Es gab bisher in Forum unter jeder dieser Geschichten zu den TV-Konfrontationen die Anmerkung, dass man das so nicht sagen könnte, aber ich bleibe schon dabei: Die face to face TV-Konfrontationen der Spitzenkandidaten gelten gemeinhin als Wahlentscheidend. Daran ändert es auch nichts, dass man in aller Regel schon zu Beginn mit einer vorgefassten Meinung und einer gewissen Präferenz zu schauen beginnt.
Darüber wollte ich eigentlich noch mal eine längere Geschichte schreiben, vielleicht komm ich auch die Tage noch dazu, inzwischen aber zwei Dinge:
Zum einen: Auch wenn man nicht die Seite wechselt, so entscheidet der Grad an "Wie super finde ich meinen Kandidaten" schon darüber, wie sehr sich die eigene Anhängerschaft mobilisieren lässt. Dass man viele Menschen ideologisch hinter sich stehen hat bringt nämlich nichts, wenn die dann nicht zur Wahl gehen.
Und dann: Wahlentscheidend sind die wenigen Prozentpunkte, die am Ende darüber entscheiden, ob sich eine Koalition ausgeht. Beziehungsweise, ob die X Stimmen am Ende über oder unter der 4%-Hürde liegen.
Natürlich steht es vor einer TV-Konfrontation nicht Null zu Null, sondern, wie heute abend, 17 bis 20 zu 25 bis 28. Man muss aber nicht die Spitze der anderen Partei von der eigenen Position überzeugen, sondern nur einen Teil deren WählerInnen. Oder es zumindest schaffen, einige Unentschlossene davon abzuhalten, sich für den Gegner zu entscheiden. Und soviel können solche Fernsehkonfrontationen allemal.
Ingrid Thurnher moderiert alle zehn TV-Konfrontationen.
Wilhelm Molterer vs. Heinz-Christian Strache
Geht es nach den aktuellen Umfragen, dann wird die FPÖ als große Gewinnerin aus der kommenden Wahl hervorgehen. Meinungsforscher sehen sie nicht nur den dritten Platz zurückgewinnen, sondern räumen ihr durchaus Chancen ein, die symbolkräftige 20%-Marke zu überspringen. Bei der Wahl 2002 war man ja von 27% auf knapp über 10% abgestürzt, bei der letzten Wahl 2006 erreichte man etwas über 11%.
Dementsprechend stolz zeigt sich Heinz-Christian Strache auf die Kampagnen der letzten Jahre, die nicht nur für Schlagzeilen, sondern auch für Stimmen sorgten. Auf seiner Website präsentiert man dann auch nicht nur die aktuelle Kampagne, sondern die der letzten Jahre gleich mit. Und den Parteiobmann in loser Anlehnung an einen verstorbenen kubanischen Politiker als "H Che", Mütze und Stern inklusive.
Der Spitzenkandidat der ÖVP startete da bescheidener in den Wahlkampf. Die erste Tranche der Wahlplakate musste ganz ohne Wilhelm Molterer auskommen. Inzwischen gibt es - nach einigen Diskussionen - doch auch Plakate mit dem Vizekanzler.
Wilhelm Molterer (ÖVP) trifft auf Heinz-Christian Strache (FPÖ)
Differenzen und Gemeinsamkeiten
Die FPÖ setzt konsequent auf ihr Erfolgsrezept der 90er-Jahre und damit auf die Themen Zuwanderung und innere Sicherheit und darauf, gegen die Regierung zu sein.
Eine gänzlich andere Ausgangslage ergibt sich im Wahlkampf für die ÖVP. Seit 1986 ist sie durchgehend als Koalitionspartner an der Regierung beteiligt und damit im Moment dienstälteste Regierungspartei. Eine Position, die eigentlich eher danach drängt, Erreichtes zu betonen. Trotzdem entschied man sich für den Slogan "Es reicht."
Die Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen im Jahr 2000 war ein Tabubruch durch die ÖVP, und der Anfang vom Ende der damaligen FPÖ, die sich erst langsam von den darauffolgenden Verlusten erholt. Eine neuerliche Zusammenarbeit gilt vor allem aufgrund dieser Erfahrungen als eher unwahrscheinlich. Vor allem die FPÖ nimmt in ihrem Wahlkampf keine Rücksicht auf die emotionalen Befindlichkeiten ihrer Gegner.
Dabei käme ihr die Volkspartei in freiheitlichen Kernthemen sogar entgegen. "Ohne Deutschkurs keine Zuwanderung" oder "Volle Härte bei Kindesmissbrauch" sind Slogans, die sich durchaus bei beiden Parteien finden könnten.
Wechselwirkungen
Vor allem bei der Wahl im Jahr 2002 wechselten viele WählerInnen von der alten FPÖ zur ÖVP. Dass deren Wiedererstarken nun in erheblichen Umfang zu Lasten des ehemaligen Koalitionspartners gehen könnte ist naheliegend. Die ÖVP muss also versuchen, möglichst viele jener Stimmen zu halten, die sie von den rechten Parteien die letzten Jahre über abgezogen hat. Das Potential an Stimmen, das sich zwischen den beiden Parteien austauschen könnte, ist jedenfalls beachtlich.
Im Moment sehen verschiedene Umfragen die ÖVP bei 25-28%, und damit nicht nur deutlich hinter ihrem Ergebnis von 2006, sondern bei den meisten Instituten auch erneut nur auf Platz 2. Für die FPÖ prognostizieren die MeinungsforscherInnen starke Gewinne und sehen sie im Moment mit 17-20% die Grünen vom dritten Platz verdrängen.
TV-Konfrontationen zur Nationalratswahl
Wilhelm Molterer (ÖVP) trifft auf Heinz-Christian Strache (FPÖ) Dienstag, 2. September
ab 21:05 Uhr in ORF 2
Stream
Während der Sendung wird es einen Live-Stream geben.
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