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Wien | 12.3.2006 | 09:37 
Gestalten und Gestaltung. Büchereien und andere Sammelsurien.

Pamela, BorisJordan, Zachbauer

 
 
Tilman Rammstedt - "Wir bleiben in der Nähe"
 

"Man zweifelt immer öfter, ob man sich für das Leben, das man führt, auch wirklich entschieden hat."
 
 
 
Dreams
  Katharina, Felix und Konrad. Alle Mittdreißiger. Ein enges Dreiergespann, das sich irgendwann aus den Augen verloren hat. Sowohl Konrad als auch Felix waren einmal mit Katharina zusammen. Dummerweise gleichzeitig. Ein Brief - Katharina heiratet. Das geht nicht, das war anders abgemacht, das darf nicht sein. Es folgt eine kuriose Entführung ans Meer.
 
 
 
Never
  Bloß nicht festlegen.
Bloß keine Entscheidungen treffen.
Bloß nicht Erwachsen werden.
Deswegen tingelt man im Konjunktiv dahin. Versucht immer wieder auf einen Punkt zu kommen, um dennoch jedes Mal daran vorbeizureden. Überlegt sich massig Alternativen, für das derzeitige Leben, die derzeitige Situation. Vom Retten des Regenwaldes zum Gründen eines Jazztrios, vom Eröffnen einer Eisdiele zum Eintritt in ein buddhistisches Kloster, von Versuchen in der neuen romantischen Malerei zu einem Leben in der Ukraine.
"Wir könnten uns einem Wanderzirkus anschließen, Elefanten füttern, Pferde striegeln, aus Kanonen geschossen werden. Wir könnten auf hohem Niveau scheitern."

 
 
End
  Gescheitert sind sie alle drei irgendwie. Zumindest in ihrer Beziehung. Aber noch auf anderen Ebenen, wie sich in dem Haus an der französischen Küste herausstellt.

"Ich wollte nicht, dass es so schnell schon zu Ende war, es hatte doch noch nicht einmal begonnen, es war noch nicht einmal losgegangen, so war das nicht geplant gewesen. Geplant war gewesen, endlich einmal ein wenig Zeit zu haben, ein wenig Ruhe, in der man sich über Dinge klar werden könnte, eine Ausnahmesituation war geplant gewesen, aber die schien uns gerade aus den Händen zu gleiten, und ich wusste nicht, wie sie festzuhalten wäre."

 "Man möchte Rammstedt ständig zitieren." Frankfurter Rundschau
 
 
Want Need
  Tilman Rammstedt erklärt im Interview ein häufiges Problem von Beziehungen: der Unterschied zwischen Want und Need: "Dass man denkt etwas zu wollen, obwohl man eigentlich etwas anderes braucht."
Tja, und da sitzt sie, die Generation von Mittzwanzigern und -dreißigern, die weder weiß was sie will, noch was sie braucht. Bleibt als Ausweg immerhin, wehmütig der Jugend und deren Träume nachzuhängen.
Das kann Tilman Rammstedt auf teilweise witzige und leichte Art. Diverse Gesprächssituationen, diverse Begebenheiten kennt man. Tilman Rammstedt könnte einer aus unserem Freundeskreis sein.
 
 
 
eins, zwei, drei
  "Funktionierende Zweierbeziehungen sind ja im Leben ganz schön, aber für die Literatur langweilig," erklärt Tilman Rammstedt im Interview. In seinem Debüt - Erledigungen vor der Feier - gab es Zweierbeziehungen, die nicht funktioniert haben. In seinem zweiten Buch kommt eine Person hinzu, was nicht heißt, dass das jetzt funktionieren sollte.
Allerdings darf man bei einer Dreierbeziehung jetzt nicht an eine sexuelle Beziehung denken. Es geht um enge Freundschaften zwischen drei Menschen.

"Drei sind eine Gruppe. Und Drei hat einen schlechten Ruf als Beziehung. Nicht nur, weil es irgendwie anrüchig klingt, man denkt immer, dass einer das fünfte Rad am Wagen sei - um noch eine Zahl einzubringen."
Er habe aber im Alltag gute Erfahrungen mit einer Dreiergruppe gemacht, ein Dreieck sei stabil und deswegen halte er ein Plädoyer für Dreiergruppen.
In diesem Sinne.

 Tilman Rammstedt 1975 in Bielefeld geboren, lebt in Berlin, Mitglied von Fön
(Foto: DuMont Literatur und Kunst Verlag)
 
 
  Rammstedt, Tilman: Wir bleiben in der Nähe. DuMont Verlag, Köln 2005.
 
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