Mit 'Creation' hat Megablast wirklich was Großes geschaffen: sein eigenes Sound-Universum nämlich. Die HipHop-Wurzeln hat er zwar noch immer im Hinterkopf, aber das Spielfeld ist weiter offen als je zuvor: retardierte Beats, subsonische Bässe, Breaks, Splitter, Hall und Echo. Willkommen bei unserem FM4 Album der Woche.
Kein Frischling
Obwohl sein Name (noch) nicht mit der Intensität auf Flyern kursiert, die manch andere österreichische Plattendreher für sich verbuchen können, ist Sascha Weisz alias DJ Megablast kein neues Gesicht in der Musikszene. Seit den frühen 90er Jahren treibt sich dieser Mann in einschlägigen Kreisen herum, hat mal einen Mixwettbewerb der Ö3 Musicbox gewonnen, bei Schönheitsfehler das Vinyl verlegt, mit den Gainfull Galivants gejammt und mit Luv Lite Massive die lokale Pionierarbeit für Drum&Bass erledigt. Irgendwann in der zweiten Hälfte der 90er muss es ihm im abgesteckten Terrain der HipHopHeads zu eng geworden sein. Bestehende Verbindungen waren nur noch Ballast an den Füßen und Megablast wanderte raus ins Freestyle-Land, das gerade in voller Blüte stand. Doch der Weg war steinig.
Erste Anlaufstation war das unter dem Dach der Libro-Kette operierende Plattenlabel Intonation. Dort schaffte man es gerade noch, zwei 12" Singles von Megablast zu veröffentlichen, ehe der Boden wegbrach. Das geplante Album konnte nicht mehr realisiert werden, und so machte sich Megablast auf nach Deutschland, wo er bei der Freestyle-Schmiede von Stereo Deluxe auf Gleichgesinnte traf. Oli Rösch, der Kopf des Labels, offerierte einen Album-Deal - und verunglückte kurz darauf tödlich. Wieder mal schien die Zukunft ungewiss. Aber hätte sich schlussendlich nicht doch alles zum Guten gewendet, dann könnten wir euch hier und heute nicht das präsentieren, worum es eigentlich geht: 'Creation', das formidable Debütalbum von Herrn Megablast.
Zwei Jahre hat Megablast in unermüdlicher Arbeit an seinen Tracks gebastelt und geschliffen, zahlreiche Vokalisten eingeladen und sich ganz nebenbei vom Hobby-Plattenaufleger in die Oberliga der DJ-Szene gespielt. Den HipHop-Gedanken trägt er zwar immer noch im Hinterkopf, doch das Feld ist weiter offen als je zuvor: retardierte Beats, subsonische Basslinien, Breaks und Splitter, viel Echo, Hall und Nebel und dazu eine ganze Reihe hochkarätiger Gastvokalisten. Wie etwa Ken Cesar (der es durch seine Auftritte bei Stereotyp und I-Wolf schon zu Album-der-Woche-Ehren schaffte), Kudra Owens (kennt man von The Menheads), Sugar B (unser Mann vom Swound-Kanal) oder Hubert Tubbs - der hat schon mit Größen wie Tower Of Power, Santana, Jestofunk und den Rolling Stones musiziert und ist gleich bei sieben Tracks auf 'Creation' mit dabei.
Wie das Album zu seinem Namen kam, erklärt Megablast so: "Diese Platte klingt fast wie eine Compilation, es sind viele verschiedene Stilrichtungen drauf. Es ist eine Werkschau von Megablast, sozusagen. Ich habe also mein eigenes Sounduniversum gestaltet, ohne mich an irgendeinen Trend anzuhängen - das ist meine Schöpfung, meine Creation."
Ganz frei von Referenzen ist die Musik aber dennoch nicht. In unmittelbarer künstlerischer Nachbarschaft von Herrn Megablast befinden sich Leute wie Sterotyp, I-Wolf und die Sofa Surfers. Sie alle haben eins gemeinsam: immer ein wenig neben der Spur zu liegen. Und das ist im Angesicht einer glanzpolierten Karaoke-Pop-Welt schon ein großer Verdienst. Auch wenn sich die Zielsetzung von Megablast verhältnismäßig bescheiden anhört: "Ich glaube, dass jeder Mensch irgendetwas in seinem Leben hat, was ihm extrem taugt und wozu er sich bestimmt fühlt. Bei mir ist das die Musik, und ich glaube dass mein kleiner Beitrag in diesem Leben jener sein kann, eine kleine Saat an Hoffnung zu streuen. Da wäre ich schon zufrieden damit."