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  Österreich |  25.2.2005 | 17:48 
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Stereo Total - "Do the Bambi"
  von Christian Kisler
 
 
 
  Am Anfang war der Crash: Eine junge Frau namens Françoise Cactus und ein junger Mann namens Brezel Göring fahren einander in einem Supermarkt mit ihren Einkaufswagen über den Haufen. Sagt zumindest die Legende. Möglich ist auch, dass sich die beiden in einer Bäckerei in der Berliner Adalbertstraße begegnet sind - ganz ohne Zusammenprall und ganz ohne etwaige Körperverletzungen. Welche dieser beiden Überlieferungen den Tatsachen entspricht, wissen wohl nur Frau Cactus und Herr Göring. Und ob die Geschichte stimmt, dass Françoise für Brezel ein Mix-Tape zusammengestellt und auf das Cover in großen Lettern "STEREO TOTAL" geschrieben hat, was dann letztlich zur Namensgebung geführt hat - das kann außer den beiden auch niemand mit Gewissheit sagen.

 
 
Hallo? Hallo?
  Sicher ist auf jeden Fall, dass 1995 der erste Tonträger von Stereo Total erschien: "Allô j'écoute", eine EP mit ganzen vier Tracks. Irgendwann, zwischen 1998 und 2000, waren Stereo Total Françoise Cactus und Brezel Göring auch einmal ein Quartett, mit Angie Reed, die später Solo-Wege beschritt, und mit San Reimo, der sich dann dem Jeans Team widmete. Aber die Achse Françoise Cactus und Brezel Göring sollte sich, nicht nur aus persönlichen Gründen als die beständigste Variante herausstellen.
 
 
 
Bambi vs. Mutzenbacherin
  Jetzt, zehn Jahre nach "Allô j'écoute", erscheint also die sechste Platte aus dem Hause Stereo Total. "Do the Bambi" ist nach "Oh Ah" (1996) und "Monokini" (1997) der wohl schönste Album-Titel des Duos so far. Ein Titel, der Raum für Spekulationen lässt [an dieser Stelle Danke an den aufmerksamen FM4-Hörer Gottfried, der uns darauf hingewiesen hat, dass 'Bambi-Sex' eine andere Beschreibung für die beliebte Missionars-Stellung ist]: Klingt einerseits nach einem Tanz (vgl. "Do the Twist"), andererseits verweist "Bambi" auf den Schriftsteller und dessen Erfinder Felix Salten. Pikant ist allerdings, dass dieser Mann auch als Schöpfer der "Josefine Mutzenbacher" gilt - ein durch und durch pornographisches Werk, das einst anonym veröffentlicht und zur Sicherheit auf den Index gestellt wurde - bis heute. Irgendwie passt das ja zu Stereo Total, bewegen sich die beiden doch auch irgendwo zwischen 'lieblich' und 'kinky' (und zwischen Kitsch bzw. Chanson und Garage bzw. Lo-Fi).

 Felix Salten - verantwortlich für Bambi und Josefine Mutzenbacher
 
 
Movie Stars
  Der dem Duo Stereo Total mittlerweile eigene Sound zwischen französischem Chanson, Heimwerker-Elektronik und Bontempi-Keyboard-Sounds, scheinbar naivem Gesang sowie Punk-Gestus findet sich auch auf "Do the Bambi" wieder. Nichts Neues also, wenn auch gelungen variiert und nach wie vor äußerst unterhaltsam. Spannend ist "Do the Bambi" trotzdem: Der sechste Langspieler ist gleichzeitig das erste Konzeptalbum von Stereo Total. Dabei war es eigentlich eher Zufall, dass die Platte vowiegend ein Thema behandelt - nämlich Film und Kino.

Seinen Anfang hat das Ganze in der Volksbühne in Berlin genommen. Dort haben Françoise Cactus und Brezel Göring Themen-Abende veranstaltet, die alle mit Kino zu tun hatten: Ein Abend wurde dem großen französischen Komiker Jacques Tati gewidmet, an einem anderen wurde "Week-End" von Jean-Luc Godard neu vertont. Und zu "Christiane F. - Wir Kinder vom Banhof Zoo" wurde gleich ein kleines Musical geschrieben.

 Cobyright: Stefanos Notopoulos
 
 
Cinémania
  Kein Wunder also, dass sich einiges von dem Material auf "Do the Bambi" wieder gefunden hat - sei es "Babystrich" aus dem Christiane-F.-Musical, die Songs "Vive le week-end" und "Tas de tôle" vom Godard-Abend oder der Song "Cinémania". Letzterer wurde für einen Dokumentarfilm von Angela Christlieb und Stephen Kijak über Kino-Süchtige geschrieben. Und auch sonst gibt es einiges zu entdecken, auch wenn dafür mitunter um die Ecke gedacht werden muss. Der Song "Orange mécanique" etwa basiert einem Barock-Stück von Henry Purcell, dargeboten mit dem Wendy-Carlos-Synthie-Sound, der - jetzt kommt's - in Stanley Kubricks "A Clockwork Orange" verwendet wurde. Oder "Chelsea Girls", eine Cover-Version des Velvet-Underground-Songs - schließlich gibt es auch einen Film von Andy Warhol mit gleichem Namen.

 Stereo Total - damals noch zu viert
 
 
  Bevor jetzt die Köpfe zu rauchen beginnen, gibt es eine kleine Entwarnung: "Do the Bambi" mag zwar eine Fundgrube für Cineasten sein, Spaß kann man an dem Album aber auch haben, ohne sein (mindestens) halbes Leben in Lichtspieltheatern verbracht zu haben. Dafür Sorgen Songs wie die Nudisten-Hymne "Ich bin nackt":

Ich bin nackt ... mmh, mmh
Ganz nackig, na und?
Mir egal
So will es die Natur

Dass der Nachbar meine Titten sieht
Wird er überleben
Er hat einen Fernseher


Das Video zu "Ich bin nackt" kann als Real-File übrigens auch online, sowohl in der deutschen als auch in der französischen Fassung bewundert werden.
 

 
audio
 
title: Prime Cuts: Do the Bambi
artist: Stereo Total
length: 1:06
MP3 (1.07MB) | WMA
   
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  www.stereototal.de
offizielle Seite von Stereo Total

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