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Wien | 9.7.2005 | 18:55 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
Das Open Air Dilemma
  Was hatten wir uns nicht gefreut. Sechs Jahre nach ihrem ersten und bisher einzigen Wien-Gig würde Lauryn Hill, die unbestritten herausragendste Künstlerin zwischen HipHop und Soul, sich wieder einmal die Ehre geben. Dass ihr erstes Album schon eine Weile her war und die CD-gewordene Unplugged-Session nicht alle Wünsche erfüllen hatte können (Lauryn, wir wollen dich auch rappen hören!), all das war völlig egal. Selbst der, dem Sommerfestival-Gefühl wenig zuträgliche, Aggregatzustand Füsse-im-Gatsch-Kopf-in-der-Kälte wäre prinzipiell kein Problem gewesen. Gewisse andere Umstände waren es leider schon...
 
 
 
Lauryn und Band
 
 
  Als die Soul-Queen und ihr Orchester mit gehöriger Verspätung auf die Bühne kamen, war erst mal vier Songs lang nur Klangbrei zu hören. Isthaltso, bei Festivals gibt es ja keinen wirklichen Soundcheck und so viele verschiedene Klangquellen passen halt nicht von Natur aus zusammen. Aber die Freude über eine ziemlich energische Version von "Doo Wop" - inklusive Anleihen beim heimlichen 2005er Sommerhit "1 Thing" - und eine Coverversion von Schwiegerpapa Bob's "Iron Lion Zion" wurde dadurch entschieden gedämpft. Bei den zwischendurch dargebotenen ruhigen Lauryn-und-Gitarre Songs offenbarte sich gleich der nächste Nachteil von Festivals. Bei vielen Tausend Besuchern sind vor allem zu später Stunde jede Menge Schwätzer dabei, und ihre Stimmen waren zeitweise lauter als die, die da von der Bühne kam.
 
 
 
"Like a queen..."
 
 
  Mit Band klang das also entschieden besser, speziell als die Ballade "Sweetest Thing" dank zwei effektiver Breaks plötzlich zum Springen einlud. Und auch die alten Hits der (mittlerweile ja scheinbar reuniierten) Fugees bekamen in einem Medley neuen Glanz. Während dieser Phase schien die anfangs durch Soundprobleme leicht gehemmte Band etwas aufzutauen. Das Publikum hingegen, vom langen Rumstehen schon zäh, taute zu diesem Zeitpunkt (der Festivaltag war gute 14 Stunden alt) großteils schon wieder ab. So kam nie eine richtige Verbindung zustande, bis der große Schlager "Killing Me Softly" erklang und auch lautstark mitgesungen wurde. Kurz darauf wurde das Konzert von einem übermotivierten Bühnenmanager aber schon wieder beendet.
 
 
 
"...a queen upon her throne"
 
 
Wenn das Wörtchen wenn nicht wär...
  Das hätte eigentlich ein ziemlich gutes Konzert werden können. In einer Konzerthalle zum Beispiel, mit Soundcheck und ohne acht Vorgruppen. So endete der Abend leider etwas enttäuschend und es blieb nur die Hoffnung: Auf ein neues Lauryn Hill Album (vielversprechende Hörproben hatte es ja gegeben) und die dazugehörige Tour.
 
 
 
Lauryn Hill mit Gitarrist, den drei Ladies im Hintergrund und dem Mann am Kontrabass
 
 
P.S.
  Die Veranstalter weisen darauf hin, dass es am Tag vor dem Konzert einen Soundcheck gegeben hat, und dass das Konzert wegen behördlicher Vorschriften (Sperrstunde) beendet worden ist.
 
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