Die FM4-Bücherei ist keine herkömmliche Bücherei, in der man Bücher ausleiht, sondern eine, in der Bücher vorgestellt werden.
Der oder die Besucherin der FM4 Bücherei stellt seine bzw. ihre drei Lieblingsbücher vor, bzw. Bücher, die man durchaus dringend lesen sollte.
Tex Rubinowitz
Als erster Besucher der FM4-Bücherei empfiehlt Tex Rubinowitz seine drei Lieblingsbücher. Nicht nur eine Premiere für die FM4-Bücherei, sondern auch für den Zeichner, Musiker und Autor Tex Rubinowitz (und an der riesenmaschine werkelt er auch). Denn dies ist die erste Bücherei, die er betritt und in der er Mitglied wird.
'Die Vollidioten' - Eckhard Henscheid
"Ein Buch, das in Österreich nicht so bekannt ist, in Deutschland auch nur in bestimmten Kreisen - dort aber kultisch verehrt wird.
Es geht um eine Woche, die ein Mensch in Frankfurt herumirrt und auf lauter Idioten trifft.
Das Buch ist eine Persiflage auf Dostojewskis 'Der Idiot', wo Leute aneinander vorbei reden. (...)
Der Hauptakteur fühlt sich als Zentrum dieser ganzen Irren, ist es aber überhaupt nicht. Er ist total am Rand. (...)
Das ist wahnsinnig komisch, weil er versucht diesen Kosmos von Irren in dieser einen Woche zu verstehen.
Es ist auch sehr komisch, weil die komplett aneinander vorbei reden und komische Jobs haben und eigentlich nur saufen und labern, so wie man das eigentlich kennt."
Henscheid, Eckhard: Die Vollidioten.
Zweitausendeins, Frankfurt 1978
'Mysterien' - Knut Hamsun
"Eines meiner liebsten Bücher ist Mysterien.
Das ist ein komisches Buch, aber anders komisch, düster - eher wie Kafka. Da gibt es einen Mann, Johann Niels Nagel, der sehr exzentrisch gekleidet war zu der Zeit - mit einer kanariengelbe Weste. Der geht in eine Kleinstadt in Norwegen. Kein Mensch kennt ihn. Dieser Mann sorgt in diesem Ort für sehr große Verwirrung. (...)
Er checkt in einem Hotel ein und hat als Gepäck nur einen Geigenkoffer. Dann reist er sofort wieder ab. (...)
Er kommt dann wieder und erhält zwei oder drei Telegramme, was damals auch sehr ungewöhnlich ist. Es stellt sich heraus, dass er sich selbst diese Telegramme geschickt hat, damit er ein Entree hat in diesem Ort (...)
Er ist ein Wichtigtuer und ein Großmaul (...)
Das ist wahnsinnig komisch. Das ist seine Taktik, um diesen Ort zu verwirren. Er versucht, die Gesellschaft dort zu destabilisieren. (...)
Das ist auch wahnsinnig spannend. Eher ein psychologischer Roman zu einer Zeit, wo diese noch nicht so en Vogue waren, also Freud noch lange nicht da war."
"John Waters ist ein Regisseur, der ganz trashige Filme gemacht hat mit Divine.
'Abartig' ist eine sehr schöne Sammlung von Aufsätzen, aber auch so allgemeine Lebensratgebertext - die 101 Dinge, die er hasst und die 101 Dinge, die er liebt.
Ein sehr spezieller und subjektiver Blick, was gut und was schlecht ist. John Waters hat einfach einen guten Geschmack, also er hat zwar einen schlechten Geschmack und die Gesellschaft sagt auch, dass er einen schlechten hat, aber es ist wirklich ein guter Geschmack. Er ist ein Dandy und liebt beispielsweise keine Äpfel - die findet er primitiv. Es steht völlig außer Frage, dass der Apfel eine gute Frucht ist, aber es ist keine Dandyfrucht. (...)
Es ist eine Erzählung über das, was er liebt. In diesem Kosmos, in diesen 101 Dingen ihn zu finden, das ist ganz schön. Und auf der anderen Seite sind eben die 101 Dinge, die er hasst."
Waters, John: Abartig. Meine Obsessionen.
Ullstein TB-Verlag, Berlin 1991
(nicht mehr lieferbar - vergriffen)
als Magazin bestellbar
Im Original als Paperback:
Waters John: Crackpot: The Obsessions of John Waters. Scribner 2003
Die FM4 Bücherei ist alle fünf bis sechs Wochen am Sonntagnachmittag geöffnet.
So ist das bei lockeren Öffnungszeiten ...
Die FM4-Bücherei Zu den bisherigen Besucherinnen und Besuchern zählen Sibylle Berg, Francoise Cactus, Arno Geiger, Christian Kracht, Kathrin Passig, Sven Regener, Christiane Rösinger, Tex Rubinwitz, Rocko Schamoni, Funny van Dannen und Franz Adrian Wenzl.