fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
 | 14.10.2007 | 19:14 
L'Auberge FM4. Erfahrungsberichte zu eurem Auslandssemester aus allen Ecken - hauptsächlich - Europas.

 
 
L'Auberge FM4: New Orleans
 
Name: Martin Frick

Heimatuniversität: Leopold- Franzens Universität Innsbruck
Gastuniversität: University of New Orleans
Fach: Political Science
Aufenthaltsdauer: 8.2006 - 6.2007
 Alle Städte im Überblick
 
 
Nicht ganz Europa, nicht ganz USA
  Auslandsjahre sind an sich super, einzigartig und die schönste Zeit des Lebens. Das ist zumindest das, was jeder Heimkehrer sagt. Nette Leute, Party in extremo, andere Kultur, neue Lebenserfahrung sind nur die Hauptargumente, die man so hört.
Im Universitätsalltag, im Gespräch mit zukünftigen bzw. alten Reise-Studenten bekommt man hin und wieder den Eindruck, dass sich die Studis gegenseitig in ihrer Ausgefallenheit, Neugierde und in ihrem Wagemut überbieten wollen. Für all jene, auf die das eine oder andere zutrifft, nun eine besondere Empfehlung- ein Studium in New Orleans.
 
 
 
Die Hauptbibliothek
 
 
1. Eine Stadt wie keine andere
  New Orleans war immer schon speziell. Eine katholische Enklave mitten im protestantischen Süden der USA. Eine kulinarische Hochburg mit kreolischen, französischen und afrikanischen Einflüssen, die seit mehr als 200 Jahren eine geradezu perverse August-Luftfeuchtigkeit erträgt. Eine Stadt, in der man auf der Straße trinken darf und in der es keine Sperrstunde gibt (was nicht wenige Amis an Sodom und Gomorrha erinnert). Eine Stadt, die eine Jahrhundertkatastrophe trotz eineinhalbtausend Opfern grade mal noch so überlebt hat. New Orleans hat viele Gesichter, wie ich in meinen zwei Semestern an der staatlichen, um gute 7000 Studenten geschrumpften, University of New Orleans erleben durfte.
 
 
 
"First Down"- erster Österreichischer New Orleans Saints Fanclub
 
 
2. Die Uni
  Die UNO ist eine seit den Sechzigern existierende öffentliche Uni mit nun wieder ca. 9000 undergraduates. Das Studieren dort wurde mir Dank einer seit nunmehr über zwanzig Jahren existierenden Kooperation zwischen den Unis von Innsbruck und New Orleans leicht gemacht. Bürokratie pur halt im Vorhinein, aber dafür ist die Betreuung vor Ort super, und es sollte in der Regel keine Probleme mit Anrechnungsfragen geben. Die theoretische Kapazitätsgrenze für exchange-Studenten liegt bei 40 Studenten, was im Katrina- Jahr erreicht wurde. Im ersten post-Katrina-Jahr (meinem) waren es 20.

Das Kursniveau ist unterschiedlich. Von fast schon lächerlich bis sehr fordernd ist alles dabei, auch sehr interessantes. So gibt es Kurse in "Human Sexual Behavior", was nebenbei der beliebteste Kurs der Uni ist, mit jeweils 900 Studenten pro Semester. Fast noch interessanter ist der vom Tourismus-Institut angebotene "Bar and Beverage Management"-Kurs, in dem es - richtig - um Alkohol und alles was damit zu tun hat geht. Inklusive Wein- und Bierverkostung mit dem verrückten Professor, versteht sich.

Die Professoren sind in der Regel sehr hilfsbereit und sehen sich viel mehr als Dienstleister als ihre Kollegen in Österreich, da können schon mal Einladungen zur Weihnachtsparty der Professorin erfolgen.

Die UNO besteht aus einem eher kleinen amerikanischen Campus, Subway, Burger King und eigene Campus Police inklusive. Parties in den Heimen sind nicht immer toleriert, dafür kann man vielleicht später mal sagen, dass die WG- Party von der Nationalgarde aufgelöst wurde. Diese ist hier ein Überbleibsel des Hurrikans Katrina.
 
 
 
Besagte Nationalgarde. Der Herr mit Glatze dürfte mittlerweile schon in Afghanistan sein.
 
 
3. "P-A-T-I-E-N-C-E"
  Geduld ist eine zwingende Voraussetzung für jeden tapferen New Orleans exchange student. Das lernt man spätestens, wenn man der black mama am Steuer des maroden Linienbusses erklären will, dass eine 20-minütige Lesepause am Straßenrand auch durch "Moby Dick" nicht gerechtfertigt wird.

New Orleans tickt anders als jeder andere Teil der USA, den ich bereiste. Die Menschen nehmen sich Zeit, Zeit für Musik, für Tratsch, für Essen und speziell für Alkoholkonsum. "Having a good time" oder auch "laissez les bons temps rouler" scheint überhaupt das Credo der Stadt zu sein, was sie eigentlich für Austauschstudenten prädestinieren würde, wäre da nicht die:
 
 
 
4. Mordstatistik
  Mit dem für die Bewohner typischen Sarkasmus erklärte mir ein French Quarter resident, dass man nun immerhin in einer Statistik voran wäre, eine Anspielung auf die high- rankings in "schlechteste Straßen der USA" oder "korruptester Bundesstaat". Tatsächlich, New Orleans ist dank einer trotz Nationalgarde nur schemenhaft sichtbaren Staatsgewalt eine der "murder capitals" der USA, gerechnet auf Morde pro Einwohner. Es gibt immer wieder Nächte, in der vier, fünf Morde vorfallen. Ein Großteil davon allerdings im Milieu der Drogenbanden, hält man sich davon fern, sollte man in der Regel sicher sein. Halt nicht in die falschen Viertel spazieren, bitte.
 
 
 
Musik verbindet - auch beim Springbreak in Miami
 
 
5. Das wirklich besondere Erlebnis
  setzt sich aber aus vielen Faktoren zusammen: der ausgezeichneten Betreuung bei Organisation und während des gesamten Aufenthaltes dank eines an der UNO vorhandenen Österreich-Zentrums, sowie durch die Massen an Innsbruckern, die schon im Big Easy studiert haben; dank des wohl einzigartigen Nachtlebens mit seiner Fülle an Bars und Clubs, der Bourbon Street (dem Ballermann Amerikas) sowie als Draufgabe zahlreicher Musikfestivals und natürlich des weltbekannten Karnevals ("Mardi Gras"). Auch die tägliche Präsenz der Folgen einer Katastrophe, der schleppende Wiederaufbau und die Erfahrung, wie die betroffenen Menschen mit all dem umgehen, macht das Besondere an New Orleans aus. (Da kann jeder Berufsnörgler in Österreich etwas lernen). Alles in allem das beste Jahr meines Lebens, natürlich.
 
 
 
Deine Erfahrungen
  Du hast selbst auch in New Orleans studiert oder sonst längere Zeit dort verbracht? Willst dem hier noch etwas hinzufügen, einen ganz speziellen Tipp loswerden oder vor einem gern gemachten Fehler warnen? Das Forum hier unten ist der richtige Platz dafür!

Und falls du zumindest ein Uni-Semester in einer anderen Stadt verbracht hast: Schick uns doch einen eigenen Text mit deinen Erfahrungen! Alle Infos dazu findest du [hier].
 
fm4 links
  Wikipedia: New Orleans

University of New Orleans

UNO: Informations for International Students

UNO: Center Austria

fm4.orf.at/auslandssemester
L'Auberge FM4 - Alle im FM4 Auslandssemester porträtierten Städte auf einen Blick
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick