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Wien | 30.5.2002 | 14:55 
Netz vs. Musik, Digital vs. Analog, Breaks & Beats vs. Rhymes, Rap vs. Regierung, Me vs. the World.

HansWu, Reiser, Andreas

 
 
 
 
  "Die Lage war ernst. Wir wollten spielen. Wollten gelbe Scheiben durch Labyrinthe steuern, wo sie von Geistern verfolgt wurden und von Kirschohrringen übermächtige Kräfte verliehen bekamen. Raumgleiter über Planetenoberflächen schweben zu lassen, feindliche Kapseln abzuschießen, Menschen vom Boden aufzusammeln, war unser sehnlichster Wunsch. Asteroiden mußten zertrümmert, Prinzessinnen aus den Händen von Riesenaffen befreit, feindliche Panzer im Gelände abgeschossen werden. Das Universum brauchte uns, da war die Anschaffung eines kleinen Gerätes eine vergleichsweise geringe Ausgabe."
 
 
 
  So beginnt "Wir waren Space Invaders" und so wird gleich von Anfang an klar, worum es in den folgenden 180 Seiten gehen wird: Um eine zusammengefasste Geschichte der Tele-, Video- und Computerspiele mit sehr persönlichen Anmerkungen. Nicht umsonst erzählen große Teile des Buches aus der "wir"-Perspektive, offensichtlich haben Mathias Mertens und Tobias O. Meißner die "Computerkid"-Sozialisation zumindest seit dem C64 mitbekommen.
 
 
 
  "Heimcomputer retteten uns. Im Jahr 1982 veränderte sich die Lage in deutschen Kinder- und Jugendzimmern. Eine Spielkonsole war einfach eine Konsole für Spiele, nichts anderes. Ein Heimcomputer aber war ein Computer, ein Anschluß an das Informationszeitalter, ein Stück Zukunft in den eigenen vier Wänden. Etwas, was man sonst nur aus Science-Fiction-Filmen oder aus Berichten über Raketenkontrollzentren kannte. Wir Zwölfjährigen konnten also unsere Eltern unter Druck setzen, indem wir sie an ihre pädagogische Pflicht erinnerten, uns die bestmöglichen Startbedingungen ins Leben zu ermöglichen. In einer Welt, die unweigerlich von Maschinen beherrscht werden würde, war Computer-Know-how überlebensnotwendig."
 
 
 
  Ausgehend von "Tennis for Two", "Spacewar!" und "Pong" wird die Urgeschichte des digitalen Spielens beleuchtet. Natürlich gibt es dazu ausführlichere und tiefgehendere Lektüre, wie "The Ultimate History of Videogames" von Steven L. Kent, aber als Zusammenfassung liest sich das sehr gut. Außerdem heißt der Untertitel ja "Geschichten vom Computerspielen" und nicht "Geschichte". Und eben diese Geschichten bilden den Hauptteil des Buches: Wie ein Programmierer bei Epyx aus einem "Summer Games" Sportler den Helden von "Impossible Mission" bastelte, wie die Handelsvertreter von Nintendo dem ersten "Donkey Kong" Automaten einen bösen Flop vorraussagten oder wie "Tetris"-Erfinder Alexej Pajitnov für den weltweiten Erfolg seines Spieles nicht mehr als einen IBM-Rechner bekam. All das und noch ein bißchen mehr, sehr interessant geschrieben, das ist "Wir waren Space Invaders". Da bekommt man doch glatt Lust, den C64 Emulator hervorzukramen und all die beschriebenen Spiele nochmal Revue passieren zu lassen...

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