Österreich | 11.6.2005 | 10:48 Soundpark. Your Place for Homegrown Music.
FM4 Soundpark Remastered #1
von Barbara Schlachter-Delgado
@MS4 vs. Rudi Ortner (FM4) - "Auflegeverbot"
Gregor Reindl aka @MS4 ist gelernter Tischler und besucht seit 2003 eine Ausbildung zum Tontechniker an der SAE in Wien. Nebenher macht Gregor Musik und so kam es, dass er die Weihnachtsfeiertage 2004 nutzte, um einen Track für den damals stattfindenden Protestsongcontest zu machen. Seine Nummer "Auflegeverbot" hat den Contest zwar nicht gewonnen, aber dank seiner witzigen Idee, die FM4 Radiotagebücher von Grissemann und Stermann zu zerschneiden, durch den Vocoder zu jagen und daraus einen lustigen Text zu basteln, ist sein Song dem FM4 Redakteur Matthias Zsutty aufgefallen. Der war der Meinung, dass "Auflegeverbot" sofort ins Programm genommen werden müsse und der Wunsch vieler FM4 Hörer, den Song wieder und wieder zu hören, gab ihm Recht.
Nun sollte "Auflegeverbot" auf die FM4 Soundselection 12 und zu diesem Zwecke noch ein wenig aufpoliert werden. Deshalb eignet sich der Track gut als Start unserer neue Serie FM4 Soundpark Remastered, in der ausgewählte Nummern aus dem FM4 Soundpark von Profis neu gemischt und gemastert werden. Und da wir neugierig sind und uns den einen oder anderen Trick der Soundprofis abschauen wollen, werden wir ihnen dabei über die Schultern schauen und berichten.
Die Mixsession fand im RP3 des Wiener Funkhauses statt, wo sich Gregor mit Rudi Ortner traf, um Hand an "Auflegeverbot" zu legen. Ursprünglich hatte Gregor den Track mit Propellerheads Reason, Recycle und mit Cubase produziert. Für den neuen Mix wurden alle Spuren einzeln gebounct, damit sie in Pro Tools importiert werden konnten. Da es unmöglich ist, jeden Handgriff von Rudi zu dokumentieren, haben wir gemeinsam ein paar Punkte rausgepickt, die gegenüber der Originalversion verändert wurden.
Die Originalkick war für den Track nicht optimal gewählt, weil sich ihre stark klickende Attack mit den anderen Drums im Mix nicht so gut vertrug und sie im Bassbereich zu wenig Bauch hatte. Da dem Track generell etwas Bass fehlte, musste die Kick bearbeitet werden. Mit einem Lowpass-Filter wurde das Klicken weggefiltert und zusätzlich wurde ihr mit einem kleinem dumpfen Raum ein bisschen mehr Bauch verpasst.
title: Hörbeispiel 1:Kick Original length: 0:06 MP3 (102KB) | WMA
Da im Track oft zwei bis drei, gegen Ende sogar vier Drumloops gleichzeitig im Einsatz waren, musste auch hier eingegriffen werden. Denn jeder Drumloop hatte eine andere Kick und einen anderen Shuffle, was den Beat insgesamt etwas matschig und undefiniert klingen ließ. Deshalb filterten Rudi und Gregor bei jedem Loop die weniger wichtigen Bereiche weg und ließen nur die für den Mix wichtigen Komponenten der einzelnen Loops übrig.
Die Stimmen von Grissemann und Stermann hatte Gregor mit Recycle geschnitten, und da das Programm manchmal Schnittfehler macht, wurden diese erstmal korrigiert. Weiters bekam die Vocoderstimme einen kleinen Hall, damit die zum Teil harten Schnitte nicht so abreißen. Und damit das Ganze spannend bleibt und die Stimme nicht ganz so statisch klingt, variierte Rudi den Hallanteil auf der Stimme im Verlauf des Tracks und ließ ihn somit wandern.
Da sich Vocoder und Synthie im selben Frequenzspektrum bewegen, neigten die Syhnties manchmal dazu, die Stimme zu überdecken. Um das in den Griff zu bekommen, wurde die Stimme via Bus in den Sidechain eines Kompressors geschickt. Dadurch gehen die Synthies immer, wenn die Stimme einsetzt, im Mix etwas zurück, da die Kompression durch das Signal der Stimme geregelt wird.
Im Mittelteil des Tracks gibt es eine lange Strecke ohne Beats, die nicht langweilig werden soll und die man durch Panning und Raumaufteilung etwas interessanter gestalten kann. Hier entschieden sich Rudi und Gregor dafür, einen Synthie im Raum nach hinten wandern zu lassen, während der andere nach vorne kommt.
Dazu wird mit dem Hallgerät ein Raum gebaut und ein Send-Kanal angelegt, der auf "pre" geschaltet wird. Indem man dann die Volumekurve des ersten Synthies gegen Null laufen lässt und den Send, der in den Hall geht, langsam ganz aufdreht, wird das Originalsignal immer leiser und das Raumsignal immer lauter. So entsteht der Eindruck, dass der Synthie im Raum nach hinten wandert. Mit dem anderen Synthie passiert genau das Gegenteil.
Da Gregor die meisten Synthielines mono aufgenommen hatte, tat manchen Synthielines ein wenig Filtermodulation und Panning gut. Moduliert wurde in diesem Fall mit dem Filterfreak von Soundtoys und das Panning wurde mit dem Waves Mondo Mod variert.
Filterfreak und Mondo Mod dienen der Auflockerung des sturen Monosounds des Originals
Bild 1 groß.
Bild 2 groß.
Ein wichtiger Punkt im Mix-Prozess war die Frequenztrennung. Jeder Sound oder jede Soundgruppe bekam mittels Filter ihren eigenen Frequenzbereich zugeordnet, damit der Mix nicht matschig würde.
Am Ende des Tages hatten Rudi und Gregor alles aus dem Track rausgeholt, was mit dem Ausgangsmaterial an einem Tag zu machen war. Natürlich hätte man noch weiter ausholen und den Song teilweise neu instrumentieren und aufnehmen können, aber das hätte den Rahmen des Projektes gesprengt, wo vorwiegend aus vorhandenem Material das Bestmögliche gemacht werden soll. Und nun, da Gregor und Rudi mit dem Endmix zufrieden waren, wanderte "Auflegeverbot" weiter ins Studio von Werner Zettinig, wo dem Track noch der allerletzte Feinschliff, nämlich ein Mastering, verpasst wurde.
Equipmentliste im RP3:
Pro Tools Mix System
TC 6000 Hallgerät
Plug ins von Digidesign, Waves, Focusrite, Soundttoys und Line6
Glossar:
Sidechain-Eingang
Der sidechain-in ist ein separater Eingang, mit dem man den Regelkreis des Kompressors ansprechen kann.
Dabei gibt man auf den (normalen) Eingang des Kompressors die Musik und auf den sidechain den Sprecher/Sänger.
Immer, wenn der Sprecher etwas sagt, regelt der Kompressor nun die Musik leiser... beim Ausgang vom Kompressor hört man dabei natürlich keine Stimme, die geht nur in den Steuereingang und muss anschließend noch der Musik beigemischt werden.
(Quelle: computersound.de)
@MS4 "Auflegeverbot" mp3 zum download vorher und nachher