fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 25.2.2008 | 18:15 
Gestalten und Gestaltung. Büchereien und andere Sammelsurien.

Pamela, BorisJordan, Zachbauer

 
 
Free Magenta
  Wenn Konzerne eine Farbe für sich beanspruchen und damit eindeutig einen Schritt zu weit gehen.
 
 
 
  Großartige Idee. Da sitzen sie also, die wenigen Damen und vielen Herren der Marketing- und Werbeabteilung und nicken sich gegenseitig erfolgssicher zu. Ganz großartige Idee. Damit wird die Konkurrenz blass aussehen. Ganz, ganz großartige Idee. Wir kaufen die, wir lassen sie einfach registrieren. Die Farbe soll uns gehören. Und wer dennoch Magenta in seinem Logo oder sonstwo verwendet, kann von uns aber sowas von abgemahnt werden.
Eine derartige Idee, die muss man doch wirklich erstmal haben, da ist das Einfärben von allen "T"s in den Titelblättern diverser Tageszeitungen ein Lärcherlschaß dagegen.

 
 
Alle Bilder außer das dritte rechts von www.freemagenta.nl
 
 
  Den Großbuchstaben "T" und "die Farbe Magenta (RAL-4010) als Farbmarke für Waren und Dienstleistungen aus dem Bereich der Telekommunikation unter der Registernummer 39552630.2" (Wikipedia) hat sich die Deutsche Telekom europaweit registrieren lassen. Der "Bereich Telekommunikation" ist im übrigen sehr weit interpretierbar.

 
 
  Dies alles ist bereits vor einigen Jahren passiert. Seither haben etliche Unternehmen und Betriebe ihre Logos und/oder Werbemittel umfärben müssen - an Absurdität kaum zu überbieten jene gegenüber dem kleinen Online Buchverlag My favourite Book. Die haben es tatsächlich gewagt, in einer ihrer Anzeigen, Magenta zu verwenden, aus Kostengründen, aber das nur nebenbei. Die Deutsche Telekom hat den kleinen Verlag - eine Frau und drei Männer, einer davon Bernd Kreuz - geklagt. Ganz klar eine direkte Konkurrenz - schließlich vertreibt die Deutsche Telekom auch ein Buch - das Telefonbuch ...

Sie hätten zwar das Verfahren gewonnen, schreibt Bernd Kreuz auf Reklamehimmel, die Telekom hat jedoch die Klage zurückgezogen, wodurch die Kosten von den jeweiligen Parteien selbst getragen werden mussten. "Das Vergnügen, von der Deutschen Telekom zwar verklagt, gleichzeitig aber von derselben Deutschen Telekom durch einen prozeduralen Winkelzug daran gehindert zu werden, unser Recht zu bekommen, hat uns die Kleinigkeit von 58.241,28 Euro (in Worten: achtundfünfzigtausendzweihunderteinundvierzig) gekostet, Zeitaufwand nicht mitgerechnet. Aber wie sagte schon die Werbe-Legende Bill Bernbach so treffend? Eine Haltung, die nichts kostet, ist keine." (Anmerkung am Rande - Bernd Kreuz hatte die Werbeidee des "gelben Stroms" und ist Autor von "Also ich glaube, Strom ist gelb.", erschienen bei Hatje Cantz.)

 potentielles corpus delicti
 
 
 
 
  Da sie ein Kleinverlag waren, haben sie ihre Erfahrungen mit der Deutschen Telekom und diverse Postings von aufgebrachten Usern auch gleich veröffentlicht "Deutschland lacht über die Telekom". Diese Realsatire zum gratis download.
 
 
 
 
 
Free Magenta
  Mittlerweile hat die Deutsche Telekom auch in den Niederlanden bei einigen Agenturen unsanft angeklopft und abgemahnt, was den Niederländern gar nicht gefällt. Auf zwei Webseiten kann man seinen Protest kundtun und auch aktiv mitmachen: Reclaim Magenta und Free Magenta, betrieben von der Agentur Lava. Über 200.000 User haben diese Seite in kürzester Zeit besucht und nach wie vor kann man Protestarbeiten an Lava schicken - u.a. arbeitet dort eine freundliche Wienerin, Sprachprobleme sind also kein Hindernis. Etliche dieser Arbeiten sind in einem Buch zusammengefasst worden - seit heute kann man "Magenta the book" bestellen.
 
 
 
 
 
Anmerkung
  Was die einen können, können die anderen erst recht - ein strahlendes Rot (HSK 13) hat sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) schützen lassen. Was für die österreichische Oberbank etwas blöd ist, denn die Filialen in Bayern sollten jetzt bitte die Farbe wechseln. Am liebsten zackig, aber man geht schon mal davon aus, dass es ein langjähriger Rechtsstreit wird.
Immerhin musste eine andere Bank ihre Bankomaten umfärben und eine andere den Hintergrund ihres Werbespots ändern, wie das Finanzblog24.net berichtet.
Grün ist auch nicht viel besser - die Farben Pantone 368 und 362 gehören allein der Dresdner Bank.
Und die lila Kuh erzählt eine ähnliche Geschichte.

Mehr dazu am Montag Abend im Kulturmontag auf
ORF 2 ab 22:30 Uhr.
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick