Vor genau 20 Jahren, 1988, hat die WHO den 1. Dezember zum Welt-AIDS-Tag erklärt. Weltweit gab es zu diesem Zeitpunkt etwa 130.000 gemeldete Aids-Erkrankungen.
Heute leben etwa 33.000.000 Menschen weltweit mit dem HI-Virus. Die Hälfte davon sind Frauen. Und über 25 Millionen leben in der südlichen Hälfte Afrikas.
Gibt's was zu feiern?
Weltweit hat die Krankheit ihr Randgruppen-Image längst abgelegt. In den westlichen Industriestaaten hält sich die Mär von der Schwulen- und Junkie-Krankheit allerdings immer noch hartnäckig.
Das lässt sich zwar statistisch gesehen tatsächlich mit einem (in Österreich beispielsweise immer noch) überdurchschnittlich hohen Anteil an den Neuinfektionen argumentieren, trägt aber zum einen immer noch zur gesellschaftlichen Stigmatisierung ganzer Bevölkerungsgruppen bei und wiegt zum anderen heterosexuelle, nicht-drogensüchtige in eine völlig unangebrachte Sicherheit, die Krankheit und das Risiko sich anzustecken würde sie nicht betreffen. Dabei hängt dieses Risiko in keiner Weise von der Zugehörigkeit zu irgendeiner Gruppe ab, sondern einzig und allein vom persönlichen Verhalten.
Die österreichische Aids-Hilfe geht von hierzulande täglich 1-2 Neuinfektionen aus. Die Hälfte davon durch ungeschützten Geschlechtsverkehr unter Heterosexuellen. Tendenz hier: steigend.
Einsatzschwerpunkt: Afrika
Trotz insgesamt seit einigen Jahren wieder recht deutlich steigender Zahlen an Neuinfektionen im Westen Europas und in Nordamerika: Der weltweite Schwerpunkt im Kampf gegen die nach wie vor unheilbare Immunschwächekrankheit liegt in den am schwersten betroffenen Gebieten Afrikas und Lateinamerikas.
An der Entwicklung der Krankheit dort zeigt sich, womit die Verbreitung von HIV bekämpft werden kann: Medizinische Versorgung und intensive Aufklärung. Wo es nicht einmal leistbare HIV-Tests gibt (von modernen Kombi-Therapien gar nicht zureden) und Sexual-Aufklärung grundsätzlich (aus religiösen oder sonstigen gesellschaftlichen Gründen) nicht stattfindet, gestaltet sich der Kampf gegen Aids sehr schwierig.
Das haben immer noch nicht alle, aber inzwischen doch einige Staats- und Religionswürdenträger eingesehen. Und seit einige große Pharmakonzerne den Kampf um ihre Patentrechte verloren haben und es möglich ist, auch in vergleichsweise armen Ländern relativ kostengünstige Kombi-Therapien durchzuführen, können diese erstmals leicht sinkende Zahlen an Neuinfektionen melden.
"Number of people receiving antiretroviral drugs in low- and middleincome
countries, 2002−2007"
"The global epidemic is stabilizing but at an unacceptably high level."
Was die epidemische Verbreitung von HIV betrifft, könnte Afrika tatsächlich über den Berg, oder zumindest sehr nah am Gipfel sein. "The global epidemic is stabilizing but at an unacceptably high level", heißt es, verhalten zuversichtich, im aktuellen "Report on the global AIDS epidemic" von UNAIDS vom Juli 2008.
Auf dem Weg dorthin wurden allerdings Millionen Menschen Opfer von auf Patente pochenden Pharmafirmen, an krude Theorien glaubenden Staats-Chefs und von Religionen, die Sexualaufklärung und/oder den Gebrauch von Kondomen auch zum Schutz vor einer HIV-Infektion ablehnen.
In diesem Sinne hat "der Westen" vieles richtig gemacht. Zum Startvorteil großteils funktionierender und auch finanzkräftiger Gesundheitssysteme kamen schon früh sehr massive Aufklärungskampagnen. Wohlgemerkt auch hier nicht gleich von staatlicher Seite, sondern in erster Linie von schon Anfang der 80er Jahre aus Homosexuellen-Gruppen heraus entstandenen AIDS-Hilfe-Einrichtungen.
Über die aktuelle Präventions-Arbeit in Österreich und die Situation HIV-Infizierter Menschen hierzulande werden wir mit dem Obmann der AIDS-Hilfe Wien, Dennis Beck, sprechen, der heute Studiogast in der FM4 Homebase (19-22 Uhr) ist.