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  Österreich |  15.10.2003 | 19:09 
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Prime Cuts: Mika - 'Right Place, Right Time'
  von Roman Schilhart
 
 
 
Fairy Tales
  Mika sind eine echt zauberhafte Band. Ihre Geschichte liest sich wie ein Märchenbuch: Der Legende nach hat nämlich alles im 'Playmobilzimmer' am Rande des 'Märchenwaldes' begonnen, irgendwo im grünen Herzen der Steiermark. Ein kleiner Raum in einem verträumten alten Haus, umrankt von dichten Hecken und knorrigen Bäumen, wo vor etwa drei Jahren das erste, selbstbetitelte Album ausgebrütet wurde - eine Platte, die es auch umgehend zu Prime-Cuts-Ehren gebracht hat. Kurz darauf erreichte die Mikas aber der Ruf der großen, weiten Welt von jenseits des Waldes - Matthias Kertal, Simon Nola und Lea Sonnek schnürten ihre Ranzen und zogen hinaus nach Wien, Graz und London.

 
 
Frieren in Pitten
  Trotz der räumlichen Trennung arbeiten Mika weiter, geben Konzerte und fertigen Remixes an. Als schließlich genug neues Songmaterial gesammelt ist, bunkern sich Matthias und Simon gemeinsam mit ihrem Label-Chef Christian Candid für zwei Wochen in einem alten Fabriksgebäude in Pitten bei Wiener Neustadt ein. Das war im letzten September, als die Tage schon grau wurden und die Nächte kalt. Der Wind dringt schauerlich heulend durch die Fensterritzen, das Feuer im Ofen will geschürt werden, der klapprige alte Kaffeekocher steht im Dauerbetrieb. Verteilt auf verschiedene Räume, aber durch Glasscheiben im Sichtkontakt, wird gemixt, produziert und gemastert, bis eine Rohfassung von 'Right Place Right Time' auf der Festplatte liegt.
 
 
 
Intermezzo in Graz
  Es verstreicht aber noch ein weiteres Jahr, bis das Album-Projekt schließlich konkrete Formen annimmt. Sängerin Lea Sonnek kehrt aus ihrer Wahlheimat London zurück, Rainer Binder-Krieglstein stellt einen Teil seines Grazer Proberaums zur Verfügung und die Mikas stürzen sich abermals in einen intensiven Arbeitskreislauf: Aufstehen, Musikmachen und Schlafengehen, wobei schon mal vergessen wird, dazwischen auch was zu essen. Der Kräfteverschleiß und die soziale Abschottung fordern ihren Tribut, aber: 'Right Place Right Time' verwandelt sich von einer losen Sammlung aus Tracks immer mehr in das, was Mika sich vorgestellt und gewünscht haben. In ein komplettes Album nämlich.
 
 
 
Mika beim FM4-Fest in München
 
 
Zwischen den Orten
  Den letzten Schliff bekommt 'Right Place Right Time' auf der Strecke zwischen Graz und Wien. Entweder gemütlich im Zugabteil mit dem Mini-Keyboard am Nebenplatz, oder weniger gemütlich am Beifahrersitz eines Autos mit dem Laptop auf den Knien. Simon Nola: "Auf Grund der räumlichen Distanz mussten wir weite Wege gehen, um zu diesem Album zu kommen. Von Wien nach Graz sind's so ca. 200km. Wir sind unzählige Male hin- und hergefahren; 'Right Place Right Time' ist also eine Platte, die wir uns erst erreisen mussten." Doch letztendlich hat sich der Aufwand gelohnt, für Mika - und für uns. Denn wir freuen uns über eine von Sommerwind und Melancholie umwehte Pop-Platte, die Sonic Youth und The Smiths genauso ihn ihrem Bewusstsein trägt wie repetive House-Beats und eine Prise Blue-Eyed-Soul.
 

 
audio
 
title: Prime Cuts: Mika-Right Place Right Time
length: 1:01
MP3 (979KB) | WMA
   
 
 
Right Place, Right Time
  Mika lassen sich gerne was Neues einfallen und gehen ungewöhnliche Wege, um ihre Musik zu präsentieren. Vor kurzem haben sie im Wirr in der Wiener Burggasse ein Kopfhörer-Konzert gegeben. Zu ihrer neuen Platte gibt es demnächst auf ihrer Website eine Special-Edition-CD im DVD-Case zu bestellen, die Oliver Hangl mit einem Stereo-Fotografie-Booklet ausgestattet hat. Mit einer passenden Brille wird da aus zwei Bildern schließlich eins, die abgebildeten Personen scheinen durchsichtig zu sein; es entsteht eine Transparenz, die der Musik von Mika ähnlich ist. Denn 'Right Place Right Time' ist weniger eine buntlackierte Hochglanz-Oberfläche als vielmehr ein sanftes Flimmern der Luft, eine Brechung des Lichts, oder die Farben der untergehenden Sonne, die sich im Wasser spiegeln. Malerisch und verträumt, ohne kitschig zu sein. Und zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Wenn die Musik bewegt, nach innen und nach außen, ist das Ziel nahe. Wir sagen: danke, Mika!
 
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