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Wien | 14.1.2004 | 18:34 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
Zeitsprung mit Twang
  Vorsätze für 2004? Unter anderem: Mehr Text für dieses so genannte "Weblog", der nicht streng musikjournalistisch daherkommen, aber trotzdem weitgehend auf blogistisches Befindlichkeits-Blabla verzichten muss/soll/darf. Soviel zur Theorie.
 
 
 
Damals:
  Wir schreiben das Jahr 1996. Im elterlichen Haushalt nimmt ein Modem den Platz links neben dem Personalcomputer und transferiert dessen Benutzer fortan unter lauten Fiepgeräuschen virtuell an andere Orte. Obwohl das Internet vom Reisegefühl her natürlich wesentlich mondäner wirkt, haben die lokalen Mailboxen (BBSs) mit direkter Telefoneinwahl klare Vorteile, wenn es um lokale Kommunikation und den schnellen Download von Musik geht. MP3-Dateien in heute üblicher Qualität würden das zur Verfügung stehende Zeit- und Geldkontingent aber bei weitem überschreiten, deshalb fließen vor allem MODs durch die Leitung.

 
 
  Diese wesentlich kleineren Dateien beinhalten samplebasierte Musik, manchmal aktuellen Hits nachempfunden, oft aber auch eigenständig und interessant. Als absoluter Sureshot erweist sich bei regelmäßigen BBS-Streifzügen in der Wiener "Shoebox" das vom Engländer Simon Carless gegründete Netzlabel Mono. Aus dessen durchwegs wohlklingenden Veröffentlichungen, stilistisch meist irgendwo zwischen abstraktem HipHop und schnelleren Breakbeats angesiedelt, sticht ein Name besonders hervor: Mortimer Twang. Der unter dem Namen Lukas Nystrand geborene Schwede lässt auf nur vier Spuren dicke Drumbreaks, Jazzsounds und Stimmsamples aufeinander krachen, dass es eine wahre Freude ist. Es entzieht sich meiner Vorstellungskraft, warum dieses großartige Zeug nicht auch in der "echten" Musikwelt vorkommt.

 
 
Heute:
  Mono heißt mittlerweile mono/tonik, hat aus naheliegenden Gründen auf das MP3-Format umgesattelt und der musikalische Output ist in den letzten Jahren etwas elektronischer geworden. Mortimer Twang - momentan in Ljubljana wohnhaft - veröffentlicht seine MP3s und OGGs seit einigen Jahren auf dem eigenen Netzposten Ageema. Dort finden sich hinter exquisit minimalistischer Grafik (Mr. Twang ist auch Maler und Grafiker) immer wieder musikalische Rohdiamanten, wie etwa der Countrybridge Dub, wo C64er-Musik in bester Lee Perry Manier dekonstruiert wird, oder die an dieser Stelle schon einmal verlinkte Aurinko/Bittersweet EP.

 
 
 
 
  Und jetzt - besser gesagt schon Ende Oktober letzten Jahres - hat es Mortimer Twang nach langer Zeit doch noch zu seinem ersten Vinyl-Release geschafft. Das extra zu diesem Zweck gegründete niederländische Label Backseat Recordings veröffentlichte eine Mortimer 7" im ASCII Art-Design (und auch eine seines langjährigen Freundes und Kollegen Orlingo). Die auf 300 Stück limitierte Platte mit zwei alten MOD-Klassikern drauf (vorhören) kann nur via Website des Labels geordert werden. Das wird an dieser Stelle aber mit Nachdruck empfohlen. Wenn es nicht unbedingt Vinyl sein muss, dann reichen auch folgende Links für stunden- bis tagelangen Musikgenuss:

fm4 links
  .mod soul brother
Simon's Tribut an große Netz-Musiker, unter anderem mit dem kompletten Mortimer Twang Backkatalog in .MOD

Twang Thang
DJ Nova aus Slowenien mischt eine Stunde lang Twang-Classics zusammen
   
 
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