"Zoot Woman ist eine richtige Band, in der jeder gleichberechtigt ist." Das betont Stuart Price gerne. Wohl auch, weil er so froh ist, dass er endlich Menschen (die Brüder Johnny und Adam Blake) gefunden hat, mit denen Musik machen Spaß macht. Vorherige Experimente sind allesamt gescheitert und haben zu Soloprojekten und jeder Menge Pseudonymen geführt.
Sein wahres Gesicht zeigt Stuart Price ungern. Jahrelang hat er sich hinter dem Namen Jaques Lu Cont versteckt und es geschafft, fast die gesamte Musikpresse glauben zu machen, dass er aus Frankreich kommt.
Zoot Woman als Hafen, in dem sich Price von seinen Abenteuern als Verwandlungskünstler erholt.
Als Les Rhythmes Digitales hat Stuart Price ein extrem tanzwütiges Album mit 80ties Anstrich abgeliefert - inklusive Air Brush-Cover und Nik Kershaw-Vocals. Im Unterschied zu anderen Herrschaften hat Herr Price das aber schon vor mindestens 6 Jahren getan, als die "Wiederkehr der schlimmen 80er" noch nicht im Revolverblatt des jeweiligen Vertrauens angepriesen wurde. Gemeinsam mit Kapazundern wie DMX Krew, I-F oder Gerhard Potuznik hat er im Elektro gestöbert, lange bevor sich Kylie Minogue mit Fischerspooner zum Musizieren getroffen hat und Jay Jay Johansson sich einen Neo Iro zugelegt hat.
Das erste Zoot Woman Album war nicht mehr ganz so weit vorn, aber trotzdem eigen und anders.
Electro - ...?
Elektro-Clash, -Cash, -Punk... unfassbare viele Bezeichnung sind in Überlichtgeschwindigkeit erfunden worden für die neu-alte Art, Musik zu machen: Mit billigen Drummachines, wenig Ahnung und viel Eigenbau-Trash-Ethos derbe Disco Stücke zu basteln, die nach New York riechen und in der Herstellung nicht länger als 2 Stunden brauchen dürfen. Fischerspooner wurden als Helden auserkoren und binnen einiger Monate war alles totgeredet und -geschrieben. "THE" Bands werden wissen, wie schnell sowas gehen kann, schade ist nur immer, dass die, die die Musik machen, meistens nix dafür können, solange sie keine miesen "nach dem Wind Dreh" Plagiatoren sind.
Das Tier am Gerät
Ein Fuchs am Musikmachgerät ist Stuart Price auf jeden Fall. Das Zoot Woman-Mastermind remixt nebenher entspannt Nachwuchskünstler wie Madonna (als ihr Bandleader hat er auch die Welt überflogen) oder seine eigene Band. Als Pseudonym nimmt er gern "Paper Faces" oder "Jaques Lu Cont" - unter diesem Namen ist er auch als DJ tätig.
Beim neuen Zoot Woman Album wurde penibel darauf geachtet, dass es keine "Effekt"-Orgie entsteht und dafür wurden sicherheitshalber ein Großteil der Geräte ausgeschaltet. Der Track "Half full of happiness" z.B. ist im allerletzten Moment von seinem Effektschleier befreit worden. Unter anderem ein Verdienst von the Cure: "Adam hat sich viele Cure Platten angehört, bevor wir ins Studio gegangen sind", meint Price. Ganz so klingen die neuen Nummern zwar nicht - dafür sind sie viel zu feinmotorisch produziert und auch nicht impulsiv genug -, die Gitarrensounds wurden aber jedenfalls zumindest angelehnt an die gruftigen Helden.
Die Erwartungen in das erste Zoot Woman-Album waren groß. Unter anderem, weil Stuart Price als Remix-Superstar gehandelt wurde und sein Album als "Les Rhythmes Digitales" ein Hit Monster war. In kommerzieller Hinsicht hat dann alles doch nicht so funktioniert, wie sich das die Plattenfirma wahrscheinlich gewünscht hätte. Zoot Woman scheint das einerlei, auch beim neuen Album. Selbstbewusst sind sie trotzdem - und davon überzeugt, dass das mit der "Zur richtigen Zeit das richtige Album raushauen"-Achse irgendwann von selber hinhauen wird.
Einstweilen kann sich Herr Price ja mit dem Produzieren von Nachwuchskünstlern die Zeit vertreiben oder angeln gehen.