Nicolas Mahler ist Zeichner. Nicht Comiczeichner, Witzzeichner oder Illustrator, sondern eindeutig Zeichner. Seit fast 15 Jahren zeichnet der Wiener. 1998 hat er im Eigenverlag zu publizieren begonnen, was überhaupt nicht funktioniert habe.
Ein Jahr später ist sein zweites Buch "Lone Racer" beim französischen Verlag l'assocation, dem Verlag für unabhängige Comics schlechthin, erschienen. Seither hat er 25 Bücher publiziert und ist in der internationalen unabhängigen Comicszene ein bekannter Mann. Obwohl Österreich dort eine kleine Rolle spielt ...
Begonnen hat alles vor über 20 Jahren ...
Vor über 20 Jahren ...
Mit 7 entwickelte ich eine Vorliebe fürs Häkeln, Sticken und Schneidern ...
Gerne entwarf ich Kostüme für meine Stoffpuppen, und schneiderte diese auch selbst ... (eine Nummer zu groß ...)
Ein Plastiksack mit alten Stoff-fetzen und ein paar Knöpfe waren das schönste Geschenk ...
Doch die Umwelt reagierte verstört auf meine Interessen ... (Ob der vom andern Ufer ist?)
Alles deutete auf eine zukünftige Karriere als Modeschöpfer hin.
Welcher Teufel mich dann doch in die faden Arme der Humorzeichnung trieb ... ich weiss es nicht.
(Apotheker ist auch ein schöner Beruf)
Das Frühwerk liess den späteren Meisterzeichner nur schwer erahnen.
Und auhc meine ersten Bilderzählungen aus dem wahren Leben fanden noch kein begeistertes Publikum. (meine Volksschullehrerin)
Wie folgendes Originaldokument aus Eindringlichste belegt.
Unklar ist, ob die Lehrerin mit bewirkt hat, dass Nicolas Mahler weder Kunst noch Grafik studiert hat. Die Aufnahmeprüfungen hat er versucht, wie man in den Bewerbungsgeprächen in "Kunsttheorie vs. Frau Goldgruber" nachlesen kann.
G. Damisch, Akademie für bildene Kunst:
"Das sind interessante Zeichnungen ... nur arbeiten Sie ja doch eher in einem Genre ... nun, Sie verwenden ja ... erzählende Bildfolgen ..."
"Sie können ruhig Comic sagen."
"Ich wollte sie nicht beleidigen."
"Kunsttheorie vs. Frau Goldgruber"
Als Comiczeichner sitzt man in Österreich unweigerlich zwischen den Stühlen, man bekommt weder Förderungen für Kunst, noch für Literatur.
Damit Nicolas Mahler einen bestimmten Steuersatz bekommen konnte, musste seine zuständige Finanzamtsbetreuerin Fr. Goldgruber darüber entscheiden, ob seine Comics Kunst seien.
Meine Sachen schaun aber schon irgendwie anders aus ... Ich war ja auch bei so einer Kommission, die mich als Künsler eingestuft hat ... Ist auch schon Jahre her ...
Was war denn das für eine Kommission?
Keine Ahnung. In der Wiedener Hauptstrasse war das ...
Ahja, das war dann die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft ... das hat ja mit uns nix zu tun.
Ah dann haben Sie eine eigene Kommission?
Nein.
Aber wer entscheidet das dann?
Na ...
... mir.
Soviel vorweg - die gute Frau hat richtig entschieden. Nachdem das Buch erschienen ist, hat Nicolas Mahler ein Jahr später Fr. Goldgruber erzählt, dass er sie gezeichnet habe. Mit Grabesstimme habe sie geantwortet "Ich weiß." Ein Buch von ihm wollte sie dann aber doch nicht.
Kratochvil
Für die FAZ hat Nicolas Mahler die Serie von Kratochvil gezeichnet. Ein Mann ohne besondere Eigenschaften, ein Mitläufer, ein typischer Held in Mahlers Geschichten. Er zeichnet vorwiegend Autorencomics. Alltagsgeschichten. Weder mutige Helden noch großbusige Frauen, weder Phantasygeschichten noch waghalsige Abenteuer.
Vielmehr einsame, eigenschaftslose Verlierer. Absurde Situationen, groteske Dialoge. Intimer Alltag.
Kratochvil machte auch als Mitglied der Hell's Angels eine gute Figur.
Hier hatte er eine Art Ersatzfamile gefunden, in die er voll integriert war.
Besonders begeistern konnte er sich für die Angels-Benefiz-Auktionen. (Hell's Angels - because we care)
Die Angels wiederum waren froh, in Kratochvil endlich einen gewissenhaften Buchhalter gefunden zu haben. (Bickerboots, Helm ... Messer ... kann man alles abschreiben.)
Flaschko und die anderen
Der Mann mit der Heizdecke. Ein Strip, der auf wenige Dinge reduziert ist: Der Mann, seine Mutter, ein Fernseher.
Flaschko ist von Nicolas Mahler verfilmt worden.
Es gäbe noch viele Charaktere, Situationen und Geschichten aufzuzählen. Dafür reichen weder Platz noch Zeit.
Jedenfalls kann man sich bei Bedarf ja im Mahlermuseum umschaun.
Oder beispielsweise nachlesen: "Flaschko, der Mann mit der Heizdecke" Edition Moderne, Zürich 2002
"Kunsttheorie versus Frau Goldgruber" Edition Selene, Wien 2003.
"Kratochvil" Edition Selene, Wien 2004.
"Das Unbehagen". Edition Moderne, Zürich 2005