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Wien | 17.4.2008 | 18:58 
Gestalten und Gestaltung. Büchereien und andere Sammelsurien.

Pamela, BorisJordan, Zachbauer

 
 
Perpetuum
 

Was den österreichischen Comic ausmacht, fragt mich M., während er mir "Perpetuum" aus der Hand nimmt. Kurz zuvor habe ich ihm vorgeschwärmt, dass es nun endlich eine Österreichische Comicanthologie gäbe: nur gegenwärtige Comicschaffende, die allesamt in Wien leben - zugezogene - von Vorarlberg bis Burgendland. Die üblichen Verdächtigen aus den Gruppen um das "Kabinett für Wort und Bild", Murmel oder Mixer Comics neben mir unbekannten Namen. Und obwohl so bunt durchmischt, durchaus sehr interessante Menschen und Arbeiten mit dabei.
 
 
aus Rough Maid (Nina Dietrich / Markus Mickl) / ilustration.at
 
 
aus: ich, das sind die anderen (Nicolaus Mahler) / mahlermuseum.at
 
 
  Autobiographisches neben außergalaktischen Erotikphantasie, subtile Alltagskomik neben feministischen Cowgirls, philosophierende Steine neben einem fiesen Tod, der Hausbesuche macht. Hier witzige Kurzgeschichten, da beinharte Realität mit Themen wie Isolation und Magersucht oder Kindesmissbrauch. Hier eine Diplomarbeit, da ein Tagebuch und zwischendurch erkennt man Auftragsarbeiten. Hier große Malereien, da kleine Kritzeleien.
Die Themen, Figuren und Geschichten sind so unterschiedlich wie die Erzählstile und die Techniken.
Das einzige, was alle Comicschaffenden verbindet ist ihr derzeitiger Wohnort - eben Wien und ihr Bekanntsein mit Hannes Schaidreiter, ebenfalls Comiczeichner, der "Perpetuum" herausgegeben hat. Das sind nicht per se zwei Qualitätskriterien und ich hatte auch meine Vorbehalte - wie meistens bei Anthologien. Zu unrecht, von den meisten Zeichnerinnen und Zeichnern würde ich gern mehr lesen.
 
 
 
aus: Space Love 1-6 (Michaela Konrad) / spacelove.at
 
 
aus: Von belebten und unbelebten Dingen (Hannes Schaidreiter) / mixercomics.at
 
 
  Der ursprüngliche Titel "Kunstvolle, sequenzielle Arbeiten von 14 total besessenen Comic-Künstlern und -Künstlerinnen, zusammengestellt vom total besessenen Comic-Künstler Hannes Schaidreiter." war ganz einfach zu lang. Daher also "Perpetuum", erfährt man aus dem Vorwort.
Außerdem steht "Perpetuum" in der Buchhandlung dann neben "Persepolis", erklärt mir Hannes Schaidreiter mit der eiskalten Stimme eines Hardcore-Marketing-Kalkulators. Um dann hinzuzufügen, dass man als Comicschaffender in Österreich einen langen Atem braucht - kaum jemand lebt nur vom Zeichnen, Hannes Schaidreiter beispielsweise hat sein Geld als Behindertenbetreuer verdient - da sei Perpetuum doch sehr passend.
Die Möglichkeit für Publikationen gibt es nur bedingt - Fanzines ja, aber Bücher?
Besonders Wien lässt in dieser Hinsicht zu wünschen übrig - Graz hat immerhin Tonto Comics und Linz das Linc.
 
 
 
total verlaufen kennt man doch ...

aus: November (Heinz Wolf) / heinzwolf.at
 
 
aus: Sagn Ma (VerenaW.)
 
 
  Aber zurück zu Wien - wenn schon nicht regelmäßige Publikationen, dann doch wenigstens einen regelmäßigen Termin - den Comicstammtisch im Rüdigerhof: jeden zweiten Mittwochabend im Monat - für Interessierte.
Und wenn man Glück hat, trifft man dort auf die eine oder den anderen aus "Perpetuum". Oder vielleicht auch bei der Comic-Release-Party am Samstag, den 19. April 2008, ab 22.00 Uhr in der philiale im Foyer des Gartenbaukinos.
 
 
 
aus: Somnambulia (Christoph Abbrederis) / abbrederis.com
 
 
  Perpetuum (herausgegeben von Hannes Schaidreiter), Luftschacht Verlag, Wien 2008

Mit Beiträgen von:
Christoph Abbrederis
Borretsch
Nina Dietrich/ Markus Mickl
Michaela Konrad
Thomas Kriebaum
Tommi Kuehberger
laas
Nicolas Mahler
Leopold Maurer
Hannes Schaidreiter
Verena W.
Klaudia Wanner
Heinz Wolf

Der Herausgeber Hannes Schaidreiter wird am Freitag auch Gast in FM4 Connected sein und über das Buch und die österreichische Comic-Szene erzählen.
 
 
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