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Wien | 24.9.2003 | 17:42 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
Nach Oben!
  In den letzten Wochen, Monaten, Jahren wurde viel lamentiert im Staate HipHop. "Gute, alte Zeiten" Sprüche, die man sonst ja tendenziell eher von Menschen der Generation Schanigarten hört, waren plötzlich auch im Repertoire diverser Anfang-bis-Mitte-Zwanzig Kollegen zu finden. Die einen traten die Flucht in die Vergangenheit an und erfreuten sich erneut am HipHop-Sound des "golden age" Anfang der 90er Jahre oder gar an den funky Delights der Seventies. Die anderen fanden ihren Fix in Musik, die von HipHop-Roots ausgehend in die Zukunft blickt. Beide Fraktionen sind bei Ty genau richtig:
 

 
audio
 
title: Upwards
artist: Ty
length: 0:43
MP3 (516KB) | WMA
   
 
 
  Seit seinen ersten Aufnahmen mit IG Culture Mitte der 90er Jahre bewegt sich der britische MC mit nigerianischen Wurzeln immer konsequent leicht abseits der ausgetretenen HipHop-Pfade. Rechtzeitig zum markanten Datum 01.01.01 erschien sein Debut-Album 'Awkward' bei Ninjatune's HipHop-Abteilung Big Dada und verzauberte Kritiker wie offengeistige HipHop-Hörer gleichermaßen. Danach arbeitete Ty mit Tony Allen, dem legendären Drummer von Fela Kuti's Band Africa 70, zusammen und war auch auf dessen Tour mit von der Partie.
 
 
 
 
 
  Die Arbeit an 'Upwards' begann Ty dann mit dem fixen Vorsatz, diesmal auch die Musik selbst zu gestalten, damit alles genauso klingt, wie es soll. Tatsächlich hat er die Platte mit Hilfe von Produktionspartner Drew komplett in Eigenregie produziert, und das erweist sich als wahrer Glücksgriff. Soundmäßig scheint da immer wieder seine Faszination für alte Keyboards durch, die mehr als nur einer Nummer einen gewissen Stevie Wonder Touch verleihen. Und neben ziemlich straighten HipHop-Knallern wie 'Ha Ha' oder 'Oh U Want More?' finden sich da auch jede Menge anderer Rhythmen, von Funk ('The Willing' mit Tony Allen als Gast) bis Bossa Nova ('Inner Love'). Insgesamt entstand im Studio auf großteils digitale Weise eine Ansammlung höchst organischer Grooves.

 
 
 
 
  Und 'Upwards' geht es auch texlich, wo sich Ty am liebsten als Beobachter seiner Umgebung sieht. Im besten Fall, wie beim Abschlusstrack 'Music to fly to', drängen sich da Assoziationen zu großen Soul-Poeten wie Gil Scott-Heron auf. Wenn Ty Songs schreibt über die grassierende gun violence in Englands Städten oder über einen Sandkastenfreund, der Selbstmord beging, will er aber weniger kommentieren oder gar eingreifen, sondern vor allem zum Nachdenken anregen. Die Meinung sollen sich die Menschen vor der Stereoanlage selbst bilden.
 
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