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 | 1.11.2007 | 17:30 
L'Auberge FM4. Erfahrungsberichte zu eurem Auslandssemester aus allen Ecken - hauptsächlich - Europas.

 
 
You're having the time of my life
  von Nina Hochrainer
 
 
 
Como encontrar un piso
  In den meisten Fällen hilft die jeweilige Partneruni im Ausland bei der Unterkunftssuche - man kann bereits im Vorfeld angeben, ob man ein Wohnheimzimmer benötigt. Einige ausländische Universitäten bieten auch Infos und Listen für die WG-Suche. Eine weitere Möglichkeit ist eine von zwei ehemaligen Erasmusstudierenden initiierte Website: Hier kann man die eigene Wohnung zum Tausch auf Zeit anbieten.

Kickstart zur Integration ins "echte" Leben vor Ort ist sicher ein Zusammenleben mit einheimischen Studierenden. Wie gut das WG-Leben dann letztlich funktioniert, ist bekanntlich ein Zusammenspiel von Glück, guter Menschenkenntnis und Anpassungsvermögen.

 
 
Frisch im pittoresken Salamanca angekommen, lautete die Mission, so rasch wie möglich eine adäquate Wohnmöglichkeit zu finden. Nach mehreren holprigen Telefonaten fand sich ein geräumiges Apartment, dessen Prunkstück - eine rote Ledercouch im Wohnzimmer - gesellige Abende versprach. Bei der Suche nach weiteren Mitbewohnern wurde ich auf der Straße fündig: Ein Italiener mit treuherzigen Augen, schwarzem Wuschelkopf und Wohnungsliste in der Hand zog umgehend ein. Der Gute erwies sich fatalerweise als fanatischer Anhänger der Feldenkrais-Methode und hingabevoller Zupfer der Akustikgitarre. Bei seinen Körperübungen durfte man das Wohnzimmer nicht betreten, bei den ungefragt vorgetragenen Gitarrenkonzerten herrschte Anwesenheitspflicht. Von Putzen und Mietzahlungen hielt er dagegen nicht viel - und so startete die Mitbewohnersuche nach einem Monat von Neuem.
 
 
Parles-tu , ehh, anglais?
 
Sofern man nicht Bochum oder Bielefeld als Studienstadt gewählt hat, sind Sprachkurse ein empfehlenswertes Unterfangen. Über das Auslandsbüro seiner Hochschule kann man sich für einen EILC (Erasmus Intensive Language Course) bewerben. Diese Kurse gibt es für alle Sprachen außer Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch. Sie sind kostenlos, allerdings ist der Andrang auch dementsprechend groß. Eine Garantie auf einen Kursplatz gibt es daher nicht.

Die zweite Möglichkeit ist, die Auszahlung eines zusätzlichen Erasmus-Monats zu beantragen, den man dann für einen Sprachkurs verwenden kann. Diesen muss man allerdings auf eigene Faust finden und selbst bezahlen.
 
 
 
Essen bestellen auf Spanisch ist einfach: Man deutet einfach auf die in der Vitrine ausgestellte Tortilla und schon hat man, was man will. Dasselbe gilt für Wegbeschreibungen: Ein Fingerzeig auf den Stadtplan, und man versteht alles. Dennoch sah ich meine Spanischkenntnisse als durchaus ausbaufähig an und belegte einen dreiwöchigen Sprachkurs vor Beginn des Semesters. Der Schwerpunkt lag dabei zwar eher auf Grammatik als auf lebensnaher Alltagskonversation, schlagender Vorteil des Kurses war jedoch die soziale Komponente, sprich: das Kennenlernen anderer ErasmusserInnen, die in der gleichen, neuen Lebenssituation stecken. Ein hervorragender Startpunkt also, um sich ein erstes Netz aus Freund- und Bekanntschaften vor Ort aufzubauen.
 
 
Salamanca, dessen Universität übrigens die drittälteste Europas ist, erwies sich als Studentenhochburg par excellence. Die Sprache beherrschte ich nach einiger Zeit tatsächlich, meine Lieblingsplätze, Cafés und Bars hatte ich gefunden, und neben unvermeidlichen Erasmusparties (200 Leute in 50m2-Wohnungen) wurde mir auch die lokale, "authentische" Kultur- und Musikszene immer vertrauter. Gerade, als ich mich richtig heimisch zu fühlen begann, war das Semester auch fast schon wieder zu Ende. Wie schön, wenn sich dieses Ende "verlängern" lässt.
 
