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  Österreich |  22.6.2004 | 16:46 
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Prime Cuts: Kava - 'The Empty Hall Sessions'
  von Roman Schilhart

Dass Wien kein schlechter Boden für junge Musik-Talente ist, das hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt. Jetzt reiht sich auch Thomas Pötz alias Kava mit seinem Debütalbum 'The Empty Hall Sessions' in die Riege der aufstrebenden Elektronik-Produzenten ein.
 
 
 
Das musikalische Tagebuch
  23 Jahre jung, und schon einiges im Portfolio: nach zwei 12"-Releases für Fabrique Records, diversen Compilation-Beiträgen und Remixes für Cay Taylan, Mauracher und die Waxolutionists präsentiert sich Kava nun in voller Albumlänge. 'The Empty Hall Sessions' bezeichnet er als sein musikalisches Tagebuch: "Es geht mir weniger darum, eine bestimmte Message rüberzubringen, denn dazu würde ich ein Buch schreiben; es sind eher Stimmungen und Fragmente, die ich wie in einem Tagebuch aufzeichne und dann im Studio übertrage." Geholfen haben dabei AnnG und Noemi, die gut die Hälfte der Tracks mit ihren Stimmen begleiten.

 
 
Am Anfang war der Rock
  Dabei hat alles, ganz klassisch und traditionell, mit dem Kauf einer Gitarre begonnen. Schon nach einem halben Jahr Üben wird eine Heavy-Metal-Band gegründet, die Verstärker bis zum Anschlag aufgedreht, in die Saiten gedroschen und ordentlich Krach gemacht. Kava fungiert im Band-Kontext als Songschreiber und Arrangeur, was ihn allerdings schnell langweilt: "Irgendwann waren meine Arrangements so elektronisch, dass ich mir dachte, die brauchen eigentlich nicht mehr den Rahmen einer Band. So habe ich begonnen, meine eigenen Rausch-Symphonien zu machen."

 
 
Kava-Kava
  Stichwort Rausch: Wirft man das Wort 'Kava' in eine Internet-Suchmaschine, stößt man übrigens auch auf einen polynesischen Strauch gleichen Namens, aus dessen zerstoßenem Wurzelstock eine psychoaktive Substanz gewonnen wird, die in Form von Tee zubereitet wird. Davon hat Thomas Pötz offenbar gerne gekostet - und sich diesen Namen entliehen, als er kurz vor seinem ersten DJ-Gig nach einem passenden Pseudonym suchte. Die Kava-Pflanze soll übrigens Wohlbehagen und Entspannung hervorrufen, und genau das kann auch der Genuss von 'The Empty Hall Sessions' bewirken.
 
 
 
Gläserne Klänge
  Denn da beweist Kava sein Gespür für transparente, glasklare Sounds, raffiniert vertrackte Rhythmen und eine ordentliche Portion Pop-Appeal. Anstatt eine weitere Variation des hinlänglich bekannten Wiener Downtempo-Schmähs abzuliefern, filtert sich Kava durch kühle Clicks & Cuts, superästhetische Beat-Architektur und sogar Einflüsse aus der Klassik. So taucht im Stück 'Feelwell' doch glatt ein Element aus Bach's 'Goldberg-Variationen' auf. Dass dabei alles so stimmig und ausgereift klingt, hat wohl auch damit zu tun, dass Kava seine Brötchen in einem Tonstudio verdient und daher genau weiß, welche Knöpfchen er wie zu drehen hat.


 
audio
 
title: Prime Cuts: Kava
length: 1:02
MP3 (1.005MB) | WMA
   
 
 
Das Dreirad
  Neben dem musikalischen Inhalt besticht "The Empty Hall Sessions" auch durch extra-stylishes Coverdesign, für das die Kreativ-Agentur Ichiban verantwortlich zeichnet. Als besonders markantes Logo sticht dabei ein stilisiertes Dreirad heraus. Das hat für Kava eine symbolische Bedeutung, die er etwas kryptisch formuliert: "Das Dreirad steht für eine Personenkonstellation, bei der ein Rad lenkt, und zwei miteinander verbundene hinterher fahren. Ich denke, da kann sich jeder seinen eigenen Reim drauf machen." Wohin die Fahrt gehen mag, bleibt ungewiss. Wir wünschen dem Kava-Dreirad jedenfalls, es möge eine lange und erfolgreiche sein!

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