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Wien | 31.5.2006 | 16:34 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
Rauchpause
  Ich war ein toleranter Nichtraucher. Der erste Zug als Jung-Teenager hatte bei mir nicht zu jahrelanger Sucht, sondern nur zu kurzem Ekelgefühl geführt. Die Meinung meiner Geschmacksnerven war mir weit wichtiger als der mögliche Distinktionsgewinn durch lässiges Zigarettenhalten und -inhalieren im Pausenhof, also blieb dieser zaghafte Zug auch gleich wieder der letzte. Trotzdem waren Raucher meine Freunde und das nicht mal aus falsch verstandenem Mitleid ob ihrer budget- und gesundheitsschädlichen Angewohnheit. Ich saß neben ihnen am Arbeitstisch, in Clubs und Bars und kann mich nicht erinnern, dass mich der passiv eingeatmete Rauch jemals wirklich gestört hätte.
 
 
 
  Als ich letztes Jahr mit dem Initiator einer Anti-Rauch-Kampagne sprach, wehrte ich mich partout dagegen, öffentlich für ein Rauchverbot in Clubs einzutreten. In New York, so argumentierte ich, wo so ein Verbot ja schon eine Weile in Kraft war, hätte es das Nachtleben nachhaltig beschädigt. In der Kälte draußen rauchen zu müssen macht echt keinen Spaß, und deshalb würden die Leute dort jetzt einfach weniger ausgehen ...

Nun, ich habe mich geirrt. Die letzten drei Monate in New York waren eindrucksvoller Beweis dafür, dass dieses Rauchverbot in Clubs und Bars eigentlich niemandem schadet. Nichtraucher wie ich freuen sich über gute Luft beim Tanzen und guten Geruch danach. Und selbst die Zigaretten-Aficionadas und -dos haben sich wohl kurz über die vermeintliche Diskriminierung geärgert, fühlen sich in ihren kleinen Raucherhöfen (die meisten Locations haben da erstaunlicherweise Platz dafür gefunden) aber mittlerweile auch ganz wohl. Plus: Durch die fehlende Vorbildwirkung verbrauchen viele von ihnen jetzt weit weniger Zigaretten als zuvor, was bei horrenden Tabakwarenpreisen in der Stadt durchaus auch ökonomische Vorteile mit sich bringt.

 
 
Rauchverbot? Gerne doch.
  Vorgestern, als ich nach einem langen Abend mit vielen guten Gesprächen ein einschlägiges Café im Wiener Museumsquartier verließ, fiel es mir dann plötzlich wieder auf: Abgestandener Zigarettenrauch in Jacke, Pullover und Haaren. Und irgendwie fühlte ich mich an den Ekel erinnert, den diese allererste und -letzte Tschik im Park in Floridsdorf damals ausgelöst hatte. Ihr Raucher werdet mich jetzt bestimmt hassen, aber ich sage jetzt: Rauchverbot in Clubs und Bars? Gerne doch.

 
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