Wie schnell sich die Verhältnisse im Rap-Geschäft umdrehen können, wurde mir ziemlich früh und sehr anschaulich vor Augen geführt. Die Münchner Band Blumentopf hatte daran maßgeblichen Anteil. Irgendwie war ich im Sommer von '97 beim Europa-mit-dem-Zug-Durchqueren nämlich auf einem Acker-Openair im bayrischen Dorf mit dem einfallsreichen Namen Dorfen gelandet. Die fünf Töpfe traten dort - ein Jahr nach ihrer Debut-12" 'Abhängen' und ein Monat vor ihrem ersten Album - als Lokalhelden vor relativ wenig Leuten auf, Schönheitsfehler aus Wien hingegen waren die umjubelten Headliner. Im darauffolgenden Herbst, nachdem 'Kein Zufall' Freunde deutschsprachiger Rapmusik nachhaltig begeistert hatte, bot sich auf einem Acker bei Wien dann das genau gegengesetzte Bild.
Neun Jahre später sind Blumentopf immer noch Fixsterne im DeutschHipHop-Universum. Auch wenn sich um sie herum einiges verändert hat: Bierernste und pathosgeladene Kleinkriminellenphantasien scheinen momentan populärer als zurückgelehnte und selbstironische Reime übers Skaten, Computerspielen oder einfach nur Sein. Auch egal, denken sich die Töpfe, und präsentieren ihr Raptalent statt in der Sandkiste halt als ARD-Fußballkommentatoren.
Abgesehen von solcherlei Nebenjobs hält sich die Band vor allem mit ausführlichem Touren bei Laune. Nicht ganz überraschend bieten sie deshalb auch immer wieder ausgezeichnete Live-Erlebnisse. Dass auf der Tour zum neuen Album 'Musikmaschine' außerdem die Münchner Kollegen von Vier Zu Eins mitfahren, die mit 'Abenteuer Hoch Drei' ihrerseits einen der allerbesten deutschsprachigen Rap-Tonträger des laufenden Jahres abgeliefert haben, macht die zwei Österreich-Konzerte uneingeschränkt ans-Herz-legens-wert...