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  Österreich |  15.1.2003 | 12:13 
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Prime Cuts: Console - 'Reset The Preset'
  von Andreas Gstettner
 
 
 
  Björk wurde einmal in einem Interview gefragt, was sie davon halte, dass man elektronische Musik meist mit den Attributen 'kalt und seelenlos' in Verbindung bringt. Ihre Antwort war sinngemäß: Es kommt ganz darauf an, ob derjenige, der vor dem Computer sitzt, der Musik auch ein Leben, eine Seele einzuhauchen vermag, oder nicht. Diese Aussage von Björk zitiert auch Martin Gretschmann aka Console, wenn er von Journalisten in ein Gespräch über kopflastige Frickeleien und deren emotionalen Tiefgang verwickelt wird.

Auf dem neuen Console Doppelalbum Reset The Preset hat es Martin Gretschmann auf alle Fälle geschafft, seinen Tracks Leben einzuhauchen. Musikalisch spannt das mittlerweile dritte Studiowerk 'Reset The Preset' den Bogen von elektronischen Downbeat-Tracks bis zu poppigen Rocknummern.


 
audio
 
title: Reset The Preset
artist: Console
length: 1:01
MP3 (1.971MB) | WMA
   
 
 
  Das bestechende Live-Feeling ist nicht zuletzt auf die Erweiterung des bisherigen Soloprojekts zu einer richtigen Band mit Bass, Gitarre, Schlagzeug und einer Sängerin zurückzuführen. Doch bis es so weit war, musste Martin Gretschmann eine lange und harte Entwicklung durchmachen, die eng mit dem Weilheimer Sounduniversum verknüpft ist...
 
 
 
Taschenrechner oder Bassgitarre?
  Aufgewachsen im bayrischen Weilheim, drückte auch Martin Gretschmann dort die Schulbank. Sein damaliges Spezialgebiet: der Taschenrechner. Doch wie für viele in diesem Alter wurde der Drang, in einer Band zu spielen, immer stärker und Martin gründete zusammen mit Axel Fischer die Rockformation 'Toxic', bei der er Bass spielte.

"Ich habe sogar fünf Bassstunden genommen", erzählt Martin mit einem Grinsen im Gesicht. "Der Typ hat versucht, mir ein bisschen Harmonielehre beizubringen. Das einzige, was ich noch weiß, ist, dass er mir erklärt hat, dass es Dur- und Moll-Akkorde gibt. Das war für mich damals schon eine wichtige Information." Doch nach einer Weile war die Liebe zum Bassspielen verebbt. Martin: "Ich wollte immer Stücke komponieren. Das geht mit dem Bass so schlecht. Du sitzt zuhause und spielst halt 'da da da' und dann einen Ton tiefer 'da da da' ... (lacht)"

Also begann Martin wieder, sich auf seinen Rechner zu konzentrieren und nach langer, harter Arbeit, im Jahre 1997, war es dann soweit: In nur vier Wochen produzierte er unter dem Namen 'Console' seine erste Platte mit dem Titel 'Pan Or Ama'. Zur selben Zeit wurde er auch zu einem fixen Bestandteil der erfolgreichsten Weilheimer Band, The Notwist, und die Dinge nahmen ihren Lauf...

 
 
Die Produktionsmaschine
  Schon 1998 zeichnete sich das Workaholic-Dasein von Martin Gretschmann ab. In diesem Jahr produzierte er die eigenwilligen, abgehackten und kratzigen Beats für die Notwist-Platte 'Shrink' und verhalf der Band somit zu einer entscheidene Stilwendung. Gleichzeitig veröffentlichte der er mit 'Rocket In The Pocket' sein zweites Console-Album, das trotz seiner gewagten Rhythmuswechsel und schrägen Frickeleien schon klar in eine poppige, mehr den klassischen Songstrukturen gehorchende Richtung ging.

Nach diversen Touren mit The Notwist und Console folgten in den letzten Jahren Remixe für Depeche Mode und AHA, sowie seine zwei Pop-Hits 'Freiburg V3.0' und '14 Zero Zero', letzerer eine Liebesansage an seinen Computer, der dann den Song auch selber singen durfte. Sein persönliches Highlight war allerdings, dass er für das Björk Album 'Vespertine' den Track 'Heirloom' beisteuern durfte. Doch wer damals glaubte, der bayrische Soundtüftler hätte nun seinen Zenit erreicht, der irrte gewaltig...

 
 
Weilheim - Spanien und retour
  Mit Neon Golden erhielten The Notwist letztes Jahr endlich die gebührende, internationale Anerkennung. Eineinhalb Jahre dauerte die langwierige und oft nervenaufreibende Produktionsarbeit, wie die Fernsehdokumentation On/Off The Record zeigt.

Als das Album endlich fertig war, fiel Martin Gretschman die Weilheimer Decke auf den Kopf. Ausgerüstet mit lediglich seinem Laptop und einer leeren Festplatte machte er sich auf nach Spanien, um neue Inspirationen zu sammeln. Drei Monate verbrachte Martin Gretschmann in einem kleinen Zimmer in Barcelona, in dem sich nur ein Bett, ein Tisch und eine billige Hi-Fi-Anlage befanden. Hier entstanden die meisten Kompositionen für das neue Werk 'Reset The Preset'. Das Ergebnis ist Preset, das zum zweiten Teil des Doppelalbums wurde, ein Konglomerat an chilligen Downtempo-Grooves und blubbernden Ambient-Sounds.
 
 
 
 
 
  Zurück in Bayern, scharte er seine besten Freunde und Mitmusiker um sich und nahm in dem Weilheimer Uphon-Studio die andere Häfte des Doppelalbums, Reset, auf. Von Beginn an sind Bassist Michael Schweiger (Mastermind von Hometrainer), Gitarrist Axel Fischer (alias FC Shuttel) und Schlagzeuger Christof "Kaspar" Brandner (Mitglied bei Pelzig, Lali Puna und dem Tied & Tickled Trio) in den Arbeitsprozess eingebunden und verhelfen der clubtauglichen Seite der neuen Console-Platte zum nötigen Band- und Live-Feeling. Die größtenteils rockigen Songs auf 'Reset' erhalten durch die zerbrechliche, ausdrucksstarke Stimme von Sängerin Miriam Osterrieder einen poppigen Anstrich.
 
 
 
 
 
Lets reset our presets
  Hinter Reset The Preset steht jedoch mehr, als nur die Verbindung von Elektronik und Rock. Denn der Titel bezieht sich darauf, dass wir oft in "Presets" - also Voreinstellung, Muster oder Erwartungshaltungen - leben und diese eigentlich 'reseten', durchbrechen oder gar völlig löschen sollten. Diese tiefgründige Philosopie vermittelt Martin Gretschmann allerdings nicht ohne einem ironischen Augenzwinkern. So lässt er sich beispielsweise bei einem Interview auf der Promotion-CD von der Stimme seines Computers zum Konzept seiner neuen Platte befragen und verfremdet seine Antworten durch diverse Soundeffekte wie Echos oder Stimmmodulatoren. Hier lässt Martin Gretschmann seinem spielerischen und fast schon kindlichem Drang freien Lauf. Wie kann einem solch ein Musiker schon unsympathisch sein? Noch dazu, wenn er solch ein Meisterwerk wie 'Reset The Preset' vorlegt?
 
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Tipp:
  Console live: am 18.01 in der Alten Kongresshalle am Messegelände in München, und am 25.01 in der Wiener Arena beim FM4 Geburtstagsfest.
 
 
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