midihardware eingestellt werden: In der ebenfalls übersichtlichen 'Settings'-Ansicht geht das leicht von der Hand: Audio auf ASIO gestellt und die Midiein- und ausgänge festgelegt.
Im 'Edit' Fenster erscheinen auf der rechten Seite die Eingänge als Symbole mit dem Gerätenamen und Icon: Eine Welle für Audio und eine Klaviatur für Midi.
Tracktion unterscheidet jetzt nicht explizit zwischen Midi- und Audiospuren. Falls jedoch ein Audiofile auf einem Track liegt, dem einen Midiausgang zugewiesen worden ist, dann erscheint ein (dezentes!) gelbes Rufzeichen mit dem Warnhinweis, warum jetzt nichts zu Hören ist. Wirkt herzig, aber jeder der einmal mit meterlangen Midiketten zu kämpfen hatte, wird diese Funktion nicht missen wollen.
Um jetzt eine Audiospur aufzunehmen muss man das Audioinputsymbol mit dem aufzunehmenden Track verbinden: Man zieht es mit der Maus Richtung Track, bis es mit einem Pfeil auf diesen 'zeigt'. Gleichzeitig erscheinen im Parameterbereich alle relevanten Einstellmöglichkeiten: Aussteuerungsanzeige, Aufnahmepfad, Bittiefe, Filename, Input Gain, usw.
Ganz ehrlich: Einfacher geht's wirklich nicht mehr.

 
 
Beat it!
  Klarerweise können auch Drumloops in Tracktion importiert werden: Ähnlich wie bei ACID gibt es eine Echtzeittimestretching und -pitchshifting Funktion für jeden einzelnen Clip (= Teilbereich einer Audiodatei). Unverständlicher Weise kann man jetzt aber nicht einstellen, dass sich das Loop dem Songtempo anpasst, man muss manuell das Timestretchingverhältnis einstellen, wobei sich optisch die Länge des Loops ändert, somit kann man das korrekte Tempo 'auf Sicht' einstellen. Trotzdem: Ärgerlich! Oder lassen hier schon die Softwarepatente grüßen?
 
 
 
Filter für alle(s)
  Glücklicherweise lassen sich auch bei Tracktion VST(i) Effekte, bzw. Instrumente verwenden. Die Handhabung ist aber etwas gewöhnungsbedürftig gelöst: Prinzipiell heißen alle PlugIns 'Filter'. Wenn man jetzt für einen Track z.B. ein Delay einbinden möchte, dann zieht man das 'New Filter' Symbol rechts neben den Track und wählt ein Delay PlugIn aus.
Je mehr PlugIns man für einen Track verwendet, umso länger wird die Symbolkette dieser. Man kann aber diese Symbole innerhalb der Kette verschieben: Ob man jetzt einen Kompressor nach dem Equalizer haben will oder umgekehrt, wird mit einer einzigen Mausbewegung gelöst. Neu für mich ist die Funktion, dass man ein PlugIn auch auf ein einzelnes Clip legen kann ('New Filter' Symbol auf ein Audioclip ziehen).

VST Instrumente werden genauso angelegt: Einfach ein VSTi in die PlugInkette legen und den Midi-Eingang aktivieren.
Die mitgelieferten Effekte sind allesamt brauchbar und bekannt (z.B. die MDA-PlugIns) und können beliebig erweitert werden (Zauberwort: kvr-vst.com). Ein wirkliches Highlight ist der mitgelieferte 'Final Mix' von Mackie Design: Ein Mulitbandkompressor/ Masteringtool ähnlich dem 'Final Master' von Yamaha oder dem L2 von Waves. Dieser ist nur in der in 'Tracktion with examples' Version dabei und leider (vorerst?) nur für Windows. Also Achtung beim Downloaden!

 
 
Fazit:
  Wie ich schon oben erwähnt habe, merkt man schnell, dass es sich bei Tracktion nicht um den x-ten Aufguss eines Mehrspur/Sequenzerprogrammes handelt, sondern um ein eigenständiges, durchdachtes Konzept. Es wurde mit viel Liebe zum Detail programmiert und bei manchen Arbeitsschritten stellt man sich die Frage, warum noch niemand früher auf solch einfache Lösungen gekommen ist. Wahrscheinlich ist es eben dieses einheitliche Konzept, das Tracktion so sympathisch macht und es bleibt zu hoffen, dass in den nächsten Versionen diese Linie weiter verfolgt wird und nicht eine neue Funktion nach der anderen darüber gestülpt wird, um den Trend des Featurewahnsinns gerecht zu werden.
Klarerweise wird der erfahrene User, der mit hundert Busroutings, Inserts und Sidechains arbeitet, unterfordert sein. Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass ich selbst schon für kleinere Aufnahme- und Arrangierarbeiten Tracktion herangezogen habe. 'Profis' sollten sich einmal mit dem modularen Zusammensetzen von Racks beschäftigen - eine versteckte Stärke des Programms.
Die vorliegende Version 1.6.0.1 wirkt schon sehr ausgereift, Systemabstürze dürften dem Programm fremd sein. Dringend verbesserungswürdig sind jedoch einige grundlegende Dinge, wie das schlechte horizontale Scrolling, fehlender Midi Sync, direkte Zoomfunktionen oder die Hüllkurvenautomation, die sich nicht mit den jeweiligen Clips mitbewegen lässt.
 
 
 
Konzept:
  Mehrspuraufnahme/Sequenzer mit VST(i) und ASIO Unterstützung mit neuartiger Konzeptidee. OGG und Audio CD Direktimport, Echtzeittimestretching und -pitchshifting, rewirefähig (nur als Master).
 
 
 
Pro
  * für Anfänger geeignet
* durchdachtes, neuartiges Konzept
* Stabilität
* Übersicht
* Preis (!)
* modulares Bus-, Rackkonzept
* direkte Importfunktion von Audiotracks einer CD
 
 
 
Contra
  * kein MP3 Import (dafür OGG)
* keine brauchbare Zoomfunktion
* horizontales Scrollen nervt
* Programm stoppt die Wiedergabe während des Editierens
* Rewire nur als Master möglich
* Midifunktionalität nur rudimentär und noch nicht ausgereift
* Fehlende Synchronisation: Weder Empfang noch Senden von MTC oder Midi Clock
* Timestretching Funktion passt nicht das Loop an dem Tempo an
* Hüllkurvenautomation wird nicht mit Clips mitverschoben und wird damit unbrauchbar
* Das Verschieben von Punkten der Hüllkurve geschieht äußerst träge (kleine Abhilfe: während des Editierens den 'end-to-end' Button drücken)
* zerschnittene Clips können nicht mehr zusammengeklebt werden
 
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