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Wien | 24.2.2004 | 18:38 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
Prime Cuts: So oder So
  Es war September letzten Jahres und ich war wie jedes Jahr wegen der Ars Electronica in Linz, als Flip mir im Kerker-Studio halbfertige Versionen von neuen Texta-Songs vorspielte. Ich kann mich noch ziemlich genau erinnern, wie mein Grinsen damals von Track zu Track breiter wurde. Denn was ich zu hören bekam, war eine massive Weiterentwicklung des ohnehin schon hohen Texta-Standards, die sich jetzt auch auf "So oder So" manifestiert.

 
audio
 
title: So oder so
artist: Texta
length: 0:47
WMA
   
 
 
  Musikalisch hat sich Flip endgültig vom Ideal des New Yorker Mit-90er Underground Beats verabschiedet und "modernere" Sounds einfliessen lassen, ohne es aber den platten "Wir-wollen-in-den-Club" Versuchen einiger deutschen Kollegen gleichzutun. Textlich haben Flip, Huckey, Laima und Skero die Kopflastigkeit des letzten Albums Blickwinkel zum Anlass genommen, es in punkto Konzepte diesmal etwas lockerer anzugehen. Und etwas Besseres konnte dieser Platte nicht passieren. Soulige Beats und Raps 'aus dem Bauch heraus' machen Songs wie "Nur die Liebe zählt" oder "Vermisst" aus. Dort gelingt, was bei Rap-Nummern sonst eher selten vorkommt: Es werden Gefühle transportiert.

 
 
  Die beiden Releaseparties machten mir schlagartig klar, wie lange Texta eigentlich schon unterwegs sind und so unter anderem auch mein Leben bereichern: Den Zugabeblock der fulminanten Shows eröffnete nämlich "3 Uhr 10", das mittlerweile gute zehn Jahre auf dem Buckel hat und schon damals die Jugendzimmeranlage rockte. Seitdem hat sich viel getan: fünf Maxis, drei EPs und vier LPs plus zugehörigen Instrumentalen weist die Texta-Diskographie aus. Zusätzlich wurde das Label Tonträger ins Leben gerufen und hunderte Konzerte gespielt. Der so genannte "große Durchbruch" blieb den fünf Linzern bisher allerdings verwehrt.

 Texta
 
 
  Die Chancen, daß sich das mit "So oder so" ändern kann, stehen nicht schlecht: Immerhin sind die 17 Songs darauf eingängig wie nie zuvor, ohne dabei oberflächlich zu werden. Außerdem gibt es mit Louie Austen, Blumentopf, Sektion Kuchikäschtli (Schweiz), OneIIMany (Kroatien) und den Linzer Markanten Handlungen auch eine durchaus illustre Gästeliste. Und das Video zu "So oder so" läuft als einer der ersten österreichischen Rap-Clips regelmäßig zumindest im heimischen Musikfernsehen. Aber auch wenn sich großer Ruhm, großes Geld und große Autos nicht sofort einstellen sollten: Texta werden weiterrocken. So oder so.

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