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Wien | 15.8.2006 | 15:43 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
Hell strahlende Beats
  Tote Musiker verkaufen gut. Eine Regel, die in allen Musikstilen gilt, aber sich im HipHop dank Black-on-Black-Crime leider besonders oft bewahrheiten darf. Pac und Biggie zum Beispiel müssen ob ihrer skrupellosen Posthumvermarktung ja mittlerweile schon auf 78 rpm im Diamantensarg (oder wo auch immer) rotieren. Bei anderen, wie Big L, bleibt eher der traurige Nachgeschmack darüber, dass sie ihren verdienten Erfolg nicht mehr miterleben konnten.
 
 
 
  In gewisser Weise ist es bei J Dilla auch so. Der Ausnahmeproduzent aus Detroit genoss zwar schon zu Lebzeiten höchste Anerkennung in eingeweihten HipHop- und Soulkreisen, der große Hype um seine Person ging aber erst nach seinem viel zu frühen Tod so richtig los. Andererseits wäre ihm die Aufmerksamkeit wahrscheinlich ohnehin auf die Nerven gegangen, denn der Drang zur Selbstdarstellung, wie ihn Producercelebrities wie Kanye oder Pharell kultivierten, fehlte James Yancey völlig. Am liebsten saß er mit frisch gediggten Platten vor der MPC und ersann immer neue Wege, den eigenen Innovationen noch eins draufzusetzen.

 
 
  Von den ausgefallenen Samples der 'Fantastic Vol. 1' Ära zu gefilterten Sounds und leicht hatschenden Drums aus der Zeit der 'Ummah', bis zum fast schon technoiden Sound von 'Welcome 2 Detroit', Frank N Dank oder M.E.D und dann zurück zum puren Schnipselsoul der 'Donuts' - Dilla war den meisten anderen Produzenten immer den einen entscheidenden Schritt voraus.


 
audio
 
title: The Shining
artist: J Dilla
length: 1:15
MP3 (1.213MB) | WMA
   
 
 
  Auf 'The Shining', dem ersten von zwei zum Zeitpunkt seines Todes bereits fast fertigen Alben, die jetzt erscheinen, kommen die verschiedenen Facetten des Jay Dee-Sounds zusammen und zeigen den Produzenten auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Treibende Synths und Vocoder bei 'E=MC2' oder herzzerreißende Soulversatzstücke bei 'Love' und 'Baby', dazu mit Guilty Simpson, Pharoahe Monch, Common und anderen (Raps), Dwele und D'Angelo (Gesang) und J.Rocc (Cuts) nur beste Gäste - 'The Shining' ist für Freunde von Seele und Rhythmus ein wahrgewordener Traum. Und wenn es sich Dilla am letzten Track 'Won't Do' nicht nehmen lässt, über klassische Isley Brothers Drums selbst zu rappen und singen, verflucht man jeden Tag, an dem dieser unglaublich talentierte Typ nicht noch mehr gute Musik machen konnte. Keep shining, Dilla Dog!

 
 
 
 
  Bonus Beat:

Im Studio mit Dilla
 
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