Brit-Bands sind wieder hip, hip as shit. Endlich. Ich persönlich hab ja irgendwann, als die Britpop-Ära so langsam ausgefadet war, eher US-Bands gehört oder irische oder skandinavische anstatt englische.
Brit-Pop 2006
Art Brut etwa brauch ich ja nicht wirklich. Den Südlondoner Brit-Punk mit dem harschen Akzent und den Songs in denen es etwa darum geht, wie es so ist, nur eine Bed-Sit-Wohnung mieten zu können, und wenn dann das Mädchen, das man mit zu sich nach Hause nimmt, dann da halt bloß ins abgefuckte Bed-Sit eingeladen wird...
Vielleicht bin ich ja einfach nicht (mehr) die Zielgruppe dieser Musik. Nein, ich glaub, das ist es nicht per se; solche Themen haben mich in der britischen Popmusik eigentlich nie interessiert. Warum in einer kleinen Welt voller kleiner und größerer Probleme verweilen wenn einem jemand von "Champagne Supernova" vorsingt. Das verdeutlicht den klitzekleinen, aber ausschlaggebenden Unterschied, zwischen einer Band wie Art Brut und was Oasis in ihrer besten Zeit machten.
Topboy
Die Infadels, die brauch ich schon. Da gibt es zwar auch so kleine britische Sozialstudien in ihren Songs, aber anders als bei Art Brut. Etwa den Song "Topboy", über das "Halbstarken"-Leben im Nordost-Londoner Stadtteil Hackney, wo die Infadels leben, und der einer der letzten Stadtteile nördlich der Themse in der britischen Hauptstadt ist, wo die "gentrification" noch nicht völlig Einzug gehalten hat, und wo ansonsten eher schwarze Musik am Puls der Zeit entsteht und dann gelegentlich in Richtung britische Musikpreise avanciert. Siehe etwa Miss Dynamite oder Dizzy Rascal.
The Wild Bunch
Die Infadels sind - vorgestellt von Richie Infadel, Keyboarder - folgende jungen Männer:
Bnann Infadel: He's our little shouty singer, the bald dude, he jumps around a lot, he's quite a lunatic.
Matty Infadel: On guitars, wearing a hat, again jumps around a lot like a lunatic, but also does a lot of the synth programming in the studio.
Wag Infadel: On bass, hails himself around the stage like Oliver Reed, like a drunk at a party, he's quite a big man.
Al Infidel: On drums, keeping the whole rhythm down and keeping the whole thing moving forward basically.
Großes Selbstbewusstsein
Die Infadels sind ein "wild bunch", eine Gruppe junger Männer, die sich vom klassischen Britpop a la Oasis das riesengroße Selbstbewusstsein abgeguckt haben, schließlich ist man aufgewachsen mitten im Taumel der Britpop-Zeit, großgeworden mit den Gallaghers, aber auch mit der Musik der Chemical Brothers und The Prodigy, was man in den Songs der Infadels auch durchhört. Nur das doofe Spiel mit dem - damals letztlich leider unübersehbaren - Brit-Nationalismus, das lassen sie - und auch die anderen neuen Bands aus UK - weg. Danke.
Man spielt auch wieder gern am europäischen Kontent und nicht ausschließlich in Großbritannien oder den USA.
title: Prime Cuts: We are not the Infadels artist: Infadels length: 1:09 MP3 (1.103MB) | WMA
Wall Of Sound
"We Are Not The Infadels", das Debut-Album der Infadels, ist beim bekannten und renommierten Londoner Platten-Label Wall Of Sound erschienen, einem Unternehmen, das bekannt ist für Sounds, die sich nach wie vor am besten zusammenfassen lassen unter "Dance" und "Electronica".
Die Infadels sind aber letztlich eine Rockband, oder nicht? Anfangs hat mich das auch kurz verwirrt, aber dann fielen mir Maximo Park ein, die auf Warp veröffentlichen, jenem Label in Sheffield, das etwa durch den Elektronik-Genius Aphex Twin bekannt wurde.
Richie Infadel hat die - möglicherweise sehr realistische - Antwort parat, warum diese Labels jetzt Rock'n'Roll Bands unter ihre Dächer nehmen: "Dance Musik verkauft sich in Großbritannien zur Zeit extrem schlecht. Die Zeiten, wo jemand wie Norman Cook als Fatboy Slim mit Dance-Musik fette Millionen gemacht hat, scheinen vorbei zu sein. Gut für uns, jetzt sind wir am Zug. ;-)"
I climb the mast, cos I know that I can win this blast
Richie Infadel strotzt nur so vor Enthusiasmus. Da braucht man ihm und den anderen Infadels gar nicht face to face gegenüberzustehen; eine Telefonleitung reicht, um die große Energie der Infadels zu spüren, aber auch die Freundlichkeit, ja Warmherzigkeit darf man durchaus sagen.
Genießt es, Boys, denn das ist eine Phase im Leben einer Band, die später niemals wiederholt werden kann, auch wenn ihr eine "long term career" haben solltet, was ich euch wirklich wünsche. Warum? Weil ein Song wie "Stories From The Bar" ein wunderbares Stück Musik ist - indie-rockig, psychedelisch, gute Beats, und dieser sich so wunderbar mantra-mäßig wiederholende Refrain "I dreamt I was a letter telling stories from the bar, sailing a canoe to where the wild things are."
Was für eine Textzeile. Großartig. The Great Escape.
Das ist bloß der Anfang. Rock on, guys, mit dieser Infadels-Sorte eklektischem mix'n'match Rock'n'Roll!
"We Are Not The Infadels" von den Infadels ist bei Wall Of Sound/Edel Records erschienen.