 
Zum Eingeborenen werden
  Erfahrungsberichten zufolge fühlt sich ein Semester Erasmus oft nur wie ein ausgedehnter Urlaub an. Wer sich nicht gleich für ein Jahr beworben hat und vor Ort um Verlängerung ansuchen will, kann dies innerhalb eines akademischen Jahres tun - und zwar bis zwei Monate vor Ende des Wintersemesters. Infos und Antragsformulare finden sich auf der Website der "Nationalagentur Lebenslanges Lernen" des ÖAD. Dann muss nur noch die Partneruni zustimmen.
 
 
 
Die Nebensache: Studieren
  Klar, bei einem Erasmus-Aufenthalt spielen Horizonterweiterung und das Kennenlernen neuer Kulturen, Menschen und Lebensarten eine wesentliche Rolle. Aufs Studieren sollte man freilich nicht ganz vergessen. Das Auslandsbüro empfiehlt, 30 ECTS-Punkte pro Semester zu absolvieren. Die Mindestanforderung, um das Erasmus-Stipendium nicht zu verlieren, liegt bei 3 ECTS Punkten pro Monat, die als positive Prüfungsergebnisse vorliegen müssen.
 
 
 
Auf der "Facultad de Comunicación Audiovisual" an meiner Gastuni belegte ich neben anspruchsvollen und arbeitsintensiven Vorlesungen auch einige dubiose Kurse wie "Photoshop für Anfänger" oder "Informatik für Fortgeschrittene" (Schwerpunkte: Bedienung von Hardware wie Maus und Tastatur). Zu Beginn des Semesters wurde allen Austauschstudierenden nahe gelegt, Interesse für das Studium zu zeigen, das Jahr aber vor allem zu genießen. Höchstleistungen wurden offensichtlich keine von uns erwartet.
 
 
  Welche Vorlesungen man an der Partneruni belegt, muss man schon vor Antritt des Aufenthalts bestimmen: Je nachdem, welche Scheine fürs Studium noch benötigt werden, sucht man sich die entsprechenden Kurse auf der Website der Partneruni raus. Dann stellt man einen Antrag auf Anerkennung (Vorausbescheid), damit die Vorlesungen später auch angerechnet werden.
 
 
 
Don't look back in anger
  Wenn der Auslandsaufenthalt vorbei ist und man mit Aufenthaltsbestätigung und Zeugnissen im Gepäck zurück in die Heimat kehrt, erscheint die verbrachte Zeit vielen bald wie ein entfernter Traum, ein surreales Paralleluniversum. Oft ist es nicht ganz einfach, sich selbst und die im erasmus-studentischen Mikrokosmos gesammelten Eindrücke und Erfahrungen ins neue alte Leben einzugliedern. Früher oder später kehrt man vielleicht zurück in die ehemalige Erasmus-Stadt, besucht Freunde, die noch dort sind, geht die alten Wege nochmal ab.
 
 
 
Mein Besuch in Salamanca ein halbes Jahr "danach" gestaltete sich aufwühlend, verwirrend, schön und enttäuschend zugleich: Die Universitätsstadt und Erasmus-Hochburg tat so, als ob ich nie dort gewesen wäre. Sie hatte sich mit neuen Studierenden gefüllt, die jetzt mein Lieblingscafe belagerten, Freundeskreise aufbauten und Konversationsversuche auf Spanisch betrieben. Eine neue Erasmus-Generation nahm nun meine Stadt ein, machte meine Erfahrungen. Das Wort "Austauschstudent" bekam hier plötzlich eine neue Bedeutung: Was für mich speziell und einzigartig war, erleben jedes Jahr Tausende andere als ebenso speziell und einzigartig - und deswegen universell. Und genau darum geht's bei Erasmus.
 
 
Deine Erfahrungen - Dein Stadtporträt!
  Wir sind auf der Suche nach deinen Erfahrungen! Du hast ein Semester im Ausland verbracht? Oder bist gerade mittendrin? Schick uns doch dein persönliches Stadtporträt deiner Auslandssemester-Destination.

Alle Infos dazu findest du [hier]
 
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  Erasmus-Tipps Teil 1
Bewerbung, Fristen & Anlaufstellen

Erasmus-Tipps Teil 2
Wohnungssuche, Sprachkurse & Prüfungen

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